Jazz trifft Klassik

Kultur pur mit Klaus Doldingers „Passport“

Bisher sind „Doldinger’s Passport“  um Jazzmusiker und Filmmusikkomponist Klaus Doldinger (Mitte, mit Saxofon) und die Philharmonie Südwestfalen noch nie zusammen aufgetreten. Am Sonntag ist Premiere.  

Foto: Kulturbüro

Bisher sind „Doldinger’s Passport“ um Jazzmusiker und Filmmusikkomponist Klaus Doldinger (Mitte, mit Saxofon) und die Philharmonie Südwestfalen noch nie zusammen aufgetreten. Am Sonntag ist Premiere.   Foto: Kulturbüro

Hilchenbach.   Klaus Doldingers Band „Passport“ und die Philharmonie Südwestfalen geben beim Festival Kultur pur 28 ein gemeinsames Konzert.

Die Titelmelodie des „Tatort“ ist sonntagabends eigentlich nichts Besonderes. Es sei denn, ihr Komponist Klaus Doldinger spielt sie live mit seiner Band und einem Sinfonieorchester. Beim Festival Kultur Pur 28 auf dem Giller wird er das am 20. Mai tun. Das Konzert von „Philharmonie Südwestfalen und Doldinger’s Passport“ ab 19.30 Uhr ist ein ungewöhnliches Crossover – und stellt Musiker und Techniker in der Vorbereitung vor Herausforderungen.

Die Technik

„Es ist eine besondere Geschichte für uns, die wir so noch nicht hatten“, sagt Festivalleiter Jens von Heyden. „Diese Jazz-Klassik-Fusion ist für uns bisher einmalig.“ Die Philharmonie tritt zwar regelmäßig bei Kultur Pur auf, in der Vergangenheit auch mit Solokünstlern wie Ute Lemper oder Herbert Feuerstein. Wenn eine Band hinzukommt, ändert das die Situation aber grundsätzlich, weil zwei autarke Klangkörper zu einem Sound zusammengeführt werden müssen.

„Es ist technisch sehr aufwändig“, sagt von Heyden. Die Band besteht zwar aus viel weniger Personen als das Orchester, ist mit ihren elektronisch verstärkten Instrumenten aber lauter. Statt der für die Festivalgastspiele der Philharmonie sonst üblichen 50 bis 60 Mikrofone müssen deshalb diesmal mehr als 90 installiert werden. Zusätzlich erschwert wird alles dadurch, dass das Programm nicht in einem akustisch perfektionierten Konzertsaal stattfindet, sondern in einem Theaterzelt. „Fast jedes Ins­trument bekommt ein eigenes Mikrofon“, erläutert der Festivalleiter. „Wir müssen für jedes genau das richtige Level finden.“ Darum gibt es diesmal auch zwei Tontechniker: einen für das Orchester, einen für die Band.

Die Musik

Die Mischung Klassik/Jazz „gibt’s nicht so oft“, sagt Michael Nassauer, Intendant der Philharmonie Südwestfalen. Klaus Doldinger, Jazzmusiker, Saxofonist und Komponist, hat für sein „symphonic project“ aber klassische Suiten mit Jazz- und Filmmelodien kombiniert. Zu hören sein werden auf dem Giller unter anderem „Das Boot“, das „Tatort“-Titelthema und Stücke aus „Die unendliche Geschichte“.

„Doldinger’s Passport“ tritt nicht das erste Mal mit einem Orchester auf – aber die bisherigen Auftritte ließen sich an einer Hand abzählen, sagt Nassauer, und mit der Philharmonie ist es das erste Mal. Beim Konzert zu Doldingers 80. Geburtstag vor zwei Jahren wirkte Nassauer in Düsseldorf als Hornist selbst mit, später trug er Doldingers Agentin seine Idee für das nun anstehende Gastspiel vor.

Wegen des hohen Aufwands sei ein solches Konzert für den Veranstalter teuer – und genau deshalb komme es auch nur selten dazu. Gerade diese Seltenheit mache es aber für die Beteiligten so reizvoll. Er habe Doldinger als sehr freundlichen, sehr angenehmen Menschen kennengelernt, der sich, da ist Nassauer sicher, sehr auf die Gelegenheit freut, das Programm bei Kultur Pur spielen zu können: „Er hat einen Heidenspaß daran.“

Das Zusammenspiel

„Sie brauchen einen Dirigenten, der alles zusammenfassen kann, der sein Ohr beim Orchester und bei der Band hat“, betont Michael Nassauer. Diese Aufgabe obliegt Charles Olivieri-Munroe, für den es nach sieben Jahren eines der letzten Konzerte als Chefdirigent der Philharmonie Südwestfalen sein wird.

Das Zeitfenster

An Planung und Organisation des Abends „sind wir seit zwei Monaten dran“, sagt Festivalleiter Jens von Heyden. Generalprobe ist am Sonntagvormittag ab 9.30 Uhr, binnen dreieinhalb Stunden soll alles für den Abend perfekt sein. Wobei die Vorbereitungen schon in der Nacht beginnen, wie von Heyden hinzufügt: Es dauere allein drei Stunden, alle Instrumente auf die Bühne zu bringen. Die wiederum muss außerdem vergrößert werden, damit Orchester und Band überhaupt genügend Platz darauf finden.

Es wird außergewöhnlich, verspricht Philharmonie-Intendant Nassauer, dabei „sind wir ja schon eine große Bandbreite gewöhnt“. Der Kernauftrag des Orchesters sei die Klassik; aber Projekte, die noch andere Facetten zeigen, „gehören für uns zunehmend dazu“. Nassauer freut sich auch und gerade auf die Tatortmusik: „Was könnte es am Sonntagabend Passenderes geben?“

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