Verkehr

Netphener Politik hat keine Mitsprache bei Tempo 30

Bushaltestelle Rathaus: Drängelnde und schubsende Schüler sind ein Problem. Die Verkehrsbetriebe wollen das filmen und ein Video mit gefährlichen Situationen an die Verkehrskommission weiterleiten.

Bushaltestelle Rathaus: Drängelnde und schubsende Schüler sind ein Problem. Die Verkehrsbetriebe wollen das filmen und ein Video mit gefährlichen Situationen an die Verkehrskommission weiterleiten.

Foto: Steffen Schwab

Netphen.   Die Straßenverkehrsbehörde muss nicht auf die Politik hören. Auch bei den Fußgängerüberwegen gehen die Meinungen auseinander.

Die Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd (VWS) haben angekündigt, dass sie das „Fehlverhalten“ von Schülern an der Bushaltestelle Rathaus filmen und das Material Stadtverwaltung und Polizei zur Verfügung stellen wollen.

Der Ärger

Nun sei er „fast sprachlos“, gesteht CDU-Stadtverordneter Rüdiger Bradtka, als er das Protokoll der jährlichen Verkehrsbesprechung von Stadt, Verkehrwacht, Polizei und Landesbetrieb Straßenbau liest. Ob etwa auf diese Weise zu junge Zigarettenraucher verfolgt werden sollen? Nein, es gehe um das Drängeln und Schubsen an der Haltestelle, stellt Michael Schneider, Leiter des Fachbereichs Ordnung und Bürgerservice, klar. Verwertbares Material gibt es allerdings noch nicht — die Besprechung war im Oktober.

Helga Rock (Grüne) nutzt im Stadtentwicklungsausschuss die Gelegenheit, nach der Grundlage für die „demokratisch schwierigen“ Beschlüsse der Kommission zu fragen. Baudezernent Erwin Rahrbach stellt klar: Als Verkehrsbehörde handle die Stadt nach Weisung — dieses Aufgabengebiet sei „dem politischen Zugriff in der Regel entzogen“. Weshalb dann nur der Trost bleibt, den Eckhard Mengel (SPD) für die hat, die über stets abgelehnte Anträge auf neue Tempo-30-Zonen klagen: „Da hält sich doch eh keiner dran.“

„Das Meiste wird einfach abgelehnt“, sagt Alfred Oehm (CDU), Vorsitzender des Stadtentwicklungsausschusses, und erzählt die Geschichte aus Herzhausen: Dort sollte in Höhe der alten Schule ein Stück Randstreifen an der freien Strecke der Landstraße mit Splitt befestigt werden, damit ein neu eingeschultes Kind dort auf den Bus warten kann: „Das Kind geht heute zu einer weiterführenden Schule, da hat sich nichts getan.“ „Das wohnt gar nicht mehr da“, weiß Bernhard Knoch (SPD), der aus Unglinghausen berichtet: Dort hätten die Bürger gern einen Fußgängerüberweg an den Bushaltstellen gehabt. Weil dafür nicht genügend Menschen die Straße querten, soll die Geschwindigkeit der Autos durch eine Fahrbahnverschwenkung verringert werden. „Das bewirkt nichts“, sagt Knoch voraus.

Die Einzelfälle

Das hat die Verkehrskommission unter anderem beschlossen:

Spielplatz Afholderbach: Es soll keine Geschwindigkeitsbeschränkung auf der Sohlbacher Straße geben. Stattdessen soll ein befestigter Fußweg auf dem Bolzplatzgelände angelegt und ein Ballfangzaun aufgebaut werden, sodass Kinder nicht auf die Fahrbahn laufen, um einen Ball wiederzuholen. Der Rat der Stadt hat inzwischen einen neuen Anlauf unternommen: Nun soll das Ortsschild aus Richtung Sohlbach versetzt und eine elektronische Geschwindigkeitsmessanlage mit digitaler Anzeige installiert werden.

Albert-Irle-Straße/Feuersbacher Straße in Deuz: Den grünen Pfeil für Rechtsabbieger aus Salchendorf in Richtung Ortsmitte wird es nicht geben – wegen der entgegenkommenden Linksabbieger, denen die Ampel Grün zeigt, und weil die Rechtsabbiegespur fehlt.

Brauersdorfer Straße in Netphen: Anlieger haben Unterschriften für Tempo 30 zwischen Ehreneiche und Waldenburger Straße gesammelt. Kinder auf dem Schulweg würden gefährdet, „die Straße verkommt zur Rennstrecke“. Antrag wird abgelehnt. Ebenfalls zurückgewiesen werden Tempo-30-Anträge für Frohnhausen und Irmgarteichen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben