Dezernent

Kreisverwaltung Siegen: Henning Setzer geht in Pension

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Henning Setzer hat mehr als 49 Jahre bei der Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein gearbeitet. Freitag ist seine letzte Kreistagssitzung.

Henning Setzer hat mehr als 49 Jahre bei der Kreisverwaltung Siegen-Wittgenstein gearbeitet. Freitag ist seine letzte Kreistagssitzung.

Foto: Steffen Schwab

Siegen.  Nach über 49 Jahren geht der Innen-Dezernent des Kreises in Pension. Wie wurde der Verwaltungsmann eigentlich Jäger und Feuerwehrexperte?

Für sein Büro im zweiten Stock des Kreishauses hat Henning Setzer als Wandschmuck ein Gemälde des Siegerländer Malers Hermann Manskopf ausgewählt, das den Wald über dem Allenbacher Insbachtal zeigt. Daneben hängt die Trophäe von einer Jagd. Hier und da stehen Tierfiguren, Hunde vor allem. Mitbringsel, sagt er. Und gegenüber, auf dem Sideboard, liegt die Uniformmütze für einen Feuerwehrmann. Das, was er macht, macht er mit vollem Einsatz.

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Henning Setzer wurde am Mittwoch 65. Am Freitag nimmt er zum letzten Mal im Kreistag vorn in der Verwaltungsreihe Platz, Ende des Monats beginnt der letzte Urlaub. Der Dienstälteste wird dann 49 Jahre und zwei Monate lang für die Kreisverwaltung gearbeitet haben. „Leitender Kreisverwaltungsdirektor“ steht auf dem Türschild. In den letzten Jahren war er so etwas wie der Innenminister des Landrats, verantwortlich für rund 1000 Beschäftigte, für Organisation, Kommunalaufsicht, Recht, IT und Digitalisierung.

Vormund sein

Angefangen hat alles ganz anders - oder beinahe gar nicht: Denn hätte er die Lehrstelle bei der Sparkasse genommen, wäre er heute Banker. Der 16-jährige Eiserfelder entschied sich für das Verwaltungspraktikum, fing am 1. August 1973 beim Kreis Siegen an, erwarb die Fachhochschulreife, wurde Diplom-Verwaltungswirt und schloss ein Studium mit dem Kommunaldiplom ab. Die Bauförderung wurde sein erstes Arbeitsgebiet, Wärmedämmung und andere Energiesparmaßnahmen waren in den 1970ern, dem Ölkrisen-Jahrzehnt, wichtiges Thema.

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„Aber eigentlich wollte ich unbedingt ins Jugendamt“, erinnert der ehemalige CVJMer. Dieses Ziel erreicht er 1982, er wird Vormund. Amtsvormund für rund 120 Menschen, die wegen psychischer Erkrankungen, Demenz oder Suchterkrankungen nicht selbst über ihr Leben entscheiden sollen. Sie leben in Wohneinrichtungen oder in den eigenen Familien, die meisten, ohne dass ein Eingriff des behördlichen Vormunds nötig ist. Bei einigen Mündeln - so das damalige Amtsdeutsch – ist er dann aber doch gefragt. „Probleme lösen, sich kümmern“, sagt Henning Setzer, „das hat mein ganzes späteres Berufsleben geprägt.“

Bevölkerung schützen

Verwaltungsleute müssen beweglich sein, wenn sie vorankommen wollen. Natürlich bleibt auch Henning Setzer nicht Amtsvormund. Er wird Sachgebietsleiter für die wirtschaftliche Jugendhilfe – also da, wo Geld für Erziehungshilfen bezahlt wird, Leiter der Kämmerei, schließlich 2002 Leiter des Ordnungsamts und 2009 Dezernent für öffentliche Sicherheit, Ordnung und Gesundheit.

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Ja, sagt er, ehrenamtlicher THW-Helfer war er schon - „THW“ steht für Technisches Hilfswerk. Aber in Feuerwehr und Katastrophenschutz muss er sich schon sehr gründlich einarbeiten – der Neubau von Rettungswachen und der Kreisleitstelle in Weidenau fallen in seine Amtszeit, der Orkan Kyrill 2007 und der Brand bei der Telekom 2013, der große Teile Siegens und Umgebung tagelang vom Telefonverkehr abschneidet. Henning Setzer arbeitet so gründlich, dass Kreisbrandmeister Bernd Schneider ihn zum „Fachberater Verwaltung“ und damit faktisch zum Feuerwehrmann macht, der inzwischen Träger des Deutschen Feuerwehr-Ehrenkreuzes in Silber ist. Auch das hat seinen Platz auf dem Sideboard, neben der Schirmmütze.

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Dass die Untere Jagdbehörde, die die rund 3500 Jagdscheininhaber im Kreis beaufsichtigt, mit Landwirtschaft und Forstverwaltung über Hege, Pflege und Wild-Abschusspläne verhandelt, zum Ordnungsamt gehörte, verändert auch Henning Setzers Freizeit. Nachdem er sich schon in der Schäferhundezucht engagiert hatte, als Zuchtrichter in der ganzen Welt unterwegs war, Landesvorsitzender des Vereins für deutsche Schäferhunde war – wird er nun auch noch Jäger.

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Wenn er schon von Amts wegen Jäger prüfen muss, will er auch selbst wissen, um was es geht: jagen, um mitreden zu können. Er besteht die Prüfung, „ich habe gemerkt, dass mit das Spaß macht.“ Heute hat er selbst eine kleine Jagdpacht („Die muss ja bezahlbar sein“), ist Jagdhornbläser in Netphen, Vorsitzender des Hegerings zu Hause in Wilnsdorf und seit 2021 Vorsitzender der Kreisjägerschaft, ein Ehrenamt, das er als Pensionär ausfüllen wird. Sohn Julian wird gleich mit angesteckt, der angehende Förster macht schon mit 16 den Jugendjagdschein. Wenn Henning Setzer etwas neu anfängt, dann eben richtig…

Verwaltung organisieren

2014 wechselt Henning Setzer wieder, der neue Landrat Andreas Müller ernennt ihn zum Sozial-, Jugend- und Gesundheitsdezernenten. Auf vertrautem Terrain werden der Ausbau der Kindertagesbetreuung und der erzieherischen Hilfe neue Aufgaben. „Die Gesellschaft verändert sich.“ Reagiert sensibler auf Signale, wenn Kinder und Jugendliche gefährdet sein könnten. Und merkt, dass das auch als Sparprogramm gedachte „Leben und Wohnen im Alter“, das vor allem ein Leben und Wohnen zu Hause ermöglichen soll, an Grenzen gerät – ganz ohne neue stationäre Pflegeheime geht es eben nicht.

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Seit 2019 ist Henning Setzer Dezernent für die Innere Verwaltung. Und damit gelegentlich auch wieder bei der Frage, die er vor über 49 Jahren für sich beantwortet hat: Was spricht für die Entscheidung für einen Verwaltungsberuf? Junge Leute, sagt Henning Setzer, finden hier immer mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Und einen krisensicheren Arbeitsplatz. Und, wenn sie es denn wollen, „sie können durch ihre Arbeit Lebensverhältnisse auf lokaler Ebene verändern.“ Das klingt auch nach Bilanz. Und hört sich gut an.

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