Justiz

Landgericht Siegen: Sieben Jahre Haft für Messerstecher (15)

Die Tat hatte für großes öffentliches Aufsehen gesorgt. Menschen legten in den Tagen danach Kerzen und Blumen in der Nähe des Tatorts ab.

Die Tat hatte für großes öffentliches Aufsehen gesorgt. Menschen legten in den Tagen danach Kerzen und Blumen in der Nähe des Tatorts ab.

Foto: Rene Traut

Siegen.  Nach dem tödlichen Angriff auf einen Familienvater am Fischbacherberg in Siegen verurteilt das Gericht den jugendlichen Täter wegen Totschlags.

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Auf den Tag einen Monat nach Beginn der Hauptverhandlung wegen Totschlages gegen einen 15-Jährigen ist am Donnerstag das Urteil gefallen. Die Siegener Jugendkammer unter Vorsitz von Richterin Sabine Metz-Horst hat sieben Jahre Jugendstrafe verhängt, ist damit auf den Punkt den Argumenten von Staatsanwalt Philipp Scharfenbaum gefolgt. Verteidiger Jörn Menzel hatte vier Jahre und sechs Monate beantragt.

Mordmerkmale seien in der unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführten Verhandlung verworfen worden, erklärt Gerichtssprecher Dr. Sebastian Merk nach der Entscheidung. Nur die Nebenklage habe eine entsprechende Verurteilung gefordert. Ebenso sei es von Seiten der Verteidigung im Schlussvortrag nicht mehr um eine etwaige Notwehrlage gegangen. Das war ursprünglich einmal Thema, weil der getötete Familienvater mutmaßlich die Hand wie zum Schlag gegen den nunmehr Verurteilten erhoben haben sollte, bevor dieser sein Messer mit tödlichen Folgen einsetzte.

Täter und Opfer trafen an Bushaltestelle am Fischbacherberg zusammen

Der Vorfall hatte im Frühsommer 2019 in Siegen großes Aufsehen erregt. Der Jugendliche war am späten Nachmittag des 20. Juni mit seinem Opfer an einer Bushaltestelle am Fischbacherberg zusammengetroffen. Der 47-jährige Mann wollte den Täter wegen diverser Vorfälle der Vergangenheit zur Rede stellen, vor allem auch, weil der Teenager zuvor die Ehefrau des späteren Opfers in ihrer Wohnung mit üblen Beschimpfungen beleidigt hatte. Während der heftigen verbalen Auseinandersetzung zog der Jugendliche hinter seinem Rücken ein Messer, klappte es aus und stieß es ohne Vorwarnung in den Bauch des überraschten Familienvaters.

Bereits dieser erste Stich ist nach den Feststellungen der Ärzte tödlich gewesen, wenngleich an der Leiche später noch weitere Verletzungen gefunden wurden. Trotz notärztlicher Versorgung und Einlieferung in ein Krankenhaus verstarb das Opfer am frühen Abend.

Während der U-Haft wegen psychischer Probleme in Klinik untergebracht

Einige Tage vorher war es mehrfach im Bus zu einem Streit zwischen dem Jugendlichen und dem Stiefsohn des Getöteten über dessen Kopfhörer gekommen.

Der Angeklagte befand sich in Untersuchungshaft in der Justizvollzugsanstalt Wuppertal und war kurzzeitig wegen psychischer Probleme auch in einer Herborner Klinik untergebracht. Der Haftbefehl bleibt nach dem Urteil bestehen. Die Eltern hatten bereits 2018 Erziehungshilfe für den Jugendlichen beantragt, wegen Problemen in der Schule, kleinerer Straftaten sowie Drogenmissbrauch seit dem 13. Lebensjahr.

Siegener Jugendkammer billigt eingeschränkte Schuldfähigkeit zu

Weil er auch am Tattag unter dem Einfluss von Betäubungsmitteln stand, hat die Kammer dem jungen Mann nach dem Grundsatz „in dubio pro reo“ („Im Zweifel für den Angeklagten“, Red.) eine eingeschränkte Schuldfähigkeit zugebilligt. Der Erziehungsgedanke des Jugendstrafrechts soll bei ihm in den kommenden Jahren eine besonders ausgeprägte Rolle einnehmen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Neben dem Verteidiger könnte auch die Nebenklage Revision einlegen.

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