Klimaschutz

„Luxemburger Triumph“ wächst vor Hilchenbacher Klimawelten

Holger Menzel pflanzt den Luxemburger Triumph auf die Wiese der Klimawelten. Theo Morgenschweis (2. von links) ist zufrieden. Foto:Steffen Schwab

Holger Menzel pflanzt den Luxemburger Triumph auf die Wiese der Klimawelten. Theo Morgenschweis (2. von links) ist zufrieden. Foto:Steffen Schwab

Hilchenbach.   Mit dem „Luxemburger Triumph“ wächst der Apfel des Jahres auf der Wiese der neuen Bildungsstätte. Schülergenossenschaft begleitet die Pflanzaktion

Keppels Früchtchen sind durchaus angetan. Er schmeckt, der Luxemburger Triumph, saftig und süß mit einem sauren Schuss. Aber in ihren Saft werden sie ihn noch lange nicht mischen. Fünf Jahre wird der Baum, den Bürgermeister Holger Menzel da gerade, zumindest symbolisch, vor dem Haus der Klimawelten gepflanzt hat, brauchen, bis er Früchte trägt. Trotzdem: Zu erzählen ist die Geschichte, wie sie nun eigentlich zusammenpassen. Der Luxemburger Triumph, Keppels Früchtchen und die Klimawelten.

1. Wie der Luxemburger Triumph zu den Klimawelten kommt.

Theo Morgenschweis ist Pomologe, Obstbaukundler also. Die NRW-Landesgruppe des Pomologenvereins hat den uralten Luxemburger Triumph zur „Obstsorte des Jahres 2018“ gekürt. Ein Baum, wie gemacht für die Region, Hauberge und Hausgarten, findet Morgenschweis: Er blüht spät, übersteht Nachtfröste. Und ein Apfel, der „Schönheit von Natur aus“ hat, wie Morgenschweis es formuliert: Hier glänzt nichts, hier ist nichts wirklich rund. Auf dem Schulhof der alten Florenburgschule, in die die Klimawelten eingezogen sind, ist der Pflanzplatz. Hier trifft der Pomologe auf die Schülergenossenschaft „Keppels Früchtchen“, die immer am Freitagnachmittag ihren Arbeitseinsatz hat. „Eine tolle Sache“, sagt Morgenschweis, der das preisgekrönte Projekt berät und unterstützt.

2. Was Keppels Früchtchen mit dem Luxemburger Triumph anfangen .

Wie gesagt: Alles und nichts. Etwa zehn Sorten sind in das Premiumprodukt vom Stift gemischt, alles, was die Gärten von Verwandten und Bekannten hergaben. Diesmal sind die Achtklässler — sie stellen jeweils die arbeitende Generation in der 2015 gegründeten Schülergenossenschaft — nämlich schlauer gewesen: Sie haben sich nicht mit der bescheidenen Ernte von den eigenen Bäumen begnügt. Denn dann wären es nicht 776, sondern wieder nur 310 Liter geworden. „Ein ganz schlechtes Apfeljahr“, bedauert Lehrer Michael Schäfftlein, der das Projekt betreut und auch die Finanzen im Blick hat. Die „Spanne“ — also die zwischen Herstellungskosten und Verkaufspreis — ist nicht schlecht.

Die Genossenschaft wird erstmals eine Dividende ausschütten. In einer Höhe, die das Eigenkapital von zehn Euro je Genosse sogar übersteigt. „Das können wir für die erste Generation ruhig machen“, findet Schäfftlein, „die haben am Anfang besonders viel geleistet.“ Investiert haben die Früchtchen in 16 neue Bäume. Die Streuobstwiese dazu überlässt ihnen die Stadt: Den Nutzungsvertrag für die Parzelle auf dem Gelände der Allenbacher Grundschule, nicht weit weg von der Stifts-Sporthalle, schließen sie noch in diesem Monat mit dem Bürgermeister ab.

3. Was die Klimawelten mit Früchtchen und Früchten zu tun haben.

Obst ist angesagt als Thema in der jungen Klimabildungsstätte, die mit der Klimaküche gestartet und dort der Eröffnungsfestgesellschaft ihr Wildkräuter-Programm vorgeführt hat. Baustein für Bustein entsteht so für die Schulklassen und Kindergartengruppen, während nebenan das Klimalabor entsteht, das im nächsten Sommer eröffnet werden soll. Jetzt also Obst: Wo kommt was wann her, unter welchen Bedingungen wird es geerntet — und wie schmeckt es?

Am Ende bereiten die Besucher ihren eigenen Smoothie zu, in dem auch die schwarze Banane nur noch süß schmeckt. „Wer unansehnliches Obst hat, darf es gern mitbringen“, sagt Judith Schneider, pädagogische Mitarbeiterin der Klimawelten. Das Lernziel: Natürliche Schönheit ist lecker.

>>> Info: Schülergenossenschaft

Die aktive Arbeit bei „Keppels Früchtchen“ ist ein Angebot im Lernstudio Wahlpflicht der 8. Klasse am Gymnasium Stift Keppel. 20 Bewerber je Jahrgang können mitmachen. Benotet werden nicht Ertrag oder Profit, sondern Engagement: Mindestens 30 Stunden im Schuljahr außerhalb der regulären Unterrichtszeit werden erwartet.

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