Kinderbetreuung

Kita-Ausbau in Siegen geht weiter

Fakten zur Kinderbetreuung in Siegen: Bereits zwei Drittel der Zweijährigen sind in Kitas angemeldet.

Fakten zur Kinderbetreuung in Siegen: Bereits zwei Drittel der Zweijährigen sind in Kitas angemeldet.

Foto: Manuela Nossutta Funkegrafik NRW

Siegen.  Siegen sucht weiter Grundstücke und Träger für neue Kindergärten. Nachfrage nach längerer Betreuungszeit steigt, weniger Eltern müssen zahlen.

2816 Kinder über drei Jahre bekommen in Siegen einen Betreuungsplatz in einer der 64 Kitas, weitere 25 in einer Tagespflegestelle. Für alle Kinder im Kindergartenalter ist somit ein Betreuungsangebot vorhanden. Das muss so sein, weil die Stadt zu diesem Angebot gesetzlich verpflichtet ist. Und das wird auch so sein, weil die Kapazität geschaffen werden konnte. Unter dem Strich, sagt Judith Wagener, Kita-Planerin der Stadt, sei das Ergebnis für das kommende Kindergartenjahr „ganz erfreulich“.

So entwickelt sich das Angebot

Was nicht heißt, dass der Endausbau des Betreuungssystems bereits erreicht ist, das durch die in den letzten Jahren gestiegenen Geburten- und Zuwanderungszahlen gewachsen ist. „Wir wollen und müssen weiter ausbauen“, sagt Sozialdezernent André Schmidt, „wir sind auf der Suche nach Grundstücken und Trägern für neue Einrichtungen“ – denn irgendwann ist jede Kita zu groß und jede Fläche zu klein, um noch weitere Anbauten verkraften zu können. Der Bedarf wächst nicht nur durch steigende Kinderzahlen, sondern auch längere Betreuungsanforderungen. Auch für die Zweijährigen, so schätzt André Schmidt, „werden wir in Zukunft über eine 100-Prozent-Versorgung reden.“

Das sind die neuen Kitas

Aktuell im Ausbauplan sind noch diese Vorhaben:

Am Kindergarten: Das ist die Adresse des Neubaus, den die stadteigene KEG (Kommunale Entwicklungsgesellschaft) in Geisweid errichtet. Da, wo früher einmal eine Einrichtung der evangelischen Kirchengemeinde stand, entsteht ein Neubau, den der Verein für soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen (VAKS) mit einer Drei-Gruppen-Anlage und 55 Plätzen beziehen wird. Die Bauzeit dauert länger als geplant, einen Fertigstellungstermin nennt die Stadt nicht. Als Vorläufereinrichtung wird ein Provisorium in der ehemaligen Hüttentalschule betrieben.

Zur Zinsenbach: In Weidenau betreibt der Elternverein „ARGE Kindergarten an der GHS“ die Kita, die um eine Gruppe und damit 20 Plätze für Drei- bis Sechsjährige erweitert werden soll. Das Vorhaben sei „bislang nicht realisiert“.

Am Sender: Die Einrichtung des Christofferwerks auf dem Siegener Giersberg wird, unweit von Grund- und Gesamtschule, die dritte Kita in derselben Straße. Eröffnung soll in diesem Jahr sein. In drei Gruppen werden 55 Plätze angeboten.

Lohgraben: Der ehemalige Kita Oranienstraße des Christofferwerks in Siegen weicht dem Neubau des Hauses der Musik für die Philharmonie. Derzeit findet der Betrieb in Räumen der ehemaligen Realschule auf dem Häusling statt. Künftiger Standort wird das Gelände der ehemaligen Walzengießerei Roland sein, auf dem auch eine weitere Grundschule des Christlichen Schulvereins entsteht. Die um eine auf fünf Gruppen erweiterte Kita wird 85 Plätze haben. Angestrebt wird die Eröffnung im Sommer 2021.

