Gesundheitsbranche

Neuorganisation: Mariengesellschaft Siegen auf Wachstumskurs

Verantwortlich für die Neuorganisation: Pressesprecher Christian Stoffers, Prokurist Hubert Berschauer, Bereichsgeschäftsführer Michael Wörster und Hauptgeschäftsführer Hans-Jürgen Winkelmann.

Verantwortlich für die Neuorganisation: Pressesprecher Christian Stoffers, Prokurist Hubert Berschauer, Bereichsgeschäftsführer Michael Wörster und Hauptgeschäftsführer Hans-Jürgen Winkelmann.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   St. Marien-Krankenhaus GmbH hat einen neuen Namen und neue Strukturen. Stärkungspaket für Pflege soll Stellen schaffen. Investition in Gebäude.

Die St. Marien-Krankenhaus GmbH hat sich umstrukturiert: Der Gesundheitskonzern heißt jetzt Mariengesellschaft. Das Unternehmen wachse, sagt Hauptgeschäftsführer Hans-Jürgen Winkelmann; eine klare Konzernstruktur soll die Rekrutierung von Nachwuchs ebenso erleichtern wie die Kommunikation mit Mitarbeitern und Patienten oder die räumliche Ausdehnung.

Vorher:

Ein Konglomerat von Tochtergesellschaften.
30 Jahre lang, seit 1988, war das St. Marien-Krankenhaus Siegen eine gemeinnützige GmbH. Vorher war es seit fast 160 Jahren ein katholisches Krankenhaus gewesen, das dann in jüngerer Vergangenheit expandierte: Neben Gesundheitsdienstleistungen wanderten Wohn- und Pflegeeinrichtungen, Praxen in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) oder ambulante Rehabilitation ins Portfolio der GmbH – „ein bunter Blumenstrauß“, sagt Winkelmann. Organisatorisch sei das Unternehmen diesen Entwicklungen nicht wirklich gefolgt, selbst Mitarbeiter hätten nicht genau gewusst, wie es um die Strukturen ihres Arbeitgebers bestellt ist: Unter dem Dach der Gesellschaft Gesundheits-Service-Siegen (GSS) war alles mögliche versammelt. Inklusive Verwechslungsgefahr mit der Siegener Gesellschaft für Stadtmarketing.

Nachher:

Sortenreine Konzernstrukturen.
Mitarbeitern und Patienten soll klar kommuniziert werden, wo sie sich befinden; einheitliche Versorgungspfade innerhalb des Unternehmens erleichtern die Orientierung: Die Mariengesellschaft umspannt sechs inhaltlich ausgerichtete Tochterbereiche (siehe Infobox). Das Krankenhaus mit seinen zehn Kliniken und Instituten sowie das Hospiz sind direkt bei der Mariengesellschaft angesiedelt, die anderen vier sind Tochtergesellschaften mit eigener Geschäftsführung.

Für die Mitarbeiter ändert sich nichts, die Arbeitsverhältnisse seien 1:1 transferiert worden, sagt Prokurist Hubert Berschauer von der Konzerngeschäftsführung. Im medizinischen Bereich gelte der Tarifvertrag, bei der Service-Gesellschaft biete man einen branchenüblichen Tarif an. Mitarbeitervertretungen sind ohnehin schon nicht nach Tochtergesellschaften, sondern nach Einrichtungen organisiert, hier ändere sich ebenfalls nichts. Mit Ausnahme der Farbgebung: Die Mitarbeiter von Marien Aktiv erhielten rote Berufsbekleidung, in Marien Pflege wurde grüne Kleidung ausgegeben. Die Rückmeldungen seien sehr positiv, sagt Hans-Jürgen Winkelmann.

Beim Werben um Fachkräfte, eines der heißesten Eisen nicht nur der Gesundheitsbranche, sei eine transparente Unternehmensstruktur von Vorteil, weil Mitarbeitern Entwicklungsmöglichkeiten aufgezeigt werden können: „Wenn ein ganzer Konzern hinter einer kleinen Einrichtung in Niederfischbach steht, bietet das Potenzial“, sagt Pressesprecher Dr. Christian Stoffers. Medizinern könne nach der Facharztausbildung eine Karriere im Krankenhaus oder als niedergelassener Arzt angeboten werden, sagt Berschauer. Und auch wenn sich die familiäre Situation ändere, böten sich etwa bei Ortswechseln Alternativen innerhalb des Unternehmens.

In Zukunft:

Wachstumsstrategie und Stärkung der Pflege.
21 Kassensitze in 15 Praxen gehören der Mariengesellschaft, Tendenz steigend. Mit dem Haus St. Anna in Netphen errichtet das Unternehmen das erste Wohnheim für Menschen mit Demenz in der Region, das Hospiz auf der Eremitage wurde kürzlich eröffnet. „Von der Prävention bis zur Sterbebegleitung bieten wir alles an“, sagt Winkelmann: „Andere nutzen solche Neustrukturierungen für Einsparungen, wir bringen unsere Wachstumsstrategie voran.“ Im Organigramm sind Leerstellen bei den Zentralreferaten und -bereichen ausdrücklich für künftige Entwicklungen vorgesehen.

Räumlich platze etwa das Albertus-Magnus-Zentrum aus allen Nähten. Reha, Physio und Prävention sollen auch baulich als Marien Aktiv zusammengezogen werden. Reserveflächen dazu gebe es noch auf dem Areal, sagt Winkelmann. Am Krankenhaus wird auf dem bisherigen Parkplatz (Nordstraße) der Intensiv-Bereich neu gebaut.

In der Pflege hat die Mariengesellschaft ein Stärkungspaket auf den Weg gebracht, seit Januar werde eine „erhebliche Summe“ pro Jahr dafür bereitgestellt: Für mehr Stellen, ein Mitarbeiterpool für Ausfälle oder Mehrbelastungen, Schulungen, familienfreundliche Arbeitsbedingungen.

Angesichts des leergefegten Arbeitsmarkts will das Unternehmen Pflegeschülern eine Perspektive bieten: „Wir haben noch nie so viele Schüler übernommen wie in diesem Jahr“, sagt Hubert Berschauer; erst kürzlich 20 auf einen Schlag. Für das Bildungsinstitut für Gesundheitsberufe am Wellersberg hat die Mariengesellschaft die 350 Ausbildungsplätze um 50 weitere aufgestockt. Angesichts zunehmender Akademisierung medizinischer Berufe und der Kooperation mit der Universität sieht die Geschäftsführung hier weitere Wachstumssektoren.

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