Gesundheit

Zu kalte Wassertemperaturen: Gefahr von Legionellen wächst

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Durch abgesenkte Wassertemperaturen steigt die Gefahr auch im Kreis Siegen-Wittgenstein, dass sich in den Wasserleitungen gefährliche Legionellen bilden.

Durch abgesenkte Wassertemperaturen steigt die Gefahr auch im Kreis Siegen-Wittgenstein, dass sich in den Wasserleitungen gefährliche Legionellen bilden.

Foto: AOK

Siegerland.  Energiesparen erhöht Legionellen-Gefahr. Die Kommunen setzen im Kampf gegen die gefährlichen Bakterien auf unterschiedliche Maßnahmen

Im Hochsauerlandkreis kam es in letzter Zeit vermehrt zu Krankheitsfällen in Verbindung mit Legionellen. In mehreren Häusern, Hotels und öffentlichen Schwimmbädern, Sporthallen, Schulen sowie Kitas stellten Kontrolleure die Bakterien im Trinkwasser fest. Ein Grund dafür sind die aufgrund der anhaltenden Energiekrise abgesenkten Wassertemperaturen, was die Legionellen-Bildung begünstigen. Besteht dieses Risiko auch im Siegerland?

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Gesundheitsamt Kreis Siegen-Wittgenstein

Mehr durch Legionellen bedingte Krankheitsfälle oder positive Befunde in Warmwasseranlagen seien in Siegen-Wittgenstein momentan nicht zu beobachten, so das Kreisgesundheitsamt auf Anfrage. Legionellen sind Stäbchenbakterien, die in Oberflächengewässern und auch im Boden vorkommen. Bei zu niedriger Wassertemperatur vermehren sie sich und können beim Duschen in Form von Aerosolen (feinste Wassertröpfchen) eingeatmet werden. „Wenn sich Legionellen stark vermehren, dann stellen sie ein massives Gesundheitsrisiko dar“, so das Gesundheitsamt.

In großen Mengen eingeatmet, können sie zwei verschiedene Krankheiten auslösen: „Man kann am Pontiac-Fieber mit grippalen Symptomen oder der Legionärskrankheit erkranken. Das ist eine sehr schnelle und gefährlich verlaufende Lungenentzündung.“ Die Legionärskrankheit verlaufe bei jedem zehnten Betroffenen tödlich. Eine Infektion durch Trinken legionellenhaltigen Wassers ist ausgeschlossen.

Legionellen vermehren sich am besten bei einer Temperatur zwischen 25 und 50 Grad. Bei 60 Grad und höher sterben sie ab. Das Gesundheitsamt empfiehlt daher auch in Zeiten hoher Heizkosten, das Wasser in Boiler oder Therme immer auf mindestens 60 Grad zu erwärmen. In größeren Häusern sei das gesetzlich sogar Pflicht.

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Hilchenbach

„Wir sind uns der Gefahr von Legionellen bewusst. Die letzte Prüfung erfolgte im April 2022. Es wurden keine Legionellen festgestellt“, so Pressesprecher Hans-Jürgen Klein. Vor einigen Jahren sei es in Hilchenbach vereinzelt zu Krankheitsfällen durch Legionellen gekommen. „Daraufhin haben wir die Gegenmaßnahmen konkretisiert und erweitert.“ Die turnusmäßigen Untersuchungen werden vom Gesundheitsamt vorgeschrieben. Um der Gefahr der Legionellen-Bildung entgegenzuwirken, seien die Hausmeister außerdem angewiesen, die Warmwasser-Kreisläufe regelmäßig zu spülen, damit keine Verkeimungen entstehen können.

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Die Verwaltung habe im Zuge der Energiekrise zwar diskutiert, die Duschen in Sporthallen abzustellen. Nach der Wiederinbetriebnahme wäre dann aber eine thermische Desinfektion und eine Legionellenprüfung erforderlich gewesen. „Dieser Zusatzaufwand und die bestehende Legionellen-Gefahr haben letztendlich dazu geführt, dass die Duschen weiterhin mit Temperaturen von 60 Grad betrieben werden“, erklärt Klein.

