Kreistag

Nahverkehr in Siegen-Wittgenstein „nicht zukunftsfähig“

Der öffentliche Nahverkehr wird die Kreisverwaltung wieder beschäftigen..

Der öffentliche Nahverkehr wird die Kreisverwaltung wieder beschäftigen..

Foto: Hendrik Schulz

Siegen-Wittgenstein.   Über zehn Jahre nach VWS-Verkauf: SPD-Fraktionschef Michael Sittler regt an, über Beteiligung des Kreises an einem Busunternehmen nachzudenken.

„Nicht mehr zukunftsfähig“: Das ist das Urteil, mit dem Michael Sittler, Chef der SPD-Kreistagsfraktion, in seiner Haushaltsrede den öffentlichen Nahverkehr in Siegen-Wittgenstein belegt. „Ein weiteres Ausdünnen des Angebots geht nicht.“

Und auch das Schülerticket, das der Kreis tausendfach kauft und weiterverschenkt, um den Verkehrsunternehmen zu mehr Einnahmen zu verhelfen, sei begrenzt wirksam: „Das beste Schülerticket hilft nicht, wenn kein Angebot da ist.“ Nach der Einführung des landesweiten Azubi-Tickets werde das Bürgerticket für alle der nächste Schritt sein, sagte Sittler voraus. „Und dann wird auch Thema, ob der Kreis wieder Anteilseigner eines Verkehrsunternehmens wird“ – gut zehn Jahre nach der Privatisierung der einst kreiseigenen Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS): „Das wird richtig Geld kosten.“

Kritik am neuen Naherverkehrsplan

„Wir kommen an dem Thema nicht vorbei“, bestätigt Landrat Andreas Müller, nennt aber die aktuelle Kritik am neuen Nahverkehrsplan, der vor allem bei der Schülerbeförderung zu Kürzungen geführt hat, „völlig ungerechtfertigt“. Allerdings gebe es „offensichtlich Verwerfungen“, die nun mit Verkehrsbetrieben, Nahverkehrs-Zweckverband ZWS und Stadt Siegen geklärt werden sollen.

Bernd Brandemann (CDU) äußert sich skeptischer: „ÖPNV ist derzeit nicht einfach vervielfachbar.“ Das zeige die Situation im südlichen Siegerland, wo der Westfalenbus seine auslaufenden Konzessionen am liebsten vorzeitig zurückgegeben hätte: Der Arbeitsmarkt für Busfahrer sei „leergefegt“.

CDU für Weisung an Kreis-Vertreter

Im Schienen-Nahverkehr steht ein organisatorischer Umbruch bevor: Der Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL), dem der ZWS und die anderen fünf regionalen Zweckverbände als Mitglieder angehören, will seine Arbeit zentralisieren — auch mit Hinweis darauf, dass ein landesweiter Verkehrsverbund (statt jetzt drei) immer auch eine Option sein könne. Der Kreistag will sich vorbehalten, seinen Mitgliedern in den Verbandsversammlungen Weisungen zu erteilen, wie sie abzustimmen haben. Das werde „ausgesprochen wichtig“ sein, sagte Bernd-Dieter Ferger (CDU), dessen Fraktion das Thema auf die Tagesordnung gebracht hatte.

„Wir haben ein gehöriges Mitspracherecht“, sagte Michael Sittler (SPD), der selbst der NWL-Versammlung angehört, „ich hatte noch nie das Gefühl, dass wir da überfahren werden.“ Der ZWS werde wohl „an der einen oder anderen Stelle“ etwas an Kompetenzen abgeben müssen, die aber in der Praxis keine Rolle gespielt hätten. Hermann-Josef Droege (CDU) regte an, dem kleinen südwestfälischen Zweckverband im NWL eine „Sperrminorität“ einzuräumen.

Landrat Andreas Müller wies auf Personalien hin: Er selbst habe gerade turnusmäßig das Amt des NWL-Verbandsvorstehers übernommen, sein Olper Kollege Frank Beckehoff leite die Verbandsversammlung. „Wir haben gerade einen guten Moment für unsere Region erwischt.“ Bedingung für die Neuorganisation sei, „dass keine zusätzlichen Kosten entstehen.“ Wenn allerdings das ZWS-Personal künftig Arbeitsverträge mit dem (Schienen-)NWL hat, werden die Kreise eine Lösung für den Busverkehr finden müssen: Den haben Siegen-Wittgenstein und Olpe nämlich ebenfalls dem ZWS übertragen.

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