KULTUR

Premiere des „Sommernachtstraums“ im Apollo-Theater gelingt

Die Theatergruppe tollMut führt im Apollo-Theater Shakespeares Komödienklassiker „Ein Sommernachtstraum“ auf.

Die Theatergruppe tollMut führt im Apollo-Theater Shakespeares Komödienklassiker „Ein Sommernachtstraum“ auf.

Foto: Wolfgang Leipold

Siegen.   Die Theatergruppe tollMut führt den Shakespeares Komödienklassiker „Ein Sommernachtstraum“ auf. Inklusive spektakulärem Bühnenbild und Diskokugel

Bisher haben die tollMut-Akteure ihre Theaterstücke an eher ungewöhnlichen Orten aufgeführt: Dem dee2 in Kaan-Marienborn, dem Weidenauer Vortex, im Casablanca oder dem ausgeräumten, ungeheizten Louisiana nahe dem Hauptbahnhof. Zum 10. Geburtstag gönnen sie sich einen „Kulturtempel“, das Apollo-Theater.

TollMut ist, wie die Kombination der Worte toll und Mut schon zeigt, eine freie Theatergruppe, die mit Formen experimentiert und bei jeder Produktion den Mut hat, neuen Theater-Infizierten das Mitmachen zu ermöglichen. Mit „Ein Sommernachtstraum“ haben sie sich einen scheinbar leichtfüßigen Theaterstoff vorgenommen, der aber nicht leicht zu inszenieren ist, da Shakespeare vier Handlungsstränge miteinander verknüpft und entsprechend viele Schauspieler gebraucht werden. Davon einen herauszuheben, verbietet sich. Alle sind toll, das Team ist der Star.

Die tollMut-Verantwortlichen haben die fünf Akte des Originals auf zwei Stunden Spielzeit gestrafft und kommen mit einem Bühnenbild aus. Doch das ist spektakulär: Eine riesige Erdkugel, die in zwei Teile zerbrochen ist. Alle Szenen werden durch kreative Lichteinfälle ins Bild gebracht. Besonders beeindruckend: Die Disco-Atmosphäre zu Beginn und am Schluss. Und erst die Kostüme! Bunt, teils etwas verrückt, mit witzigen Details, aber immer einfallsreich.

Hochzeiten und Liebeleien

Im alten Athen wollen Herzog Theseus und Hippolytha heiraten. Aber auch Lysander seine Geliebte Hermia. Das Ganze wird dadurch kompliziert, dass Hermia schon Demetrius versprochen ist.

Doch da ist noch Helena, Hermias burschikose Freundin, die Demetrius wirklich liebt und alles tut, um ihn für sich zu gewinnen. Ein Knäuel an Gefühlen, das dadurch noch verwirrender wird, dass Hermia Lysander auf Abstand hält, als sie auf einer Wiese übernachten: „Ein keusches Mädchen muss die Trennung loben.“ Helena wäre zu allem bereit: „Will denn keiner mit mir schlafen?“

Eine Zauberblume kommt ins Spiel und verändert Lysanders Gefühle zu Helena, was diese als Hohn empfindet. Plötzlich hat sie zwei Verehrer. Was Hofnarr Puck, hinreißend dynamisch gespielt von gleich zwei Schauspielerinnen, mit eigenwilliger Lyrik kommentiert: „Zwei Stück Mann und eine Frau: das wird eine gute Schau.“

Das Stück im Stück

Die vierte Handlungsebene bildet eine Handwerkergruppe, die bei Shakespeare die herzoglichen Hochzeitsvorbereitungen stemmen soll, aber sozusagen als Stück im Stück eine eigene Komödie vorbereitet. Der tolle Einfall von tollMut-Regisseur David Penndorf: Er verlegt diese Ebene in die Gegenwart und macht daraus einen Casting-Wahnsinn, der jedem Privatsender alle Ehre machen würde. Jeder will die Hauptrolle, aber keiner möchte den Text lernen. Schließlich bekommt „Zettel“, immerhin Gewinner bei der „Publikums-Abstimmung zur goldenen Nacktschnecke“ die Hauptrolle. Die völlig entnervte Regisseurin hatte wohl keine andere Wahl.

Eine andere Wahl hätte aber die Regie der Siegener Inszenierung gehabt: Denn es wird etwas zu viel geschrien, und so driftet das Bühnengeschehen manchmal leicht in Richtung Klamauk ab. Doch das nehmen die Zuschauer im fast vollen Theatersaal gerne in Kauf. Denn am Ende – „Der Sommernachtstraum“ ist schließlich eine Komödie – gibt es ein saftiges Happy End. Besser drei, denn neben der arrangierten herzoglichen Hochzeit bekommt Lysander seine Hermia und Helena sinkt in die Arme von Demetrius. Puck bringt auch dies frei nach Meister Shakespeare auf den Punkt: „Jeder Hengst kriegt seine Stute. Alles Gute.“

>>Weitere Spieltermine am Oberen Schloss

Die nächste Aufführung der Inszenierung „Ein Sommernachtstraum“ findet am Montag, 9. Juli, um 19 Uhr am Musikpavillon im Garten des Oberen Schlosses statt. Weitere Spieldaten sind der 17., 18., 19. und 21. Juli (jeweils um 19 Uhr).

Karten kosten 14 Euro (erm. 9 Euro) am Stand in der Haardter-Berg-Schule, an der AK oder unter tollmut-theater.de/ein-sommernachtstraum

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