Wissenschaft

Neuer Blickwinkel für Forscher der Uni Siegen

Der Eye Tracker unterstützt die Forscher, indem er die Augenbewegungen der Probandin aufzeichnet, genau misst und bis zu 2000 Bilder pro Sekunde liefert.

Der Eye Tracker unterstützt die Forscher, indem er die Augenbewegungen der Probandin aufzeichnet, genau misst und bis zu 2000 Bilder pro Sekunde liefert.

Foto: Uni Siegen

Siegen.   „Eye Tracker“ zeichnet Augenbewegungen auf und liefert Antworten innerhalb klinischer Psychologie in den Bereichen Angst- und Suchtforschung.

Der Kopf ruht auf einer Kinnstütze, die Probandin blickt auf einen Bildschirm. Eine Kamera zeichnet dabei ihre Augenbewegungen auf. Aber die Frau ist nicht bei einem Augenarzt, sondern im Labor von Prof. Tim Klucken und seinem Team an der Universität Siegen. Der „Eye Tracker“, der ihre Augenbewegungen aufzeichnet, ist Bestandteil der neuen, hochmodernen Ausstattung im Department Erziehungswissenschaft – Psychologie der Fakultät II (Bildung – Architektur – Künste).

Der Eye Tracker

Zusammen mit weiteren Geräten soll der „Eye Tracker“ Antworten auf Fragestellungen innerhalb der klinischen Psychologie liefern, zum Beispiel in den Bereichen Angst- und Suchtforschung: „Menschen, die Angst vor Spinnen haben, erkennen zum Beispiel auf einem Bild deutlich schneller eine Spinne als andere“, erklärt Tim Klucken, Professor für Klinische Psychologie. „Und wer unter Depressionen leidet, sieht eher negative Dinge auf einem Bild.“

Die Wissenschaftler interessiert vor allem, wie sich diese Verhaltensweisen im Laufe einer Therapie ändern – oder wie dieses Wissen eine Therapie unterstützen kann, ergänzt Tim Klucken. „Man kann mit den Betroffenen auch üben, anders zu gucken und sich auf andere Dinge zu konzentrieren.“ Oft sei es schon die erste Augenbewegung, die für die Forscher interessant ist. Der „Eye Tracker“ unterstützt die Forscher dabei, indem er bis zu 2000 Bilder pro Sekunde aufzeichnet und sehr genau misst.

Die Vernetzung

Gleichzeitig ist die Kamera mit weiteren Geräten vernetzt, die ein EKG erstellen, den Atem überwachen oder sogar Gerüche und Geschmäcke aussenden können. „Die Geräte haben wir seit Herbst“, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin Anna Exner, „aber erst jetzt sind alle wirklich miteinander verbunden. Das ist viel Programmieraufwand.“

Der lohnt sich aber, wie ihre Kollegin Isabell Tapia León ergänzt: „So können wir feststellen, was im Körper passiert; ob bei bestimmten Reizen zum Beispiel das Herz schneller schlägt oder man anfängt zu schwitzen.“

Die Probanden zusätzlich Gerüchen und Geschmäcken auszusetzen, hat Vorteile gegenüber Bildern und Filmen, sagt Tim Klucken: „Es ist immer subjektiv, was man in einem Film gut oder nicht gut findet. Außerdem braucht es eine große Verarbeitung, bis man ein Bild als schön oder eben nicht schön wahrnimmt. Geschmack und Geruch sind dagegen primäre Emotionen und lösen direkt etwas aus.“

Die Studie

In nächster Zeit wird das Team um Prof. Klucken zusammen mit Prof. Björn Niehaves aus der Wirtschaftsinformatik und Prof. Rainer Brück aus der Medizinischen Informatik eine Studie mit Rauchern durchführen. Denn es gebe die Theorie, dass Menschen, die beispielsweise von Zigaretten oder Alkohol abhängig sind, andere positive Reize, also etwa schöne Gerüche, nicht so positiv wahrnehmen wie Menschen, die nicht abhängig sind.

„Wir möchten Raucher mit Hilfe von Virtueller Realität und innovativen Apps auf dem Smartphone verschiedenen Rauchreizen aussetzen – und diese Reize so verkleinern, dass es den Menschen dabei hilft, mit dem Rauchen aufzuhören“, sagt Tim Klucken.

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