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Kreuztalerin gibt trotz Erfolgs ihr beliebtes Mode-Label auf

| Lesedauer: 7 Minuten
Carolin Flender konzentriert sich nun wieder ganz auf ihre Rucksackmarke „Anna und Oskar“. Die hat sie nach ihren Kindern benannt, Oskar hat für das Foto neben ihr Platz genommen. Mit dem Mode-Label „Charlotte hat Durst“ ist Schluss.

Carolin Flender konzentriert sich nun wieder ganz auf ihre Rucksackmarke „Anna und Oskar“. Die hat sie nach ihren Kindern benannt, Oskar hat für das Foto neben ihr Platz genommen. Mit dem Mode-Label „Charlotte hat Durst“ ist Schluss.

Foto: Ina Carolin Pfau / WP

Kreuztal.  Carolin Flender aus Kreuztal gibt ihr überaus erfolgreiches Stillkleidungslabel „Charlotte hat Durst“ auf. An fehlender Kundschaft liegt’s nicht.

Das Geschäft mit den Rucksäcken läuft, das mit der Stillkleidung auch – trotzdem verabschiedet sich Carolin Flender jetzt von ihrem Stilllabel „Charlotte hat Durst“. An fehlender Kundschaft lag es nicht. „Ich möchte nach außen immer die entspannte Elternschaft transportieren. Aber ich habe sie selbst nicht mehr gelebt“, sagt Carolin Flender.

Mode-Label „Charlotte hat Durst“: Die Gründe für das Aus sind vielfältig

„Geld war nie mein Antrieb“, betont die Kreuztalerin. Sie wollte etwas Praktisches für Mütter schaffen und ihnen gleichzeitig ein gutes Gefühl geben. Sie kreierte nachhaltige Kleider, Pullis und T-Shirts mit Reißverschlüssen an den Seiten, die das Stillen erleichtern sollten (wir berichteten). „Die Leute wollen faire Kleidung, die Nachfrage ist da“, so Carolin Flender. „Man hätte es groß machen können.“ Doch Carolin Flender hat sich dagegen entschieden. Den einen Grund gibt es dafür nicht, es ist eher eine Gemengelage aus unterschiedlichen Gründen.

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Da sind die Retouren: „Ein Oberteil passt nicht jedem“, weiß die Geschäftsfrau. In manche Retouren-Pakete sei die Kleidung aber einfach „reingeknallt“ worden, andere hätten sie schon getragen und wollten dann ihr Geld zurück. Vereinzelte Kunden gingen mit der Kleidung von „Charlotte hat Durst“ nicht sorgfältig um – natürlich können sie das tun, wenn es ihr eigen ist, aber nicht, wenn sie es zurückschicken und ihr Geld wieder haben wollen. Viele Sachen seien nicht mehr zu gebrauchen gewesen, berichtet Carolin Flender.

„Es ist ein ganz anderes Business, als wir kannten.“ 2017 hat Carolin Flender die Rucksackmarke „Anna und Oskar“ gegründet, Rücksendungen gäbe es bei Rucksäcken kaum im Gegensatz zum Fashion-Markt. Natürlich haben alle in der Branche mit den Retouren-Problemen zu kämpfen – aber für ein Kleinunternehmen ist das mit deutlich mehr Aufwand verbunden als für einen Versandriesen.

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Anna und Oskar“ spannt Carolin Flender und ihr Team außerdem voll ein, irgendwann wurde „Charlotte hat Durst“ immer mehr in den Hintergrund verdrängt. Das andere war größer, wichtiger, der „Brötchenverdiener“, wie Carolin Flender es beschreibt. „Es funktioniert, Kollektionen rauszubringen“, sagt Carolin Flender über „Charlotte hat Durst“. Aber die Vermarktung und alles andere drum herum ist eben auch nicht wenig Arbeit. „Die gleiche Kraftanstrengung wie bei Anna und Oskar funktioniert nicht nebenher“, sagt sie.

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Hinzu komme, dass die Zielgruppen der Produkte unterschiedlich seien: „Bei Charlotte hat Durst muss man Menschen ansprechen, die in der achten Woche schwanger sind“, erzählt sie. Bei „Anna und Oskar“ sind vor allem Eltern mit Kindern ab drei Jahren eine wichtige Zielgruppe. „Anna und Oskar“ und „Charlotte hat Durst“ hätten optimalerweise getrennt voneinander vermarktet werden müssen – das hätte aber eben auch doppelte Arbeit bedeutet. „Ich bin froh über mein kleines Team. Noch zwei Leute mehr, das wäre ein Schritt zu viel gewesen.“

„Anna und Oskar“-Gründerin ging über die eigenen Grenzen hinaus

Irgendwann wurde „Charlotte hat Durst“ für Carolin Flender immer mehr zur Belastung. Sie begann im Frühjahr 2021 mit dem Label, bekam im selben Jahr ihr drittes Kind Charlotte. „Ich habe bis zum Kreißsaal an der Kollektion gearbeitet“, berichtet sie. Im Sommer desselben Jahres sei sie dann in ein „richtiges Tief“ gefallen. „Man schwimmt mit, im Hinterkopf hat man aber, dass es schon zwei Tage keine Bestellungen bei Charlotte hat Durst gab.“ Ihr genüge, dass sie diese Gedanken schon bei „Anna und Oskar“ habe.

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„Im August 2021 wusste ich, ich muss die Reißleine ziehen.“ Sie versuchte, sich abzulenken, wieder mehr für sich selbst zu tun – doch das war nur ein Aufschieben der Entscheidung. Erst im Winter habe sie sich dann das erste Mal erlaubt, ernsthaft darüber nachzudenken, „Charlotte hat Durst“ aufzugeben, obwohl sie immer für das Label gebrannt hat. Sie entschied sich für keine weitere Kollektion, trennte sich vom Produktionspartner und gab auch den Instagram-Kanal des Labels an eine Mitarbeiterin ab.

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Das führte schließlich dazu, dass die Bestellungen zurückgingen. „Die Leute schmeißen einem das Geld nicht hinterher“, so Carolin Flender. Dann kam der Punkt, dass sie sich endgültig vom Label verabschiedete. Ein Minusgeschäft war „Charlotte hat Durst“ nie, unterstreicht Carolin Flender. Sie würde sich freuen, wenn jemand das Label übernimmt und weiterführt. „Da steckt viel Arbeit drin.“

Siegen und Umland: Mit den Rucksäcken von „Anna und Oskar“ durchstarten

Nun kann sich Carolin Flender wieder voll auf „Anna und Oskar“ konzentrieren. Wer einmal einen Rucksack dieser Marke hat, will ihn nicht mehr hergeben. Mit „Hugo“ fing alles an. Mittlerweile hat sich um das Produkt eine ganze Community entwickelt, die „Hugo Family“: Viele Mütter und Väter tragen den gleichnamigen Rucksack, schätzen den großen Stauraum bei den Ausflügen mit ihren Kindern. Es sind aber längst nicht nur Eltern, die bei „Anna und Oskar“ fündig werden, auch Studierende und andere Personengruppen nutzen die Rucksäcke.

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Schon lange gibt es auch andere Rucksackvarianten, nicht nur „Hugo“. „Wir geben da Power rein“, sagt Carolin Flender. Noch dieses Jahr soll es eine „Hugo“-Special-Edition und weitere Kinder-Rucksäcke geben, außerdem den „Family-Weekender“ namens „Otto“ – eine Mischung aus Reisetasche und Rucksack. Bald sind auch die letzten Teile von „Charlotte hat Durst“ verkauft. „Anna und Oskar läuft einfach. Wir haben coole Kunden, alles ist total schön.“

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