Kabarett

Kreuztaler sind erzückt vom Sauerländer Humor

Mimik und Gestik sind die halbe Miete, dazu kommen Friedas unglaubliche Geschichten.      

Foto: Michael Kunz

Mimik und Gestik sind die halbe Miete, dazu kommen Friedas unglaubliche Geschichten.     

Kreuztal.   Volles Haus und viel Beifall gab es für Frieda Braun und ihr „Sammelfieber“ in der Stadthalle Kreuztal. Sie hatte viel Kontakt zum Publikum.

„Das hat sich wohl vom letzten Mal rumgesprochen“, erklärt eine Besucherin der anderen, warum die Stadthalle an diesem Abend bis in den letzten Winkel gefüllt ist. Frieda Braun ist wieder da, die Dauerquasslerin aus Winterberg, und schafft es – bemerkenswert – einmal mehr, die Siegerländer mit ihren Geschichten aus dem Sauerland zu begeistern.

Mit ihrer „Frieda“ hat Karin Berkenkopf eine Kunstfigur geschaffen, die irgendwo in der Tradition von Adolf Tegtmeier steht und sicherlich auch ein Pendant zu Christa Weigands „Ursel“ ist; eine, mit der die Zuhörer sich identifizieren können, die sie ähnlich irgendwo in der eigenen Nachbarschaft oder beim Einkaufen auch schon mal getroffen haben. Frieda erzählt von ihrer Frauengruppe, die „eigentlich eine Splittergruppe“ ist; elf Frauen, die letztens gemeinsam in Hamburg im Musical „Phantom der Oper“ gewesen sind. „Oder war es ‚der König der Löwen’? Ich verwechsel’ das immer, aber es wurde gesungen!“

Früher, da sind sie zweimal im Monat zum Pastor zum Beichten gegangen. Immer mittwochs. Aber irgendwann sind die Mädels auf den Trichter gekommen, dass sie dann ja nicht zum Kaffeeklatsch können. Und weil sie sich doch schon so lange und so gut kennen, da reicht es doch, wenn eine die Sünden von allen beichtet. „Die Kirchen legen doch auch die Gemeinden zusammen“, findet Frieda, da gehe das doch auf dieser Ebene auch. Und Beichten müsse schon sein, damit die Kirche auch weiter in Beschäftigung bleibt, findet sie zur Erheiterung des Saals.

Es ist kein politisches Kabarett im klassischen Sinne, eher eine Serie von „Dönekes“ aus der Heimat und dem Alltag. Dennoch gelingt es Berkenkopf alias Braun, die eine oder andere Nachdenklichkeit anzubringen, immer schön verpackt in die naive Bauernschlauheit der „typischen“ Sauerländerin, die so schön mit dem „R“ rollen kann (so ganz anders freilich als die Siegerländer Variante).

Da geht es um das Sammeln für einen Wohltätigkeitsbasar, wo nur die überflüssigen Dinge genommen werden, die viele kaufen und nie nutzen, wie Heimtrainer oder „Jochurtmaschinen“ – allerdings keine Ehemänner, die schon vor Weihnachten reichlich angeboten wurden, erzählt Frieda Braun.

In Kreuztal sei sie jetzt nur, weil ihr ganz kurzfristig ein spendenfreudiges Publikum angekündigt wurde – und registriert auch gleich, dass da ja schon reichlich gebrauchte Jacken und Mäntel eingereicht worden seien: „Ich habe schon einige Taschen durchgeguckt. Vielen Dank!!“

Überhaupt, das Publikum ist der Künstlerin spürbar sehr wichtig. Sie marschiert mit einem Drahtgestell durch die Reihen, um einen der Zuschauer mit kosmischen Strahlen auf dessen Kopf zu beeinflussen, „jetzt isser in Tranxe“, und lässt sich gern auf das eine oder andere Gespräch ein. Vor allem mit einem Herrn, der auf ihre Frage, wie sie denn nach Meinung der Leute wohl nach Kreuztal gekommen sei, unerschrocken laut geantwortet hat: „Auf einem Besen!“ „Wie heißt Du“, will Frieda wissen und droht eine spätere Aussprache an. Felix heißt er und kommt danach aus dem Lachen nicht mehr heraus.

Dann berichtet Frieda von der Autofahrt mit „unser Hanni“, und der Verzweiflung, die deren Fahrweise jenen bereitet, die hinter ihrem „VW Schicoree“ herfahren dürfen. Das ist eines der Markenzeichen der Komödiantin, Worte zu verdrehen, und aus Steffi Grafs Ehemann dann mal eben André Eggernsee zu machen. Nicht Tegernsee natürlich, wie eine ihrer Freundinnen das ganz falsch gesagt hat.

Ein Knaller nach dem anderen

Der könnte Schirmherr des Basars sein, aber noch lieber André Rieu, der so wunderbar auf der Geige spielt, dass sie am liebsten dessen Instrument sein möchte, schwärmt Frieda – und versichert, sich den Musiker auch von ihrem eifersüchtigen Erwin nicht „schebbig“ reden zu lassen. Auch wenn der wiederum der Stock für ihre Geige werden möchte.

Dann ist da noch die „Kollekten-Agga“, die dem Pastor den Haushalt führt und die daheim die kaputten Glühbirnen sammelt und dann im Hotel …, die Zuschauer lachen und Frieda findet mit strafendem Ausdruck, dass die Kreuztaler ja viel zu früh verstanden haben, was sie da andeuten wollte. So vergeht die Vorstellung mit einem verbalen Knaller nach dem anderen und nicht einem wirklich bösen Wort. Es ist ein Abend, der vor allem Frauen in die Stadthalle gelockt hat. Aber die „mitgeschleppten“ Männer dürften nicht böse drum gewesen sein.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik