Stadtentwicklung

Plan für die Mitte: Buschhüttener ringen um Kompromiss

Die Stadt Kreuztal plant eine „Grüne Mitte Buschhütten“. Viele Buschhüttener plädieren in der Online-Bürgerbeteiligung für eine Lösung, die die Interessen des Sports stärker berücksichtigt.

Die Stadt Kreuztal plant eine „Grüne Mitte Buschhütten“. Viele Buschhüttener plädieren in der Online-Bürgerbeteiligung für eine Lösung, die die Interessen des Sports stärker berücksichtigt.

Foto: Stadt Kreuztal

Buschhütten.  „Grüne Mitte“ oder „Wohnen am Sportpark“: In der Online-Bürgerbeteiligung der Stadt Kreuztal gehen die Meinungen auseinander.

Ein Wohnviertel und ein Dorfplatz – das ist der Plan für die „Grüne Mitte Buschhütten“, die neben der Turn- und Festhalle und auf dem Sportplatz entstehen soll. Das nach einer ersten Bürgerbeteiligung überarbeitete Konzept hat die Stadt Kreuztal erneut zur Diskussion gestellt – erstmals, wegen Corona, online und nicht in einer Veranstaltung an Ort und Stelle.

Der Konflikt

In der Online-Diskussion spielt das Alternativkonzept „Wohnen am Sportpark“ eine Rolle, das der TV Germania Buschhütten vorgelegt hat. Der Verein schlägt vor, anstelle eines mit Grünfläche, Sitzstufen und Wasserspiel gestalteten Platzes einen etwa 3000 Quadratmeter großen multifunktionalen Dorfplatz anzulegen, der – wie bisher der Sportplatz – beim jährlichen Triathlon als Wechselbereich genutzt werden kann. Die Wohnbebauung sollte „ressourcenschonend“ verdichtet, der Hauptgebäudekomplex durch eine Tiefgarage verbunden sein.

Die Stimmen

Das „Wohnen am Sportpark“ sei die geeignetere Variante, meint eine Familie in ihrer Stellungnahme : „Sie gibt mehr Raum für ein generationengerechtes Zusammenleben und sichert einen über Jahre gewachsenen Sportbetrieb.“ Der Baustil der umliegenden Ein- und Zweifamilienhäuser sollte aufgegriffen werden, gesucht würden gerade „kleinere Eigenheime in Zentrumsnähe“. Begrüßt werde die Umnutzung des Wohntrakts der Turn- und Festhalle in ein Ärztehaus mit angeschlossener Apotheke.

„Wir können unterschiedliche Meinungen haben, aber die Gestaltung dieses Dorfplatzes darf uns Bürgerinnen und Bürger in Buschhütten nicht entzweien“, schreibt ein Bürger und fordert, die Online-Beteiligung fortzusetzen. „Alle haben Interessen, die es zu berücksichtigen gilt. Wenn das nicht geschieht, wäre der Sinn von ‘Soziale Integration im Quartier’ nicht verwirklicht worden“ – der Bürger spielt auf den Titel des Förderprogramms an, aus dem der Dorfplatz finanziert wird, der zusammen mit dem ebenfalls vorgesehen Kleinsportfeld und der Neugestaltung des Gießpfannenplatzes mit Kosten von 1,7 Millionen Euro veranschlagt ist.

Ein weiterer Bürger findet, dass die Planung nicht vom Triathlon abhängig gemacht werden sollte. Denkbar wäre auch eine andere Radfahrstrecke und eine Laufstrecke durch den Wald. „Es wäre ein trauriges Zeugnis, wenn behauptet wird, ohne den Triathlon wäre der Verein in starken Existenznöten. Wie schaffen das denn die anderen Turnvereine im Kreuztaler Raum?“

Die evangelische Kirchengemeinde Buschhütten mahnt, die Anzahl der Wohnungen „auf einem dauerhaft sozialverträglichen Niveau“ zu halten, und regt an, die Kita, die jetzt am Platzrand in Containern aufgestellt wird, auch dauerhaft an diesem Standort zu halten. Außerdem schlägt das Presbyterium ein Dorfcafé vor, das von einem künftigen Dorfverein betrieben werden könnte.

Mehr direkte Bürgerbeteiligung fordert ein Buschhüttener – damit das neue Viertel nicht als „Corona City“ im Stadtplan erscheint. Seine Kritik betrifft das Detail, zum Beispiel die zu den Bahngleisen ausgerichteten Balkon: Die Mieter werden sich bedanken.“ Und das Ganze: „Ich denke, dass viele Buschhütter lieber auf einen Zuschuss für ein teures Pflaster und ein hinderliches, unnatürliches Wasserbecken auf ihrem Dorfplatz verzichten würden, wenn sie dafür einen durchdachten, zukunftsfähigen, und nachhaltigen Ortsmittelpunkt bekämen.“

Die Annahme, der Sportplatz werde nicht mehr gebraucht, weist eine Bürgerin zurück: Dort fänden sich Läufer, kickende Jugendliche und Cricketspieler. Kinder lernten dort das Radfahren, ältere Menschen gingen spazieren. „Diese Menschen sind fast alle nicht organisiert, also unsichtbar“ – für die Stadtplaner, nimmt die Bürgerin an. In Frage zu stellen sei „die etwas romantische Vorstellung über den Wasserreichtum des Mattenbachs im Sommer“. Statt den geöffneten Bach über den Platz zu legen, solle er am Bahndamm bleiben. Dort störten das ausgetrocknete Bachbett und die Überschwemmungen nach Gewitterregen weniger.

Ein Buschhüttener ruft zum Kompromiss auf, Gebraucht werde sowohl eine Ortsmitte, die Wohnraum, Aufenthaltsqualität und Spielmöglichkeiten biete, als auch ein Gelände für Sport und Veranstaltungen: „Das Projekt bietet aus meiner Sicht großes Potenzial, um den Ort Buschhütten in allen Belangen nachhaltig aufzuwerten, es birgt aber gleichermaßen auch die Gefahr, vieles kaputt zu machen.“

Mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Siegerland gibt es hier.

Die Lokalredaktion Siegen ist auch bei Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben