Gericht

Mann (36) nach Übergriffen auf Mädchen und Frauen verurteilt

Der 36-jährige Syrer hatte am ersten Verhandlungstag vor dem Siegener Landgerichts alle angeklagten Vorfälle eingeräumt.

Der 36-jährige Syrer hatte am ersten Verhandlungstag vor dem Siegener Landgerichts alle angeklagten Vorfälle eingeräumt.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   36-Jähriger nach diversen Übergriffen gegen junge Mädchen und Frauen zu einem Jahr und neun Monaten verurteilt. Kein Raum für eine Bewährung.

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Ein Jahr und neun Monate soll der Mann in Haft, der ein Kind sexuell missbraucht haben soll; in Tateinheit mit einem sexuellen Übergriff und dreifacher sexueller Belästigung weiterer Kinder. Der 36-jährige Syrer hatte am ersten Verhandlungstag vor dem Siegener Landgerichts alle angeklagten Vorfälle eingeräumt (wir berichteten). Gestern will er sich an Einzelheiten nicht erinnern, „er schämt sich einfach so sehr in Grund und Boden, dass er nicht darüber sprechen kann“, so sein Verteidiger.

Die Vorfälle

Zwischen Mai 2017 und April 2018 kam es zu fünf Übergriffen, was Staatsanwältin und Gericht strafverschärfend werten.
Zunächst hatte der Mann, der 2015 oder 2016 nach Deutschland kam und trotz eines Deutschkurses praktisch nichts versteht, zwei Mädchen im Alter von zehn und elf Jahren an einer Bushaltestelle belästigt. Besonders verwerflich findet das Gericht, dass er sie noch nach Hause eingeladen habe. „Das waren Kinder. Wir haben die hier gehört. Die sahen auch wie richtige Kinder aus“, betont die Richterin.

Im Juli 2017 rückte der Mann einer 16-Jährigen in einem Linienbus buchstäblich „auf die Pelle“, wurde dafür bereits per Strafbefehl zu 400 Euro verurteilt. Die bezahlte der Mann, wohl mit Hilfe seiner Familie, und machte im Februar 2018 mit einer Studentin (17) in einem anderen Bus das Gleiche.

Im April verfolgte er ein 13-jähriges Mädchen in der Sieg-Arena, berührte sie, entblößte sich vor ihr und ließ erst von ihr ab, als ihre Freunde sie riefen. Das Mädchen hatte sich ein Stück entfernt, um zu telefonieren. Sie filmte den Mann, das Video wurde im Gericht gezeigt – er konnte nicht leugnen.

Die Biografie

Verwandte des Mannes beschreiben ihn als schüchtern und verschämt. Er wuchs auf einem Bauernhof in Kurdistan mit elf Geschwistern auf, arbeitete ein paar Jahre in Damaskus als Taxifahrer und kam eher unfreiwillig nach Europa. Im kriegsgeplagten Syrien habe er die Gelegenheit offener Grenzen genutzt, als viele nach Europa gingen. Eine Frau hat er nach Aussage der Verwandten noch nie gehabt. „Wir haben aber eine für ihn gefunden, wenn er wieder nach Hause kommt“, sagt ein Cousin. Dahin möchte der Angeklagte zurück, weil er in Deutschland Menschen und Kultur nicht verstehe, es hier nicht aushalte.

Das Gutachten

Beeinträchtigte Schuldfähigkeit kommt für den Sachverständigen Dr. Bernd Roggenwallner nicht in Betracht. Für ihn „leidet“ der Syrer an einer „Simulationstendenz“ – er rede sein tatsächliches Können immer ein wenig kleiner. Er habe sicher wenig Bildung genossen und Probleme, sich Frauen zu nähern. Die Vorfälle wirkten wie „plumpe Annäherungsversuche“ in einer Situation, wo er weder Sprache noch Kultur verstehe. Eine pädophile Neigung sieht der Sachverständige nicht. Dafür seien die Opfer im Schnitt nicht jung genug gewesen.

Die letzten Worte

Er habe gedacht, sie wolle es auch, versucht der Mann noch einmal eine Ausrede. „Während sie Nein’ sagt, Sie abwehrt und beteuert, Jungfrau zu sein“, zeigt sich die Richterin verärgert. Die Anwälte bitten um eine Pause, weil sich der Mandant „wieder in Ausflüchte zurückziehen“ wolle. Danach erklärt er mit Tränen in den Augen, alles nur noch über die Verteidiger sagen zu wollen. „Es tut mir leid. Ich entschuldige mich bei der Familie. Auch bei Ihnen allen“, lässt er den Dolmetscher ausrichten.

Das Urteil

Der Angeklagte habe auch in Siegen sehr isoliert gelebt, sagt die Vorsitzende – auch ein Grund, warum Bewährung nicht in Betracht kommt. Sie könne keine gute Prognose stellen. Die Kammer folgt dem Antrag der Staatsanwältin und lehnt den Vorschlag der Verteidigung auf Aufhebung des Haftbefehls ab. Unterdrückte Gefühle, mangelnde Aufarbeitung, „er hat alles verdrängt und sich überhaupt nicht mit den Taten auseinandergesetzt“, die Strafandrohung machten eine Fluchtgefahr durchaus realistisch, so die Richterin. Zumal der Mann auch in U-Haft sehr allein gewesen sei und es einen Übergriff anderer Häftlinge gegeben habe, als sie von seinen Taten erfuhren. Er wurde daraufhin verlegt.

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