Ehrenamt

Netphen verleiht drei Ehrenamtspreise

Preisträger und Paten beim Bürgermeister: Dorothee Spies, Gabriele Geßner-Wagener, Gerhard Schmidt,  Brigitte Ley, Karl-Heinz, Paul Wagener, Dr. Rainer Kaiser, Hannelore Schober, Heinz Wagener (von links),

Preisträger und Paten beim Bürgermeister: Dorothee Spies, Gabriele Geßner-Wagener, Gerhard Schmidt,  Brigitte Ley, Karl-Heinz, Paul Wagener, Dr. Rainer Kaiser, Hannelore Schober, Heinz Wagener (von links),

Foto: Steffen Schwab

Netphen.  Gabriele Geßner-Wagener, Günter Schmidt und Karl-Heinz Ley bekommen in diesem Jahr den Ehrenamtspreis der Stadt Netphen.

Einmal im Jahr bittet Paul Wagener zu Kaffee und Kuchen. Am Tisch sitzen Männer und Frauen, die gleich oben im Ratssaal mit dem Ehrenamtspreis ausgezeichnet werden. „Weißt du eigentlich, warum du hier bist?“, fragt der Bürgermeister dann. Und bekommt, je nach Naturell des oder der Angesprochenen, eine Antwort. „Weiß ich selber nicht“, gibt Gerhard Schmidt zurück. Das klingt, ebenso wie schon die Frage, auf Anhieb unhöflich. Ist es aber nicht. Denn in dieser Runde wird platt geschwätzt. „Erzähl doch mal“, lässt Bürgermeister Wagener dann als Aufforderung.

Drei Preisträger

Und Gerhard Schmidt, der Nenkersdorfer, erzählt: über 47 Jahre bei der Feuerwehr, davon 16 Jahre als Löschgruppenführer. Über andere Ehrenämter, die sich darum herumgruppiert haben: bei der „Hilfe am Grab“, bei der Dreschgenossenschaft, als Waldvorsteher. „Ich habe mich immer interessiert“, sagt der heute 72-Jährige, der sein Berufsleben bei Walzen Irle verbracht hat, sich viele Jahrzehnte in SPD und Gewerkschaft engagiert. „So ging das immer weiter.“ Ganz verklärt lässt Gerhard Schmidt das Bild vom unermüdlichen Ehrenamtler allerdings nicht stehen. Den Posten als Waldvorsteher könnte er nur an einen Jüngeren loswerden, der erst einmal Anteile an den 60 Hektar Altsohlstätten bis hoch zum Lahnhof – das ist mit Hausbesitz verbundener Wald – erwerben können müsste. „Selbst alles behalten – die anderen sollen’s machen“, bedauert Schmidt: „Warum geben die ihre Anteile nicht ab?“

Gabriele Geßner-Wagener hat den Absprung nach 20 Jahren Vorsitz beim Ortsverband der Landfrauen geschafft. „Es müssen neue Ideen kommen, nach so langer Zeit schleift sich Routine ein.“ In ihrer Amtszeit ist der Ortsverband groß geworden. Erst war sie nur für die 23 Mitglieder in Brauersdorf zuständig, dann kamen Netphen, Beienbach, Afholderbach und Sohlbach dazu – 110 Mitglieder insgesamt. „Es war mein Bestreben, zu jedem persönlich Kontakt zu halten.“ So ganz gelingen konnte das bei dieser großen Zahl nicht. Was die Bilanz, zu der nebenbei – ein Ehrenamt kommt nie allein – auch noch der Einsatz beim Brauersdorfer Schützenverein und die Seniorennachmittage dort gehört, keineswegs trübt: „Ich hab’s gern gemacht. Und ich habe viel gelernt“, sagt die 67-Jährige.

Mit 74 Jahren Senior in der Runde ist Karl-Heinz Ley. Der Irmgarteichener ist seit 29 Jahren Vorsitzender des von ihm mitgegründeten Heimatvereins Oberes Johannland, Organisator der vierteljährlichen Bauernmärkte, war beim Roten Kreuz aktiv, war Ortsvorsteher, war – erst für die CDU, dann für die UWG – Ratsmitglied. Vor allem aber ist er Gründer und Motor der Heimatstube in der alten Schule, die inzwischen zum Johannlandmuseum geadelt wurde – und unermüdlicher Forscher in Sachen Ortsgeschichte.

„Das macht mir richtig Spaß“, sagt Ley, der zwar einen Generationswechsel im Heimatverein im nächsten Frühjahr ankündigt, aber zunächst für die 2020 anstehende 750-Jahrfeier noch einmal richtig aufdreht. Immerhin , so weiß er, hatte Irmgarteichen das erste preußische Standesamt, als der Kreis Siegen 1815 zu Preußen kam. Und hier stand eigentlich auch die Wiege der heutigen Volksbank in Südwestfalen, oder zumindest eine davon: „Darauf ist Irmgarteichen stolz.“

Die Ehrung

Richtig offiziell wird es gleich oben im Ratssaal. In seiner Laudatio wird Bürgermeister Wagener auf Hochdeutsch die Ehrenamtlichen als „Motor unseres Zusammenlebens“ würdigen: „Sie sind die Kraft, die bewahrt und bewegt. Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement sind das Rückgrat unserer Gesellschaft.“ Eigentlich habe die drei, die von Ehepartnerinnen und -partner und den Paten des Vorschlags begleitet werden, keine große Lust aufs Rampenlicht vor dem ganzen Stadtrat. Urkunde, Buchgeschenk (für die Herren) und Blumen (für die Dame), „Flachgeschenk“, Foto – sie werden das ganz schnell hinter sich bringen. Ehrenamt findet oft im Verborgenen statt, bedauert der Bürgermeister. So soll es aber auch bleiben, scheinen die Ausgezeichneten zu denken. Nodda.

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