Garten

Kreuztaler sind Selbstversorger aus Leidenschaft

In Eichen bauen Christel und Jürgen Thiemer zahlreiche Lebensmittel selbst an. Sie versuchen, mit wenigen Mitteln viel zu erreichen: So ersetzen beispielsweise viele Einmachgläser ein Gewächshaus.

In Eichen bauen Christel und Jürgen Thiemer zahlreiche Lebensmittel selbst an. Sie versuchen, mit wenigen Mitteln viel zu erreichen: So ersetzen beispielsweise viele Einmachgläser ein Gewächshaus.

Foto: Tim Haacke

Eichen.  Im eigenen Garten baut ein Kreuztaler Ehepaar den größten Teil ihres Lebensmittelbedarfs selbst an. Sie wollen damit auch andere inspirieren.

Christel und Jürgen Thiemer bauen in ihrem Garten im Kreuztaler Stadtteil Eichen Gemüse, Obst und Kräuter an. Nach eigenen Schätzungen decken sie damit etwa 75 Prozent ihres eigenen Bedarfs ab – und auch für die Nachbarn bleibt etwas übrig. Gerade angesichts der aktuellen Coronakrise, gewinnt der Ansatz, sich selbst versorgen zu können und mit anderen zu teilen, zunehmend an Bedeutung.

Waschechte Siegerländerin

Christel Thiemer bezeichnet sich als „waschechte Siegerländerin“. Geboren wurde sie 1949 in Ferndorf, den Stammbaum der Familie Geisweid, aus der sie väterlicherseits abstammt, kann sie bis ins 16te Jahrhundert zurückverfolgen. „Ich bin in einer Zeit groß geworden, in der die Leute wieder lernen mussten, mit wenig zurecht zu kommen“, sagt sie. „Fast jeder hatte eine Kuh und ein Schwein im Haus, das war bei uns auch so, das war unser Kapital“.

Tagsüber arbeiteten die Männer in der Fabrik, nach Feierabend ging es dann aufs Feld, erinnert sie sich. Auch die Kinder mussten mithelfen. „Das Wetter bestimmte unseren Tagesablauf,“ erzählt Thiemer. Wenn Regenwolken aufzogen, stellte sie sich schon in der Schule darauf ein, nachmittags mit dem Rechen auf dem Feld Heu zu ernten. Essen gab es dann erst spät, meistens Bratkartoffeln, „denn die hatte man“. Sich an die äußeren Umstände anzupassen, habe sie für ihr ganzes Leben geprägt, sagt Christel Thiemer.

Pflanztauschaktionen in Ferndorf

„Die Möglichkeit, mit wenig auszukommen, steckt auch heute noch in uns drin“, sagt Christel Thiemer. Die heute 70-Jährige und ihr Mann Jürgen bauen den Großteil ihres Lebensmittelbedarfs immer noch auf dem eigenen Grundstück an. Zahlreiche Gemüsesorten, Salate, Beeren und Kräuter. Früher habe sie noch weitaus mehr angebaut, erzählt sie. Nach zwei Augenoperationen und mit zunehmendem Alter wollte sie sich jedoch auf das „Machbare“ reduzieren. Und das ist immer noch ganz schön viel. Tomaten, Gurken, Bohnen, Möhren, Kartoffeln „Wir können gut davon leben“, sagt Christel Thiemer. „Von allen Kohlsorten sind wir autark“, verrät sie stolz. Auch im Winter können sie noch von den Vorräten zehren, was nicht sofort verwendet wird, kocht oder friert sie ein.

Weggeworfen wird grundsätzlich nichts. Christel Thiemer plant ihre Gerichte mit dem, was übrig ist. „So bin ich großgeworden“, sagt sie. Sie hofft, dass dieses Denken wieder populärer wird. Schon Mitte der 90er Jahre organisierte sie Pflanztauschaktionen in der Kirchengemeinde in Ferndorf und versuchte, junge Menschen dafür zu interessieren, ihre eigene Nahrung anzubauen. „Das war noch nicht die Zeit“ sagt sie. Doch heute ändere sich das zunehmend, das merke sie auch bei ihren eigenen Kindern.

Corona macht Selbstversorgung noch wichtiger

Selbst Unkraut wird nach Möglichkeit verwertet. Gänseblümchen werden in Apfelessig eingelegt und zu einem Salattopping gemacht, Giersch wird zu einem spinatähnlichen Gericht gekocht, die Kapuzinerkresse wird als Dünger verwendet. Viele als Unkraut geltende Pflanzen werde man ohnehin nicht mehr so einfach los. Dann blieben nur zwei Möglichkeiten: Den Bagger bestellen und alles rausreißen – oder es zu nutzen.

Christel Thiemer hofft, dass sich – auch durch die jüngsten Ereignisse rund um das Coronavirus – wieder mehr Menschen darauf zurückbesinnen, ihre eigene Nahrung anzubauen, und sowohl ihre Erzeugnisse als auch ihre Erfahrungen miteinander teilen, so wie sie es auch tut. „Man ist ja nicht alleine auf der Welt, man kann alles teilen“; sagt sie. Das sei die Überschrift über ihrem Leben.

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