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Netphen: Heim für Menschen mit Demenz wird 2019 bezugsfertig

So wird das neue Pflegeheim von der

Foto: Almasi und Stein Architekten

So wird das neue Pflegeheim von der Foto: Almasi und Stein Architekten

Netphen.   Anfang 2018 beginnen die Bauarbeiten, 2019 sollen die ersten Bewohner einziehen können. Im Obernautal entstehen 60 bis 70 Arbeitsplätze.

Anfang 2018 beginnt der Neubau des Pflegeheims für Menschen mit Demenz an der Brauersdorfer Straße. „Wir sind kurz vor dem Spatenstich“, sagt Diana Ruhmöller. Sie leitet die Wohn- und Pflegeeinrichtungen der Gesellschaft für Gesundheitsdienstleistungen Siegen (GSS), ein Unternehmen des St. Marien-Krankenhauses, zu dem auch das 1997 auf der Pfarrwiese eröffnete Haus St. Elisabeth gehört. Im ersten Vierteljahr 2019 sollen die ersten Bewohner einziehen können.

Für wen? — Die Bewohner

Dieses Pflegeheim ist ein besonderes: Die 60 Plätze sind für Menschen mit schwerer Demenz reserviert. Sie sind so beeinträchtigt, dass sie nicht mehr zu Hause betreut werden können. Und auch nicht mehr in den üblichen Pflegeheimen. Mit Fortschreiten der Krankheit, weiß Stephan Berres, Leiter des Hauses St. Elisabeth, „wird das Zusammenleben von Orientierten und Nicht-Orientierten schwierig.“ Den Dementen schlägt die Ablehnung der Mitbewohner entgegen – denn „die meisten Pflegebedürftigen haben keine Demenz“, betont Berres. Selten kommt es zur Eskalation: Dann gibt das Pflegeheim auf, weil es nicht darauf eingerichtet ist, Bewohner zu schützen, die weglaufen oder sich selbst verletzen. Ein Umzug ist die Folge. Die nächsten Einrichtungen für Pflegebedürftige, deren Unterbringung ein Gericht anordnet, gibt es im Sauerland oder im Westerwald. Bisher. „Wir möchten, dass die Leute, die hier bleiben möchten, nicht auf der Straße stehen.“

„Wir werden ein größeres Einzugsgebiet haben als das Haus St. Elisabeth“, sagt Stephan Berres. Die Nachfrage ist groß. Bei jeder zweiten Anfrage spielt Demenz eine Rolle, bei jeder dritten schwere Demenz. „Viele Anfragen kommen aus dem häuslichen Bereich.“ Da, wo die Angehörigen am Ende überfordert sind und auch Tagespflege am Ende nicht mehr helfen kann. Im Gegenteil: Das ständige Wechseln zwischen Wohnung und Tagesaufenthalt verwirrt, „ist für Demenzkranke nicht förderlich“, sagt Berres, „ein Demenzkranker braucht sein gewohntes Umfeld.“

Wie? — Das Haus

Das zweigeschossige Gebäude, das neben dem Freizeitbad in Richtung Brauersdorf errichtet wird, bietet Raum für 60 Bewohner in fünf Hausgemeinschaften. Sie sind im Erdgeschoss um einen Innenhof gruppiert, im Obergeschoss mit Loggien ausgestattet. Ein helles Haus mit viel Glas hat das Siegener Büro Almasi und Stein konzipiert. Jede Bewohnerin, jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer, jede Hausgemeinschaft eine Wohnküche – „wie in einer kleinen Familie“, sagt Stephan Berres. Die Flure, die die Wohngruppe erschließen, sind so breit, dass sie als „Boulevards“ bezeichnet werden. Sie enden auch nicht, sodass jeder Weg irgendwann zu seinem Anfang zurückführt. „Es gibt auch keine geschlossenen Türen.“

Wasserbett, Stimmungslicht, Düfte, Musik – so etwas wie eine Oase: Die fünfte Gruppe im zweiten Obergeschoss ist für schwerkranke Bewohner bestimmt, die sich nicht selbst fortbewegen können, die hilflos sind, am Ende ihres Lebens palliativ versorgt werden – von hier muss niemand mehr in ein Hospiz umziehen..

