Ökologie

Lärmschutzwand der Krombacher Brauerei filtert den Feinstaub

Der Nebel entsteht durch das Besprühen der Moosmatten mit Wasser.

Foto: Hendrik Schulz

Der Nebel entsteht durch das Besprühen der Moosmatten mit Wasser. Foto: Hendrik Schulz

Krombach.   Die „Grüne Welle“ genannte Mauer am neuen Logistikzentrum verbindet Funktion und Design: Die Gestaltung greift unternehmenstypische Aspekte auf.

Nebel steigt auf aus den vertikalen Krombacher-Inseln, das Moos wächst auf einem Stück französischer Seealpen, und die grüne Welle verändert stetig ihr Aussehen. Hä? Soll heißen: Die „Grüne Welle“ ist fertig. So haben sie intern die Lärmschutzwand des Leergutlagers der Krombacher-Brauerei entlang der Hagener Straße genannt. Das Bauwerk, so beschreibt es der leitende Architekt Andreas O. Kipar, verbindet Natur und Technik, Optik und Funktionalität. Aber von vorne.

Das Design

Zwei Aspekte mussten unter einen Hut gebracht werden, so Kipar: Landschaft – kleines Dorf, großes Werk, liebliche Hügel – und Lärmschutzwand, naturgemäß ein ziemliches Trumm. Hinter der Wand brummt die Logistik, Lastwagen fahren ein und aus, Leergut wird verladen; Zweck erfüllt.

Aber weil ein brachiales Bauwerk wie eine zehn Meter hohe Mauer naturgemäß auf wenig Gegenliebe stößt bei denen, die täglich darauf blicken, sollte es eben keine nackte Wand werden. Zuallererst die Form: Das Muster im Beton ist der Abdruck einer Felsformation in den französischen Seealpen. Große Moosmatten sollen die aus der Werbung bekannte Krombacher-Insel symbolisieren (und die Wellenform die Dynamik des Unternehmens), Efeu rankt sich die Mauer hoch, unten plätschert der Krombach, ein Hopfenwäldchen wurde gepflanzt – es wird noch deutlich grüner an der Hagener Straße. „Die Wand wird lebendig“, sagt Architekt Kipar voller Euphorie. Für ihn und seine Mitplaner ein Prototyp.

„Ein vertikales Landschaftsbild“, wie es Krombacher-Gesellschafterin Petra Schadeberg-Hermann ausdrückt, „ein Beitrag zur grünen Lebensqualität und ein künstlerisches Naturhighlight.“ Trotz seiner Größe werde sich das Bauwerk harmonisch in die Landschaft einfügen, eben weil es sich daran orientiere.

Interessanter Aspekt übrigens: Die Mauer wurde straßenseitig mit Moos angesprüht; genauer: mit einer Zellulosemasse, die einen natürlichen Klebstoff, Gartenerde und gehäckselte Pflanzenteile enthält. Das wächst an, sprießt, gedeiht – „die Mauer verändert ihr Gesicht im Lauf der Jahreszeiten“, freut sich Kipar. „Wie ein horizontaler Garten.“

Die Funktionalität

Optik ist nicht alles. Die Gestaltung mit Naturmitteln hat einen ökologischen Zweck: Die Moose filtern den Feinstaub, der hinter der Mauer zwangsläufig entsteht. „Ein Quadratmeter Moos filtert so viel Feinstaub wie 17 erwachsene Bäume“, sagt Kipar. Bei 270 m2 Moosinseln entspricht das der „Luftreinhalteleistung“ von 4000 Bäumen. Damit es das Moos schön feucht hat, wurde ein Bewässerungssystem integriert – daher der Nebel. Kipar: „Die Natur ist wiederum funktional, ein Teil der Technik.“

Das freut Bürgermeister Walter Kiß, auch stellvertretend für die Anwohner, die eben nicht auf den Standard-Stahlbetonbau blicken. „Das hätten wir auch genehmigen müssen“, so Kiß, aber so habe man öffentliches und unternehmerisches Interesse unter sozialen und ökologischen Gesichtspunkten zusammenbringen können.

Der Bau

2,7 Millionen Euro hat die Brauerei in das gesamte Projekt investiert, davon 1,5 Millionen allein für die Lärmschutzwand. Nötig, so der technische Geschäftsführer Helmut Schaller, sei dies aufgrund der steigenden Diversifizierung der Produktpalette, der dafür nötigen Lagerkapazitäten für Leergut und der Nähe zu den Abfüllanlagen. Das alte Gelände im südlichen Littfetal sei dafür zu klein gewesen. Krombacher hatte das angrenzende Gelände zwar früh von der später in die Insolvenz gegangenen Firma Knebel gekauft – konnte es aber nicht vollumfänglich nutzen, weil der Krombach das Areal teilte. Der Wasserlauf wurde in Abstimmung mit Stadt und unterer Wasserbehörde verlagert, eine neue Brücke geschaffen, das Areal der ehemaligen Krombacher Mühle trockengelegt.

>>>>INFO: Daten und Fakten

460 Meter ist die Lärmschutzmauer insgesamt lang, auf der Ostseite 12, auf der Westseite 10 Meter hoch.

24 Stunden, rund um die Uhr, ist der Logistikhof in Betrieb, von sonntags bis freitags jeweils 22 Uhr, teilweise auch in den Samstag hinein.

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