Burbach

„Die letzten vereinzelten Fälle von Legionellen liegen bereits rund zehn Jahre zurück“, sagt der Pressesprecher der Gemeinde, Tim Lehmann. Wegen der Gefahr der Bakterien-Bildung habe die Gemeinde in den vergangenen Jahren ihre Warmwassersysteme in öffentlichen Gebäuden auf Pufferspeicher umgestellt. Dabei wird Frischwasser mit einer separaten Leitung durch den beheizten Pufferspeicher geführt und erwärmt. Die Pufferspeicher können jederzeit abgestellt werden, ohne dass das Wasser verunreinigt wird. Aktuell seien die Speicher aufgrund der Energiesparanordnungen des Landes abgeschaltet.

Nur in der Turnhalle „Alter Garten“ in Burbach gebe es noch einen Brauchwasserspeicher, von dem Wasser an die Zapfstellen geführt wird. „Hier muss das Wasser dauerhaft auf mindestens 60 Grad Celsius erhitzt werden, damit sich keine Legionellen bilden“, so Lehmann.

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Siegen

Die Stadt hat das Thema Trinkwasserhygiene im Blick: „Gemäß Trinkwasserverordnung besteht eine jährliche mikrobiologische Untersuchungspflicht“, so Claudia Scheffler, stellvertretende Pressesprecherin. Die Verwaltung habe in den letzten drei Jahren einen Großteil ihrer Gebäude wie Sporthallen, Hallenbäder, Schulen oder Kitas mit sogenannten Hygienespeichern ausgerüstet. Die erhitzen Trinkwasser auf 60 Grad, um Legionellen-Bildung vorzubeugen. „Kaltwasserleitungen werden regelmäßig gespült, um stehendes Wasser und eine damit verbundene höhere Gefahr von Legionellen zu vermeiden.“

Netphen

Die Stadt lässt in allen öffentlichen Gebäuden regelmäßig, anlassbezogen und nach den fachlichen Empfehlungen die Trinkwasserqualität beproben, insbesondere auf Legionellen, so Pressesprecherin Lina Reuter. Problematisch seien besonders Leitungen, die schon länger kein Wasser führen. „Dies versuchen wir mit technische Vorkehrungen zu vermeiden.“ Im Rahmen der Betreiberverantwortung werde das Wasser kurzzeitig aufgeheizt und die Frischwasseranlagen gespült.

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Kreuztal

„In den städtischen Gebäuden werden routinemäßige Prüfungen und Spülungen durchgeführt, um eine Legionellen-Bildung zu verhindern“, sagt Pressesprecherin Janine Wolski. Im Zuge der Energieeinsparmaßnahmen habe die Stadt Kreuztal dezentrale Trinkwassererwärmungsanlagen in öffentlichen Gebäuden, soweit möglich außer Betrieb genommen. Außerdem seien in einigen Turnhallen die Sanitärbereiche auf Kaltwasserbetrieb umgestellt worden. Gerade vor dem Hintergrund einer möglichen Legionellen-Bildung habe die Stadt die Wassertemperatur nicht abgesenkt, sondern – wo möglich – die Warmwasseraufbereitung abgestellt.

Neunkirchen

„Aufgrund der Legionellen-Gefahr liegt die Mindestwassertemperatur in unseren Gebäuden nach wie vor bei 60 Grad, da in diesem Temperaturbereich die gefährlichen Bakterien nicht existieren können“, so Pressesprecherin Nicole Morgenschweis. Bei zu niedrigen Temperaturen fänden Legionellen optimale Vermehrungsbedingungen. „Es ist daher wichtig, neben der Einhaltung der Warmwassertemperaturbereitung von 60 Grad, die Kaltwasserleitungen vor Erwärmung zu schützen.“

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Freudenberg und Wilnsdorf

Die Stadt hat in städtischen Gebäuden die Wassertemperaturen im Trinkwassernetz nicht abgesenkt, um Legionellen-Bildung vorzubeugen, so Pressesprecherin Viktoria Höfer. Die Verwaltung appelliert an Vereine und Schulen, wenn möglich, auf Duschen zu verzichten und Duschzeiten gering zu halten.

Die Gemeinde senkt in keinem ihrer Gebäude die Wassertemperatur. „Trinkwasser wird weiterhin auf 60 Grad erhitzt, damit Legionellen keine Chance haben“, so Pressesprecherin Stefanie Gowik.

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