Der Garten bekommt Hochbeete, Wege, Leuchten. Und er wird überschaubar sein – weitläufige Parkanlagen mit Wegenetzen, die Entscheidungen verlangen, würden die Bewohner eher ängstigen, sagt Stephan Berres. So bekommt auch der Zaun um den Garten herum eine zweite Bedeutung: Für die Menschen drinnen, weiß Berres, vermittelt er das Gefühl, geschützt zu sein.

Wie? — Der Tag

„Den Tagesablauf geben die Menschen vor, die dort leben“, sagt Stephan Berres, „sie zeigen uns ihre Normalität.“ Von Angehörigen, Freunden und Bekannten werden die Mitarbeiter zu erfahren versuchen, wie der Bewohner früher gelebt hat, was er mag, worauf er empfindlich reagiert: „Prägend sind die ersten vier Lebensjahrzehnte.“ Selbst mitteilen kann er sich oft nicht mehr. Dann kommt es darauf an, dass die Betreuer Mimik und Gestik zu lesen verstehen, Unruhe und Bewegungsdrang auffangen. Mancher Bewohner wird sich als Frühaufsteher, mancher als Nachtschwärmer erweisen – das Team stimmt seine Arbeitszeiten darauf ab.

Im Haus St. Elisabeth ist die Bierstube der Treff für die Männer und die Küche der Treff für die Frauen. So, wie es halt früher gewesen ist. „Früher“ – das ist immer eine andere Zeit. „Es ist wichtig, das Angebot auf die nächste Generation anzupassen“, sagt Stephan Berres. Das betrifft die Musik. Und die Medien. Die Spielekonsolen, einst in einem von der Uni begleiteten Projekt eingeführt, seien nach wie vor der „Knaller“. Und das Internet sowieso: „Am meisten läuft Youtube.“

Mit wem? – Das Team

60 bis 70 Voll- und Teilzeitkräfte werden in dem neuen, noch namenlosen Haus („Der Name wird einen Bezug zu den Menschen haben, die dort wohnen“) arbeiten. Gesucht werden vor allem gerontopsychiatrische Fachkräfte. „Die Fortbildungen laufen jetzt schon“, sagt Stephan Berres. Natürlich, so Dr. Christian Stoffers, Sprecher des Marien-Krankenhauses, sei es „eine klare Herausforderung, Personal zu gewinnen.“ Das Bewerbungsverfahren soll zu Beginn des nächsten Jahres eröffnet werden. Eine wichtige Rolle wird auf Dauer das BiGS spielen, das auf dem Wellersberg entstehende Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe, das Marien-Krankenhaus, DRK-Kinderklinik und Kreisklinikum gemeinsam betreiben werden.

>>>INFO: Von der Stadtmitte Richtung Freizeitpark

Die Vorgeschichte

Seit 2013 verfolgt die GSS das Projekt in Netphen – ursprünglich für einen Standort direkt in der Nachbarschaft des Hauses St. Elisabeth. Der hätte zur Verfügung gestanden, wenn die Bauunternehmung Demler, die entscheidender Partner für einen Grundstückstausch gewesen wäre, ihren Umzug nach Dreis-Tiefenbach verwirklicht hätte.

Der neue Plan

Die GSS orientierte sich um, die Stadt bot das Grundstück neben dem Freizeitbad an, das über Jahrzehnte für den Neubau eines Hotels reserviert war. Das Vorhaben mit einer Investitionssumme von rund sieben Millionen Euro, sagt Diana Ruhmöller, Leiterin der GSS-Wohn- und Pflegeeinrichtungen, habe sich in der Planungszeit weiterentwickelt: „Jetzt freuen wir uns auf den Startschuss.“

Der Träger

Das Pflegeheim für Menschen mit schwerer Demenz ist nach dem Haus St. Elisabeth, dem Marienheim, den Häusern in Niederfischbach und Friesenhagen und dem zuletzt neu eröffneten Haus St. Raphael in Burbach die sechste Pflegeeinrichtung der GSS. Außerdem werden 200 Wohnungen im „Wohnen mit Service“ betreut. Hinzu kommen werden in naherZukunft die Beteiligung am Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe bei der Kinderklinik in Siegen und das Hospiz auf der Eremitage.

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