Historie

Neues über die Baugeschichte der Wasserburg in Hainchen

So sieht die Wasserburg in Hainchen heute aus:  Für die Sanierungsarbeiten muss der Wassergraben abgelassen werden.

So sieht die Wasserburg in Hainchen heute aus: Für die Sanierungsarbeiten muss der Wassergraben abgelassen werden.

Foto: Steffen Schwab

Hainchen  Historiker Olaf Wagener aus Kreuztal hält die Burg für ein „historisch bedeutsames Denkmal“, das für die Gegend anspruchsvoll gestaltet wurde.

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. Sie ist wieder da. Die in den letzten Jahren zugewachsene Haincher Wasserburg ist nun weithin sichtbar, der Raum für eine große, immerhin 3,3 Hektar umfassende Parklandschaft ist abgesteckt. „Wir haben den Dornröschenschlaf beendet“, sagt Paul Breuer, Vorsitzender des Siegerländer Burgenvereins, „aber die Prinzessin ist noch nicht gefunden.“ Soll heißen: Es ist noch viel zu tun: Auf mittlerweile 550.000 Euro veranschlagt ist die technisch so genannte „Freiraumgestaltung“, von denen 200.000 Euro über das integrierte kommunale Entwicklungskonzept der Stadt (IKEK) und damit aus Landesmitteln kommen. Die Burg, so Breuer, soll Erlebnis-, Begegnungs- und Kommunikationsplattform werden. Für die Menschen und mit ihrer Geschichte. Weshalb die Abenteuer im Park, ob mit Seilbahn über den Hang der ehemaligen Vorburg oder am Krämerwagen vor der neu entstehenden Brückenrampe, digital, optisch und akustisch mit Informationen unterfüttert werden – ein Fall für die Südwestfalen-Regionale 2025.

Die Geschichte

Die Historiker Dr. Andreas Bingener aus Siegen und Olaf Wagener aus Kreuztal legen in diesen Tagen ein neues Bändchen über die Geschichte der Haincher Burg vor, die deutlich vor ihrer ersten Erwähnung im Jahr 1215 im Niemandsland errichtet wurde, auf einem Bergsporn mit einer hangaufwärts gelegenen Vorburg als erster umfriedeter Siedlung, offensichtlich um von hier eine neue Herrschaft zu begründen, vermutet Wagener. Die Ginsburg gab es noch nicht, die Graf-Gerlachs-Burg nicht mehr. Der Standort nahe der Eisenstraße und des Fernhandelsweges auf der Haincher Höhe war attraktiv, zumal die Grenzen zu Hessen und Wittgenstein und damit die Zollstationen nicht fern waren.

Wie der niedere Adel, verkörpert durch die Familien Hain und Bicken, und die nassauischen Landesherren um Eigentum und Herrschaft rangelten, fasst Dr. Bingener in seinem Beitrag zusammen, an dessen Ende Niedergang, Bankrott, Zerstörung und Wiederaufbau stehen. Mit der Baugeschichte befasst sich Olaf Wagener. Gesichert, sagt er, sei da eigentlich gar nichts. Zu keiner Zeit haben Archäologen das Gelände sichern und dokumentieren können. Auf der anderen Seite haben gerade in jüngerer Zeit Eigentümer das Ihre getan, um Spuren zu vernichten. Die Burg war Oberförsterei, Kinderheim und schließlich, von 1963 bis 1971, Wohnsitz des Berliner Künstlers Otto Sticht, der sich eine heftige Auseinandersetzung mit den Denkmalschützern des Landschaftsverbands lieferte. Für Olaf Wagener steht fest, dass es sich bei der Haincher Burg um ein „historisch bedeutsames Denkmal“ handelt, das „für die hiesige Gegend relativ anspruchsvoll“ gestaltet wurde. Im 17. Jahrhundert hatte die Burg, deren Haupthaus erst im frühen 16. Jahrhundert neu gebaut wurde, jedenfalls vier Türme und ein fünfgeschossiges Hauptgebäude, dessen Steine dann im 19. Jahrhundert für den Unterbau der Landstraße nach Rittershausen verwendet wurden.

Die Gegenwart

Im November 2017 hat der frühere Landrat Paul Breuer, der sein Ehrenamt als Vorsitzender des Heimatbundes aus dieser Zeit weiterführt, das Wecksignal für die Haincher Burg gegeben. Sie wurde 1976/77 vom Burgenverein rekonstruiert und diente dann bis 1993 der AWO, danach bis 2017 der Lebenshilfe als Erholungs- und Bildungsstätte. Zwei Unternehmen der Kinderklinik kümmern sich ums Wirtschaftliche: Die Cucina führt die Remise als wiedereröffnete Gaststätte, die Varius GmbH bewirtschaftet das Gästehaus mit seinen 31 Betten. Seit 1. Mai 2018 läuft der Betrieb, das Standesamt der Stadt hat seine Dependance eröffnet, die Landschaftsarchitektin Doris Herrmann hat den Plan für die Gestaltung des Parks ausgearbeitet, die Renovierung des Gebäudes läuft. „Im Gewölbekeller müssen wir noch arbeiten“, sagt Breuer – wenn dort der Putz weg ist, kann der Bauhistoriker auf Spurensuche gehen. Weitete Baustelle wird der Gebäudesockel sein, dazu muss das Wasser aus dem Burggraben abgelassen werden. „Wenn du mit einer Baustelle anfängst, hast du hinterher fünf“, weiß Paul Breuer, „ich bin zuversichtlich, dass wir das hinkriegen. Aber wir brauchen sehr viel Unterstützung.“

Die gibt es auch. Nicht nur in Gestalt von Spenden von Privatleuten und Wirtschaftsunternehmen. Als stellvertretender Vorsitzender des Burgenvereins mit an Bord gekommen ist der frühere Wilnsdorfer Bürgermeister Werner Büdenbender, der in Salchendorf wohnt und seine berufliche Laufbahn bei der Netphener Stadtverwaltung begonnen hat: „Es ist ganz wichtig, dass die Menschen Hainchen als ihre Burg annehmen.“ Dass sie das auch tun, bestätigt Burg-Nachbar Ralf Wiesenbach, der dem Vorstand seit zwölf Jahren angehört und sich vor allem um den technischen Aspekt des Dornröschen-Weckens kümmert: „Das läuft richtig gut“, berichtet er über die Resonanz auf die Aufrufe zum Mithelfen bei der Arbeit im Gelände – „wenn mir das einer vor zwei, drei Jahren gesagt hätte…“

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