Saarbrücker Straße: An der DRK-Kinderklinik Siegen entsteht eine Vier-Gruppen-Einrichtung mit 70 Plätzen – gerechnet wird mit einem größeren Anteil von unter Dreijährigen, weil dort auch viele Kinder von Beschäftigten der Kinderklinik sowie Azubis und Mitarbeitern des neuen Bildungsinstituts für Gesundheitsberufe (BiGS) erwartet werden. Eröffnung soll in diesem Jahr sein.

Heinbach: Siegens zweiter Waldkindergarten könnte längst in Betrieb sein, wenn der Bauwagen geliefert worden wäre – die Nachfrage nach Waldkita-Ausstattung sei derzeit sehr groß, weiß André Schmidt. Der Platz selbst ist befestigt, der Weg dorthin auch, die Betriebserlaubnis ist erteilt. Die Alternativen Lebensräume (ALF) werden dort ein Angebot für 20 Kinder betreiben.

Das ändert sich

Das Betreuungsangebot wird vielfältiger mit längeren Öffnungszeiten, auch an Wochenenden und Feiertagen, auch spätabends und frühmorgens und mit kürzeren Ferien. Bisher arbeiten nur die städtische Kita Gläserstraße und der Tagespflege-Standort von KiTS in der Fortunastraße nach den Kita-Plus-Kriterien. Der Stadt steht für erweitere Angebote nun ein jährliches Budget vom 229.600 Euro zur Verfügung. Das Jugendamt rechnet damit, dass diese Mittel in den nächsten Jahren auch von anderen Trägern abgerufen werden.

Der alte „Kindergarten“ hat ausgedient. Dass Kinder vormittags kommen, mittags abgeholt und nachmittags noch einmal gebracht werden, soll Vergangenheit sein. „Geteilte Betreuungszeiten“ werden nicht mehr bezahlt. Im nächsten Kindergartenjahr wurde für 1777 von 3642 Kindern die maximale Betreuungszeit von 45 Stunden gebucht. 25 Stunden, also halbtags, bleiben nur 25 Stunden, alle anderen 35 Stunden.

Die Familienzentren werden gestärkt: 17 Kitas haben diesen über die Kinderbetreuung hinausgehenden Auftrag angenommen; dafür bekommen sie künftig 20.000 statt 13.000 Euro im Jahr zusätzlich.

Für mehr Personal wird gesorgt: Das Berufskolleg hat einen weiteren Kurs gebildet, und auch die praxisintegrierte Ausbildung (PIA), in der die angehenden Fachkräfte bereits in der Kita angestellt und nicht mehr nur Schüler sind, geht in den zweiten Jahrgang. Die Kitas bekommen dafür Extra.-Geld. Diese Förderung, sagt Judith Wagener, sei „richtungsweisend“.

Eltern zahlen weniger: Zwei Kita-Jahre sind nun beitragsfrei, sowieso keine Beiträge zahlen Eltern mit Jahreseinkommen unter 30.000 Euro, und auch für Geschwisterkinder gibt es Ermäßigungen. Umgekehrt steigt der Zuschuss zu den Betriebskosten, den Land und Stadt je etwa zur Hälfte zahlen (die Stadt mehr, das Land weniger), von 27,5 Millionen Euro im Jahr 2017 auf nun 34,5 Millionen. An Elternbeiträgen nahm die Stadt schon 2018, einschließlich der Grundschulbetreuung, nur 1,7 Millionen Euro ein. Derzeit werden für 948 Kinder Beträge bezahlt, 2478 sind bereits befreit. 853 Kinder werden 2020/21 im zweiten Kitajahr sein, darunter 310, für die sonst Beiträge gezahlt worden wären. Für Widerspruch sorgte die beabsichtigte Kürzung des Zuschusses, den die Stadt an die Träger leistet, von 2,2 auf 1,6 Millionen Euro. „Das ist ein längerer Prozess, in dem man verhandeln muss“, sagt Sozialdezernent André Schmidt, „wir haben keinen wirklichen Konflikt.“

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