Schauspiel

Kleine und Große feiern Pippi Langstrumpf in Freudenberg

Pippi zieht in die Villa Kunterbunt: Für Tommy und Annika, die braven Kinder aus der Nachbarschaft, beginnt nun eine aufregende Zeit — für viele andere allerdings auch.

Foto: Michael Kunz

Pippi zieht in die Villa Kunterbunt: Für Tommy und Annika, die braven Kinder aus der Nachbarschaft, beginnt nun eine aufregende Zeit — für viele andere allerdings auch. Foto: Michael Kunz

Freudenberg.  Der Klassiker Pippi Langstrumpf nach den Büchern von Astrid Lindgren begeistert die Zuschauer der Freilichtbühne in Freudenberg.

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„Wir sind schon warm gespielt“, sagt Christian Wallhäuser. Denn schon vor der Premiere gab es einige Sondervorstellungen von „Pippi Langstrumpf“ auf der Freilichtbühne. Der Klassiker von Astrid Lindgren begeistert auch 2018 die kleinen und großen Besucher, die das durchweg überzeugende Ensemble nach zwei Stunden mit großer Begeisterung und stehenden Ovationen feiern. Völlig verdient. Nicht zuletzt Franziska Köster als Pippi hat einige Ausrufezeichen gesetzt, die es ihren beiden „Besetzungs-Kolleginnen“ Lena Dickel und Natalie Wenger in den kommenden Wochen gar nicht einfach machen dürften.

Es ist die fünfte Inszenierung der Geschichte um das „stärkste Mädchen der Welt“ auf der Freudenberger Bühne, eine ganz neue, wie Christian Wallhäuser verrät.

In früheren Jahren sei auch schon mal die eine oder andere Freiheit in Sachen Bearbeitung möglich gewesen: „Heute achten die Erben von Astrid Lindgren sehr genau auf die Geschichten.“ Wer das Buch oder auch die Filme aus den späten 60-ern kennt, wird jedenfalls viele Elemente wiedererkennen.

Die Villa Kunterbunt als Tollhaus

Die junge Dame mit dem unendlich langen Namen, die sich aber am liebsten Pippi nennen lässt, zieht in die „Villa Kunterbunt“, die ihr Vater vor vielen Jahren einmal in einer kleinen schwedischen Stadt gekauft hat. Im Gepäck hat sie einen großen Koffer mit Goldmünzen, die der in der Südsee verschollene und gelegentlich auch schon mal als Pirat tätige Vater Langstrumpf ihr hinterlassen hat. Dazu den Affen „Herr Nilsson“ und das Pferd „Kleiner Onkel“.

Schnell sorgt Pippi für Unruhe und Chaos. Die Nachbarskinder Tommy und Annika (Silas Schöler und Tabea Wagner), auch in Freudenberg immer noch so herrlich langweilig und spießig wie einst im Kino und TV, sind die einzigen, die sich tatsächlich über den munteren Zuwachs freuen, der sich an keine Konventionen hält und gern unwahre Geschichten erzählt: „In mir brutzeln so viele Lügen, ihr glaubt es gar nicht“. Obwohl auch sie im Laufe der Geschichte zumindest ein Erlebnis haben, bei dem sie den buntgekleideten Frechdachs ‚sonst wohin’ wünschen könnten.

Pippi geht nicht ins Waisenhaus

Alle anderen verzweifeln an Pippi, die genüsslich jede Form von Autorität in Frage stellt, den Polizisten eine Abreibung nach der anderen verpasst, der steifen Frau Prysselius alias „Prusselise“ (Corinna Kruse) handfest deutlich macht, dass sie sich auf keinen Fall in ein Waisenhaus stecken lässt und die Lehrerin (Monika Dreisbach) zum Weinen bringt.

In die Schule ist Pippi eh nur mitgekommen, weil sie auch Weihnachtsferien haben will, verwandelt das Klassenzimmer aber schnell mit Widerworten und -borstigkeit in ein Tollhaus und macht sich wieder ab in ihre Villa. Zwischendurch wird noch der „stärkste Mann der Welt“ im Zirkus von ihr auf die Bretter gelegt, und sie schlägt die eigentlich liebenswerten Gauner Blom und Donner-Karlsson in die Flucht.

Inszenierung mit zündenden Ideen

„Wer eine Mutter hat, die ein Engel ist, und immer nur auf den sieben Meeren rumgeschippert ist, der weiß das doch nicht“, ist Pippis Ausrede für alle Katastrophen und Ausfälle in Sachen Etikette. Wobei das Mädchen tatsächlich eine Menge Dinge weiß und hin und wieder durchschimmern lässt, dass sie sich schon sehr bewusst danebenbenimmt. Auf der anderen Seite hat sie als einzige den Mut, Kinder aus einem brennenden Haus zu retten oder einen kleinen Jungen gegen eine brutale Jugendbande zu verteidigen.

Andrea Geldsetzer und Bearbeiterin Katrin Krämer haben eine sehr schöne Geschichte auf die Bühne gebracht, einmal mehr mit vielen zündenden Einfällen und Überraschungen. Das Schiff „Hoppetosse“ darf nicht fehlen und die beiden Polizisten fahren in einem handlackierten Saab mit fachgerechter schwedischer „Polis“-Aufschrift, über dessen Besorgen und Finden das Programmheft ausführlich berichtet. Apropos Polizisten: Jochen Kretzer und vor allem der immer verlässliche Rainer Zang brillierten in dieser Premierenbesetzung in einer Darstellung auf den Spuren von Laurel und Hardy und heimsten neben „Pippi“ und Corinna Kruses „Frau Prysselius“ den lautesten Beifall ein.

Erstaunlich ist aber irgendwie doch, dass diese Geschichte über ein starkes und auch ziemlich anarchisches Mädchen immer noch so gut funktioniert. Zmindest auf der Bühne lieben es die Zuschauer jeden Alters offenbar, wenn starke Mädels den Ton angeben und die Männer noch einen Tick dümmer sind, als sie es früher schon waren. Die Kinder lachen und die Eltern jubeln - und wahrscheinlich wird das auch in den nächsten 50 Jahren noch so sein.

Weitere Termine

Pippi Langstrumpf kommt bis 22. Juli immer sonntags um 15 Uhr, außerdem Montag und Dienstag, 16. und 17. Juli. Kohlhieesels Töchter haben am Samstag, 16. Juni, 20 Uhr, Premiere.


Karten unter 02734/4797-3333 und tickets@freilichtbuehne-freudenberg.de

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