Grundschule Netphen

Netphen – Manege frei für Kids: Zirkus auf dem Stundenplan

| Lesedauer: 5 Minuten
Grundschule macht Zirkus: Die rote Gruppe probt für ihre Premiere.

Grundschule macht Zirkus: Die rote Gruppe probt für ihre Premiere.

Foto: Steffen Schwab

Netphen.  Raus aus dem Klassenzimmer, rein in die Manege: Wie rund 330 Netphener Schulkinder sich in Clowns, Jongleur und Feuerspucker verwandeln.

Es riecht schon nach Popcorn. Im Vorzelt wird die erste Gala vorbereitet, die Kaffeemaschine ist schon aufgebaut, Kuchen und Würstchen kommen später. Drinnen in der Manege wird gearbeitet. Beziehungsweise auf den Rängen, wo am Nachmittag die Zuschauer Platz nehmen und sich jetzt die Clowns, die Trapezkünstler, Akrobaten, Jongleure und Piraten verteilen. „Absolute Ruhe im Zelt!“ Die Ansage von Ramon Ortmann, der die Generalprobe gemeinsam mit seinem Bruder Marco leitet, ist deutlich. Die Netphener Grundschulkinder, die ihrer Premiere entgegenfiebern, haben damit kein Problem.

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Alle vier Jahre engagiert die Grundschule Netphen den Zirkus Rondel – damit jedes Kind einmal in seiner Grundschulzeit in der Manege stehen kann. Denn das ist das Besondere an dem „circus for kids“, der seit 1994 von Peine aus durch Deutschland tourt: Die Stars sind die Kinder, die Profis sind vor allem Trainer. Die Kinder, sagt Rektorin Annette Kramps, sollen ihre Stärken entdecken können. „Es ist erstaunlich, wie viel sie in so kurzer Zeit lernen können.“ „Sie können andere Sachen zeigen als in der Schule“, bestätigt Konrektorin Kirsten Wüst, „und wachsen dabei über sich hinaus.“ Die einen als Feuerteufel, die anderen auf dem Trampolin.

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Am Anfang: Der Zeltaufbau

Für die Zirkuswoche steht der Schulalltag auf dem Kopf. Direkt am Sonntag waren die Eltern beim Zeltaufbau gefragt – auf der klatschnassen Wiese unter erschwerten Bedingungen. Am Montag haben die Trainer zur Begrüßung erst mal selbst eine kleine Vorstellung gegeben, 16 Familienmitglieder, einschließlich der Allerjüngsten: Elly, gerade einmal ein Jahr jung, steht auf der Hand von Papa Marco. „Das motiviert unsere Kinder natürlich“, weiß Annette Kramps. Sie tauchen in eine Welt ein, in der Zirkus alles ist. Direktor Stephan Ortmann gehört schon zur sechsten Generation, dessen fünf Geschwister haben auch alle einen eigenen Zirkus.

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326 Kinder, das sind alle Klassen aus Nieder- und Obernetphen, studieren ihre Nummern ein. Ein paar Gruppen sind beim Zirkus auf der Brauersdorfer Festwiese, einige im Kindergarten nebenan, der als Garderobe dient und wo sich die Clowns schminken, die anderen in der Schule. Auch da löst der Zirkus für diese Woche den Stundenplan ab. Rätsel, Spiele, Bastelaufgaben und Lesestoff sind in den Zirkusmappen, die die Mädchen und Jungen bekommen haben. Die Hausaufgaben sind auch gestrichen – alle Kräfte werden für die Galas gesammelt, die erste schon am Donnerstagabend, zwei am Freitag und die letzte am Samstag.

So viele Kinder müssen hin- und hergefahren werden – das war nicht einfach zu organisieren. Zum Glück hat der örtliche Heizölhändler – „der hat inzwischen fünf Wochen Lieferzeit“, berichtet Annette Kramps – den Zirkus bedienen können. Teuer wird das aber so oder so: Der Zirkus hat zwar seine Preise gehalten, aber Strom und Öl schlagen zu Buche. Und dann wird auch auf die sonst drei Euro Eintrittsgeld für zuschauende Kinder verzichtet. „Damit sich alle das leisten können.“ Die Löcher im Budget wird dann der Förderverein stopfen.

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Am Ende: Die große Gala

Im großen Zirkuszelt läuft die Generalprobe, es geht aufs Finale zu. Zuerst die Trockenübung auf den Rängen: Hüpfen, klatschen, winken… „Habt ihr das verstanden?“, fragt Ramon Ortmann. Sein Bruder René, seit 18 Jahren Betriebsleiter, scheint sich über die sich allmählich verbreitende Hektik zu freuen – ein schöner Kontrast zu der gut ein Jahr langen Betriebsruhe wegen Corona, das den Zirkus tief in die roten Zahlen gebracht hat. Viele Schulen haben für den Zirkus Aktionen gemacht, „auch Siegener Schulen haben uns unterstützt“, berichtet René Ortmann, „sonst wäre es für uns noch schwerer geworden.“ Nun hat der Familienbetrieb – die einjährige Elly steht für die achte Generation – wieder Zukunft: „Wir sind ausgebucht.“ Nächste Woche Dreis-Tiefenbach, dann Biedenkopf, Bad Marienberg…

Die rote Gruppe, die am Freitag Premiere hat, übt den Schlussauftritt – nach und nach sind alle Mädchen und Jungen in der Manege. „Alle schauen nach vor zu den Lampen“, lautet die Ansage von Ramon Ortmann, „und wenn eure Eltern winken: nicht zurückwinken!“ Auch der Abgang hat Regeln: „Der René hat am Ende das letzte Wort. Dann brüllt ihr: Rondel! Und geht winkend raus.“ Applaus.

Vorstellungen auf der Festwiese in Brauersdorf: Donnerstag 18.30 Uhr, Freitag 14.30 und 18.30 Uhr, Samstag 10.30 Uhr.

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