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Philharmonie stimmt sich auf Umzug nach Siegen ein

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Siegen/Hilchenbach.   Bei der Philharmonie werden die Weichen für den Wegzug aus Hilchenbach gestellt. Sparkassenchef Wilfried Groos ist neuer Vorsitzender der Stiftung

Der Auszug der Philharmonie Südwestfalen aus der Hilchenbacher Schützenhalle ist in Sicht. Im Herbst soll mit dem Neubau des Hauses der Musik in der Siegener Oranienstraße begonnen werden. Zwölf bis 14 Monate Bauzeit würden einen Einzug vielleicht sogar schon Ende 2019, sonst im Frühjahr 2020 ermöglichen. Das sagte Landrat Andreas Müller im Gespräch mit dieser Zeitung. So gut wie alle Entscheidungen dafür sind inzwischen gefällt.

Der Neubau

Die Ideen für ein „Haus der Musik“ in Siegen reichen einige Jahre zurück. Chefdirigent Charles Olivieri-Munroe, der sich für einen Umzug ins Oberzentrum stark gemacht hatte, verabschiedet sich nun schon wieder. Am Obergraben wird jetzt auch nicht das Domizil für das Landesorchester, sondern eine Mensa für den Uni-Campus Unteres Schloss gebaut. Standort der Philharmonie wird die Oranienstraße — Baupläne werden den Kreistag zu seiner Sitzung am 29. Juni vorgelegt. Teil des Baukörpers ist dann übrigens der Neubau für die Kita Oranienstraße. Würde der Altbau stehen bleiben, müsste zum Philharmonie-Bau ein Mindestabstand eingehalten werden. Und dafür reicht der Platz nicht.

5,5 Millionen Euro investiert die Stiftung Philharmonie Südwestfalen, die eigentlich nur zur Förderung des laufenden Orchesterbetriebs gegründet wurde und nun anstelle der Bürgerstiftung Siegen Bauherrin wird. Vier Millionen davon sollen Spender und Zustifter aufbringen; den Rest die Stiftung aus ihrem 10-Millionen-Euro-Stiftungsfonds. Größte Mäzenin der Philharmonie ist Barbara Lambrecht-Schadeberg.

Ende Mai haben Stiftung, Architekt und der ins Auge gefasste Generalübernehmer — ein Konsortium von drei Siegener Bauunternehmen — die Zustimmung des Philharmonie-Trägervereins eingeholt. Der nämlich wird als Nutzer und Mieter des Hauses der Musik auftreten. Für die Stiftung ist dieses Votum und die Kenntnisnahme durch den Kreistag Voraussetzung, um das Grundstück in der Oranienstraße zu kaufen und den Bauantrag zu stellen.

Der Chefdirigent

Die Philharmonie geht ohne neuen Chefdirigenten in die nächste und womöglich auch übernächste Spielzeit. In der letzten Maiwoche haben 27 Kandidaten Probedirigate in der Schützenhalle gehabt. Am heutigen Dienstag tagt die Findungskommission und wählt die drei Aspiranten aus, die sich Ende November in — natürlich öffentlichen — Konzerten mit der Philharmonie im Apollo vorstellen werden. Sollte der neue Mann oder die neue Frau zum Beginn der Spielzeit 2019/20 einsteigen, „müsste der oder die quasi dann schon frei sein“, gibt Landrat Müller zu bedenken. Möglicherweise ist mit dem Dienstantritt des neuen Chefs daher erst im Laufe der übernächsten Spielzeit zu rechnen – ess wäre übrigens die Nummer 11 seit der Gründung des Siegerland-Orchesters 1957,

Als „nicht ganz einfach“ stellt sich für den Landrat die Frage dar, wie präsent der neue Chefdirigent in Siegen sein soll — Charles Olivieri-Munroe amtierte eher wie ein freier Mitarbeiter für jeweils zehn Wochen im Jahr. „Die Meinungen gehen auseinander“, sagt Andreas Müller. „Es gibt den Wunsch nach ein bisschen mehr Repräsentanz in der Region.“ Andererseits stellen in der Regel die Veranstalter, die das Orchester buchen, selbst die Dirigenten: „Mehr als zehn bis zwölf Wochen können wir kaum bieten.“ Ganz auf einen musikalischen Leiter zu verzichten, ist für Müller keine Alternative: „Gastdirigenten wollen vor allem wieder gebucht werden.“ Die kontinuierliche Arbeit auch im Detail stehe da dann nicht im Vordergrund.

Personalien

Mit dem Übergang der Bauherren-Rolle an die Philharmonie-Stiftung waren Personalien verbunden: Anstelle von Sparkassendirektor Harald Peter führt nun Vorstandschef Wilfried Groos selbst die Stiftung. Der Kreis wird nicht mehr von Dezernentin Helge Klinkert vertreten, sondern von Thiemo Rosenthal, dem neuen Referenten für Brandschutz und Digitalisierung. Die Interessen von Barbara Lambrecht-Schadberg vertritt der Siegener Rechtsanwalt Dr. Florian Schnell.

Einen Wechsel gab es auch im Vorstand des Trägervereins. Helge Klinkert, die als geschäftsführendes Vorstandsmitglied im vorigen Jahr für den nun pensionierten Kulturreferenten Wolfgang Suttner nachgerückt ist, ist wieder draußen — sie bekleidete die Funktion auch vor Suttner, als das Orchester aus der missglückten „Ehe“ mit dem städtischen Orchester Hagen ­herauszuführen war. Neben Landrat Andreas Müller und dem Hilchenbacher Bürgermeister Holger Menzel führt nun Thiemo Rosenthal als Vorstand die Geschäfte des Trägervereins.

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