Sturmfolgen

Nach Kyrill muss Stadtwald Hilchenbach erst wieder wachsen

Auf den ersten Blick sind die Wunden, die Kyrill geschlagen hat, verheilt. Bemerkbar machen sich die Folgen des Sturm unter anderem im Wirtschaftsplan des Stadtwalds.

Auf den ersten Blick sind die Wunden, die Kyrill geschlagen hat, verheilt. Bemerkbar machen sich die Folgen des Sturm unter anderem im Wirtschaftsplan des Stadtwalds.

Stadt Hilchenbach kann mit Bäumen lange Zeit nichts mehr verdienen. Für Pflege neuer Bestände sind im Wirtschaftsplan 11.500 Euro veranschlagt.

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Hilchenbach. Theoretisch ist das im Wald wie im richtigen Leben: Erst wachsen die kleinen Bäume einer Kultur heran, dann werden sie in einer Dickung größer und reifen zum „Baumholz“ – das die Förster auch so nennen. Am Schluss dieses Lebenszyklus, den die Fachleute auf 100 Jahre anlegen, steht das erntereife Altholz. Bis dahin sind die Bestände Jahr für Jahr gewachsen, immer nur ein ganz kleiner Teil konnte auch schon vor der Ernte genutzt werden. Vor zehn Jahren hat der Sturm Kyrill diese über Menschen-Generationen reichende Planung zunichte gemacht.

Vorrat werde erst wieder aufgebaut

„Hilchenbach hat es schlimmer getroffen als andere Kommunen“, sagt Forstdirektor Manfred Gertz, der jetzt im Hauptausschuss den jährlichen Wirtschaftsplan vorlegte. 160 Hektar groß ist der Stadtwald, der sich nach den Flurbereinigungen auf zwei Gebiete konzentriert: die Schweisfurth mit dem Hang oberhalb des Ferndorftals zwischen Stift Keppel und Dahlbruch und den Herrnberg zwischen Allenbach und Vormwald, Im Schnitt erntet der Forst für die Stadt in diesen Revieren jährlich 550 Festmeter. Erntete. Bis zu jenem 18. Januar 2007, als der Sturm Kyrill im Hilchenbacher Stadtwald das 30-fache dieses jährlichen Einschlags niedermähte. Gerade im Schweisfurth-Wald, so Manfred Gertz, stellvertretender Leiter des Regionalforstamts und zugleich auch Betriebsleiter des Staatswalds, habe sehr wertvolles Altholz gestanden.

Gerade einmal 4000 Festmeter 80- bis 100-jährige Bäume stehen noch im Stadtwald, weitere 2000 über 100 Jahre, jeweils zu 80 Prozent Laubwald. Die Fichte, gerade zum Baum des Jahres 2017 geadelt, ist lange vor ihrer Zeit in den Holzlagern und Sägewerken gelandet. Am stärksten besetzt ist nun die Altersgruppe der 61- bis 80-jährigen Bäume, auch davon jeder zweite ein Laubbaum. Für den Stadtwald, so Gertz, bedeute dies „sehr wenige Nutzungsmöglichkeiten für die nächsten Jahre.“ Der Vorrat werde nun erst wieder aufgebaut.

Wald soll neuen Stürmen trotzen

Revierförster Ekkehard Hoffmann nennt dem Hauptausschuss Zahlen: Von den 51 Hektar Stadtwald, die sich vor zehn Jahren in eine Wildbruchfläche verwandelt haben, wurden 18 wieder aufgeforstet, auf den Rest konnte sich dank Vor- und Naturverjüngung ein neuer Wald entwickeln. 71 255 Bäume wurden neu gepflanzt, vor allem Laubbäume und eine Mischung von Laub- und Nadelbäumen. 16 verschiedene Baumarten wurden gepflanzt, oft fiel die Entscheidung für eine Mischung von Buche und Lärche, gern auch die Roteiche. Der Hilchenbacher Stadtwald habe damit „sturmresistente Bestände für die nächsten Jahrzehnte“, sagt Hoffmann. Gerade die Roteiche komme mit dem Siegerländer Klima „deutlich besser zurecht als die Fichte“.

Die Pflege der — neuen — Bestände hat ihren Preis: 11 500 Euro sind dafür im Wirtschaftsplan veranschlagt: Der Jungwuchs muss gelichtet, Birken und Ginster müssen zurückgedrängt werden, damit stabile Baumarten heranwachsen können. „Sie haben hier Wälder für die Zukunft angelegt“, sagt Manfred Gertz. Es werde noch „etliche Jahre dauern, bis die Spuren Kyrills verwischt sind“, heißt es in der Präsentation für den Hauptausschuss, die mit einem Appell schließt: „Haben Sie bitte Geduld mit Ihrem Wald.“

>>Info:

  • 2000 Euro Überschuss erwirtschaftet der Hilchenbacher Stadtwald in diesem Jahr. Ausgaben von 23 000 Euro stehen Einnahmen von 25 000 Euro gegenüber.
  • Geld kosten die Bestandspflege, die Holzernte, die Wegeunterhaltung und die Verwaltung. Einnahmen werden aus der Jagdpacht erzielt, außerdem am Herrnberg aus der Nutzung für Bestattungen durch den Ruheforst.

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