Geschichte

Kriegsschicksale in Dreis-Tiefenbach

Junge CVJMler haben die Gedenkstätte für die in Dreis-Tiefenbach gestorbenen Zwangsarbeiter erneuert. 

Foto: privat

Junge CVJMler haben die Gedenkstätte für die in Dreis-Tiefenbach gestorbenen Zwangsarbeiter erneuert.  Foto: privat

Dreis-Tiefenbach.   Wie eine Flucht ein Stück Schlesien ins Siegerland bringt. Und wie Jugendliche sich mit dem Leben und Sterben der Zwangsarbeitern befassen.

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Letztlich sind es Nazi-Diktatur und Krieg, die beide Themen verbinden, mit denen sich junge Menschen in Dreis-Tiefenbach befassen: Der CVJM hat das Grabfeld der in Dreis-Tiefenbach ums Leben gekommenen Zwangsarbeiter neu gestaltet, der Heimatverein Alte Burg greift die Arbeit eines Wissenschaftlers auf, der die Lebensgeschichte eines Schlesiers in Dreis-Tiefenbach aufgezeichnet hat-

Die Tradition

Matthias Opitz, Doktorand am Lehrstuhl Didaktik der Geschichte an der Uni Siegen, gab den Anstoß, berichtet der Heimatverein: Opitz beschäftigt sich mit Menschen, die ins Siegerland zugezogen sind. So traf er auf Simon Cimander, der mit elf Jahren seinen Geburtsort Schönwald in der Nähe von Gleiwitz verlassen musste. Auf einem offenen Erntewagen, gezogen von zwei Pferden, ging es am 23. Januar 1945 Richtung Westen. Seit 1953 wohnt er in Dreis-Tiefenbach. Seine Frau Gertrud ist eine Dreis-Tiefenbacherin. Heute heißt Schönwald Bojkowa, die Einwohner sprechen polnisch. Viele Schönwalder blieben nach der Flucht in Verbindung.

Matthias Opitz hat ein Video aufgenommen, in dem Simon Cimander erzählt, wie er nach Dreis-Tiefenbach kam und wie es ihm im Siegerland ergangen ist. Simon Cimander zeigt einige heimatkundliche Bücher, die alle erst in der Bundesrepublik entstanden sind, darunter ein Wörterbuch der Schönwalder Mundart in der 3. Auflage von 2008. Zu Ostern bemalt Cimander Eier in der alten oberschlesischen Technik, die bei den Kindern begehrt sind. Auch Trachtenpuppen sind eine Erinnerung an die verlorene Heimat. Natürlich entstanden auch diese erst im Westen — auf der Flucht konnten sie sie nicht mitnehmen.

Die Gedenkstätte

Ortsbürgermeister Reinhard Kämpfer war angenehm überrascht, als die Jugendgruppe des CVJM fragte, ob sie die Gedenkstätte für die im Krieg in Dreis-Tiefenbach verstorbenen Zwangsarbeiter renovieren könnten. Dreis-Tiefenbach war ein Schwerpunkt des Zwangsarbeitereinsatzes im Siegerland. Hier waren über 1000 fremde Arbeiter tätig, vorwiegend aus der Sowjetunion. In den Sterbeurkunden finden sich als Todesursachen Magenkatarrh, Lebensschwäche, allgemeine Erschöpfung und Ernährungsstörung. Beim Bombenangriff auf die Waggonbaufirma SEAG kamen sieben Zwangsarbeiter um, beim Einmarsch der Amerikaner weitere vier. Insgesamt sind in Dreis-Tiefenbach 17 Kinder und 16 Erwachsene beerdigt. Die Jugendlichen des CVJM haben sich mit diesen Ereignissen beschäftigt — mancher Zwangsarbeiter war kaum älter als die tatkräftigen Jungen vom CVJM. Die Gruppe war tief beeindruckt, als sie dem Ortsbürgermeister die renovierte Gedenkstätte auf dem Friedhof vorstellten. Der spendierte zum Abschluss der Arbeiten eine Portion Fleischwurst im Haus Pithan des Heimatvereins.

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Simon Cimander berichtet am Donnerstag, 17. August, im Haus Pithan darüber, wie er von Oberschlesien ins Siegerland gekommen ist. Er nimmt aktiv am Dorfleben teil und pflegt zugleich die Verbindung mit den alten Schönwaldern. Teile des Videos von Matthias Opitz werden ebenfalls gezeigt. Beginn ist um 19 Uhr.

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