Justiz

Messerangreifer vor dem Siegener Landgericht

Der 21-jährige Angeklagte bedauert seine Tat vor der 1.Strafkammer des Siegener Landgerichts und sagt, dass er das Opfer nicht verletzen wollte.

Der 21-jährige Angeklagte bedauert seine Tat vor der 1.Strafkammer des Siegener Landgerichts und sagt, dass er das Opfer nicht verletzen wollte.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Der Angeklagte soll einen Mann an der Siegener Sparkasse überfallen- und ihn dann mit einem Messer an der Brust verletzt haben.

Warum überfällt ein junger Mann an der Siegener Sparkasse einen ihm Unbekannten, der gerade 250 Euro abgehoben hat, bedroht ihn, verlangt aber nur 20 Euro? Warum geht er dann mit einem Messer auf ihn los und verletzt ihn an der Brust? Diese Fragen stellten sich nach der Anklageverlesung gegen einen 21-Jährigen vor einer Woche und werden an diesem Donnerstag zumindest zum Teil beantwortet. Die gesamte Sachlage ist aber mehr als kompliziert für die 1. Strafkammer des Siegener Landgerichts.

Der Angeklagte berichtet zunächst, dass er in einer Spielhalle an einen Automaten kam, der noch lief und 80 Cent enthielt. Die habe er herausgeholt und seinerseits 20 Euro eingeworfen. Nach zwei Spielen sei der Geschädigte neben ihm aufgetaucht, habe gegen den Stuhl getreten und ihn beschimpft. Der durch den Streit aufmerksam gewordene Geschäftsführer habe dann ihn vor die Tür gesetzt. Der Angeklagte wartete auf das spätere Opfer und folgte ihm danach zur Sparkasse, stellte ihn zur Rede, wollte sein Geld. Als Reaktion habe es nur Beleidigungen gegeben. „Er hat mich richtig sauer gemacht“, erklärt der junge Syrer, warum die Sache danach eskalierte, er ein Taschenmesser herausholte und dem anderen damit einen Schnitt quer über die linke Brust beibrachte. „Ich wollte ihn nicht töten und auch nicht verletzen. Es war falsch. Ich weiß auch nicht, warum ich das gemacht habe“, erklärt der junge Mann.

„Wir glauben auch nicht, dass Sie ihn töten wollten“, beruhigt Richterin Elfriede Dreisbach den Angeklagten, der 2016 nach Siegen kam. Er habe drei Monate in einer kurdischen Miliz im syrischen Bürgerkrieg gekämpft, erzählt er. Nach zwölf Schuljahren habe er gerade eine Ausbildung als Physiotherapeut begonnen, „dann trug ich eine Kalaschnikow, statt mich mit Büchern zu beschäftigen“. Sein Vater habe ihm damals gesagt, er müsse nach Deutschland gehen.

Das Opfer kommt nicht zur Verhandlung. Das Hauptproblem der Kammer ist ohnehin anders gelagert. Seit 2016 war der Angeklagte immer wieder in psychiatrischer Behandlung, hat sich auch in der U-Haft „ordentlich daneben benommen“. Bei der ersten Einweisung sei er auf einem Baugerüst geturnt, habe Planen abgerissen, eine Frau an der Brust berührt, sich bis auf die Shorts ausgezogen und sich vor Autos gestellt. Ein anderes Mal wurde er schwimmend im Mittellandkanal gefunden. Er selbst findet sein Verhalten völlig normal. „Wir würden sicher nicht im Mittellandkanal schwimmen“, verneint Dreisbach.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben