Atelier-Serie

Thomas und Weber sind die Motoren des Kunstvereins Siegen

Die beiden Motoren des Kunstvereins, Albrecht Thomas (links) und Franz Josef Weber. 

Die beiden Motoren des Kunstvereins, Albrecht Thomas (links) und Franz Josef Weber. 

Foto: Wolfgang Leipold

Siegen.  Seit 30 Jahren sind Albrecht Thomas und Franz Josef Weber treibende Kräfte des Siegener Kunstvereins. 250 Ausstellungen gehen auf ihr Konto.

„Hier sieht es nach Arbeit aus“, ist einer der ersten Gedanken in der Geschäftsstelle des Kunstvereins Siegen im Haus Seel. Doch das scheinbare Chaos ist geordnet und erzählt viel über die Geschichte des Vereins. Und über bevorstehende Projekte.

Alles begann im Jahr 1980, als sich kunstinteressierte Bürger trafen, um der zeitgenössischen Kunst und dem „Hunger nach Bildern“ im Siegerland eine Plattform zu geben. Galeristin Magdalena Kaiser und ihr Lebensgefährte, der bekannte Maler Uwe Pieper, waren dabei, ebenso das Ehepaar Suttner. Mit Rechtsanwalt und Notar Walter Wissfeld auch ein Experte in Sachen Vereinsgründung, Günter Hachenberg und Albrecht Thomas.

“Weltkunst auf Würstchenpappen“

Seit 1990 sind Franz Josef Weber und Albrecht Thomas die Motoren des Kunstvereins. Thomas, auf den „alterslos“ wie auf kaum einen anderen zutrifft, wurde 1943 als Kriegskind mit seiner Familie von Dortmund nach Siegen evakuiert, entwickelte sich zum Siegerländer mit Leib und Seele. Ausnahme: Seine Lieblingsfarben sind immer noch Schwarz und Gelb – er wurde in der Nähe des Borsigplatzes geboren.

Als Lehrer, Schulleiter, Fachleiter für Religion und Kunst und Prüfungsausschuss-Vorsitzender im Fach Kunst an der Uni Siegen war er immer eng in die Aktivitäten der heimischen Kunstszene eingebunden – und ist auch selbst künstlerisch aktiv. „Ich nenne mich nicht Künstler“, sagt er bescheiden. Doch wer seine Ausstellung „Weltkunst auf Würstchenpappen“ 2017 im Siegerlandmuseum gesehen hat, konnte sich ein Bild von Albrecht Thomas machen: Verschmitzt, ironisch und mit sanftem Humor karikierte er die 13 Siegener Rubenspreisträger, nur im Format der Würstchenpappen. Mit Sticheleien sparte er nicht. Besonders beim letzten Preisträger Niele Toroni, dessen Pinsel- Farbabdrucke doch sehr an Wandtapeten erinnern.

„Ich hatte nur eine Kiste Wasser und ein Glas Gurken dabei.“

Franz Josef Webers Wege zur Kunst waren völlig andere. Nach seinem Literatur- und Philosophie-Studium, schrieb der Literaturwissenschaftler Theaterstücke. 1984 etwa „Alles Gute, Georg Trakl“, ein Zwei-Personen-Stück. Er erhielt eine Einladung zu einer 24-Stunden-Leseaktion in Kassel. „Ich hatte nur eine Kiste Wasser und ein Glas Gurken dabei. Ich las eigene Texte und immer, wenn ich nicht im Raum war, lief ein Tonband. Nachts war ich überwiegend allein.“

Das ist alles schon sehr lang her. Franz Josef Weber beschreibt die Gegenwart: „Eine so enge Zusammenarbeit zwischen Geschäftsführer und Vorsitzendem gibt es nur im Kunstverein Siegen.“ Und das macht den Verein so erfolgreich, dessen Schaufenster vor allem Ausstellungen sind: 250 inzwischen, vorwiegend mit Werken überregionaler und internationaler Künstler. Mini-Plakate aller Ausstellungen erinnern an bekannte und weniger bekannte Namen. https://www.waz.de/staedte/siegerland/siegen-museum-fuer-gegenwartskunst-hat-neuen-leiter-id216487083.html

Verschiedene Ausstellungen

Gleich die erste Ausstellung galt Schwergewichten: Dem aus dem Siegerland stammenden weltbekannten Fotografen-Ehepaar Bernd und Hilla Becher mit ihren Ansichten von Fachwerkhäusern. Beide waren bei der Vernissage in der Villa Waldrich anwesend. Später beeindruckten Installationen des Lichtkünstlers Adolf Luther, der 1972 die Olympiade in München „erleuchtet“ hatte. 1983 wurde nackte Malerei präsentiert, löste aber schon lange keinen Skandal mehr aus. In diesen Anfangsjahren war die Villa Waldrich bevorzugter Ausstellungsort, außerdem die Galerie S der Sparkasse in Weidenau, die Sänger-Stiftung in der Oranienstraße und das Museum für Gegenwartskunst. Aktuell sind vor allem für regionale Künstler das Haus Seel und „Kunst im Rampenlicht“ in der Firma Hees Bürowelt ideale Ausstellungsorte.

Der Kunstverein hat etwa 450 Mitglieder, bietet ihnen unter anderem Fahrten zu bedeutenden Kunstorten und Ausstellungen. Der Verein versteht sich auch als Dienstleistungsbetrieb und Ratgeber für Künstler und junge Talente und ist wichtiger Ansprechpartner für Stadt Siegen und das Kulturbüro des Kreises.

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