Urteil

Messer-Angriff in Krombach: Haftstrafe für versuchten Mord

Das Gericht wählte bei der Dauer der Haftstrafe die Mitte: Während die Staatsanwaltschaft zehn Jahre gefordert hatte, plädierte die Verteidigung auf maximal fünf Jahre Haft.

Foto: Hendrik Schulz

Das Gericht wählte bei der Dauer der Haftstrafe die Mitte: Während die Staatsanwaltschaft zehn Jahre gefordert hatte, plädierte die Verteidigung auf maximal fünf Jahre Haft. Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Das Urteil ist gesprochen: Der 31-jährige Mann, der in Krombach einen Feuerwehrmann angegriffen hatte, muss siebeneinhalb Jahre ins Gefängnis.

Dienstagnachmittag, kurz nach 14 Uhr. Die Vorsitzende des Siegener Schwurgerichts verkündet das Urteil gegen den 30-jährigen Mann, der im Rahmen einer Entschuldigung mehr oder minder auch ohne ausdrückliches Geständnis zugegeben hatte, in der Nacht zum 1. Mai 2017 einen Bekannten vor dem Krombacher Feuerwehrgerätehaus niedergestochen zu haben. Die Kammer ist davon überzeugt, dass der Angeklagte dies mit Tötungsvorsatz und heimtückisch getan hat. Für versuchten Mord in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung soll er sieben Jahre und sechs Monate ins Gefängnis.

Vor gut drei Wochen hatte Oberstaatsanwalt Patrick Baron von Grotthuss zehn Jahre gefordert, Verteidiger Andreas Trode einiges vorgebracht, um maximal fünf Jahre Haft zu rechtfertigen. Das Gericht suchte sich wie so oft die knappe Mitte aus. Dabei hatten Richterin Elfriede Dreisbach und ihre Kollegen das Problem, zur Motivation des Angeklagten aufgrund dessen Schweigen überwiegend nur spekulieren zu können.

Opfer von hinten angegriffen

Die Sache tue ihm sehr leid, „mehr kann ich dazu jetzt nicht sagen“, hat er kurz vor dem Urteil im letzten Wort betont. Bei der Polizei habe er sich einmal eingelassen, dabei Erinnerungslücken vorgebracht, sagt die Vorsitzende. Zeugen haben aber ausgesagt, der junge Mann sei durch den Tod seines Vaters und die Trennung von seiner Frau im Jahr vor der Tat belastet gewesen.

Anfang 2017 kam eine weitere gescheiterte Beziehung dazu, am Tattag jährte sich zudem das Sterben des Vaters. Er habe gewusst, dass seine nunmehr Exfreundin an jenem Abend in Krombach feiern wollte, sei „wohl wütend“ gewesen, liest die Richterin vor. Die Kammer geht davon aus, dass der Täter sein Opfer mehr oder weniger zufällig ausgesucht hat, weil der Feuerwehrmann im falschen Moment aus dem Haus kam.

Männer hatten sich noch gegrüßt

Der Angeklagte habe gewusst, dass er sein Opfer mit Stichen gegen Oberkörper, Kopf und Hals lebensgefährlich verletzen könne und dies billigend in Kauf genommen, steht weiter im Urteil. Die beiden Männer hätten sich begrüßt und sogar die Hand geschüttelt, der Feuerwehrmann sei dann um die Ecke gegangen. Mit einer plötzlichen Attacke von hinten hätte er nie rechnen müssen, definiert Dreisbach das Heimtückische der Tat. „Gott sei Dank“ sei der Mann aber wehrhaft gewesen, habe sich verteidigen und ins Gerätehaus retten können.

Unter den 16 Messerwunden seien viele Schnitte gewesen, die Stiche nicht allzu tief. Das habe aber nach Ansicht der Kammer weniger am Bemühen des Angeklagten gelegen, sondern an der effektiven Abwehr des Opfers. Dem gelang es sogar, den Angreifer zu Boden zu stoßen, spätestens da müsse dessen Messer zerbrochen sein.

Keine weiteren Angriffe

Hier sei wohl der Entschluss gefallen, den gescheiterten Versuch nicht fortzusetzen, „erwürgen oder erschlagen kam für ihn nicht in Betracht“, unterstellt das Gericht und wertet zumindest mildernd, dass es zu keinen schwereren und weiteren Verletzungen gekommen ist. Ein Rücktritt vom Versuch komme aber nicht mehr in Betracht, auch könne dem Angeklagten kein psychischer Ausnahmezustand zu Gute gehalten werden.

Der nunmehr Verurteilte hat die Entscheidung ohne jede sichtbare Reaktion angehört. Verteidiger Andreas Trode macht sich allerdings viele Notizen und redet mehrfach auf seinen Mandanten ein. Auch nach Ende der Verkündigung gibt es ein intensives Gespräch.

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