Forschung

Kreativwerkstatt der Uni Siegen druckt Geige mit 3D-Drucker

 

 

Foto: Universität Siegen

Siegen.   Musikliebhaber Dr. Werner Fröhlich entwirft ein Instrument im Fab Lab der Universität Siegen. Es ist gedruckt und funktionstüchtig.

Was entsteht, wenn ein emeritierter Mathematik-Professor und Musikliebhaber seine Leidenschaft für 3D-Drucker entdeckt? Im Falle von Prof. Dr. Werner Fröhlich ist die Antwort eine Geige. Entwickelt hat er das Instrument im Fab Lab der Universität Siegen.

Könnten die Busch-Brüder am Siegufer hören und sehen, sie würden wohl ihren Ohren und Augen nicht trauen angesichts der Töne, die nur wenige Meter von ihnen entfernt erklingen. Auf jeden Fall sind die Beton-Skulpturen des Dirigenten Fritz und des Geigers Adolf gute Zuhörer. Und wenn Werner Fröhlich zur Geige greift, sind nicht nur die Busch-Brüder aufmerksam. Das liegt vor allem an einer Besonderheit: Fröhlichs Geige stammt aus einem 3D-Drucker, hergestellt im Fab Lab der Universität Siegen im Herrengarten. Auffälliges Grün statt klassischem Braun, Kunststoff statt Holz, technisch reproduzierbar statt meisterhaftes Unikat. Und trotz der gravierenden Unterschiede zu den klassischen Vorbildern erzeugt Fröhlich mit seiner grünen Violine einen Klang, der sich hören lassen kann.

Geige aus Kunststoff

„Eine Stradivari wird sie nicht werden, aber als Gebrauchsinstrument eignet sie sich hervorragend. Wenn die mal runterfällt, passiert ihr nichts“, sagt Fröhlich mit einem Lächeln. Der emeritierte Mathematik-Professor hat wahrscheinlich die erste Siegerländer Geige aus Kunststoff erstellt. Von den Möglichkeiten der 3D-Drucker ist er schon seit längerem fasziniert, die Idee, eine Geige zu kreieren, kam dem Musikliebhaber aber erst im Laufe der Zeit. „Ich habe mich zunächst an kleineren Dingen, wie den fünf platonischen Körpern, versucht. Dann habe ich gesehen, dass man auch Geigen drucken könnte. Im Geigenbau hat sich 300 Jahre lang nichts getan. Die Frage ist, ob man da nicht auch eine Weiterentwicklung herstellen könnte“, erläutert der 78-Jährige, der 1972 ein Mitarbeiter der ersten Stunde der Universität Siegen war.

Doch einfach drauf los drucken ist nicht möglich. Der 3D-Druck ist ein komplexer Vorgang. Fröhlich suchte Unterstützung und fand sie im Fab Lab der Universität. Das Fab Lab ist eine offene Kreativwerkstatt, in der jedermann experimentieren und arbeiten kann. „Die Mitarbeiter haben mir vieles erklärt, mir gezeigt, wie man vorzugehen hat.“ Prof. Fröhlich griff für seine Geige auf eine frei zugängliche Open-Source-Vorlage aus dem Internet zurück, die den Drucker mit den nötigen Informationen versorgt. Wie muss er sich bewegen? In welcher Stärke soll er drucken? So entstand schließlich Schicht für Schicht – jeweils etwa 0,1 Millimeter stark – die erste gedruckte Siegerländer Violine. Allerdings offenbarten sich auch schnell Probleme. Die Drucker im Fab Lab waren zu klein, der Körper der Geige musste in drei verschiedenen Teilen gedruckt und anschließend zusammengesetzt werden. Das mindert die Klangqualität immens. Fröhlich nahm es mit einem Schmunzeln hin: „Als Ukulele vielleicht verwendbar, ein vernünftiger Ton kommt aber nicht heraus.“

Mehr als 20 Stunden gedruckt

Die Lösung lag dennoch nahe. Die Didaktik der Mathematik ist ebenfalls im Herrengarten zu Hause und nutzt einen größeren Drucker, der auch zum Bestand des Fab Labs gehört. Dort konnte Prof. Fröhlich den Körper der grünen Geige in einem Stück anfertigen. Hinzukommen, ebenfalls aus dem Drucker, das Griffbrett und der Wirbelkasten sowie die Saiten einer klassischen Geige – und fertig ist das Instrument aus dem 3D-Drucker. „Das Drucken kann mehr als 20 Stunden dauern. Man hat nicht immer Erfolg, es gibt eine Menge Rückschläge. Doch ich habe von den Erfahrungen der Mitarbeiter des Fab Labs profitiert“, so Fröhlich, der vor etwa vier Monaten sein Unterfangen startete – und noch nicht fertig ist.

„Ich denke, das wird nicht meine letzte Geige gewesen sein. Es gibt viele Stellschrauben, um den Klang zu verbessern. Damit werde ich mich in Zukunft beschäftigen.“ Könnten die Busch-Brüder hören und sehen, welche Möglichkeiten die Technik heute bietet, sie würden aus dem Staunen wohl nicht mehr herauskommen.

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