Kunst

Premiere: Siegerlandmuseum stellt Rubens „Kreuzabnahme“ aus

Rubens „Kreuzabnahme“ für Herzogin Gonzaga: Bis zum Tod der Herzogin 1611 hängt das Gemälde in der Privatkapelle des Herzogspaares. Nun kann es im Rubens-Saal des Siegerlandmuseums von interessierten Besuchern betrachtet werden.

Rubens „Kreuzabnahme“ für Herzogin Gonzaga: Bis zum Tod der Herzogin 1611 hängt das Gemälde in der Privatkapelle des Herzogspaares. Nun kann es im Rubens-Saal des Siegerlandmuseums von interessierten Besuchern betrachtet werden.

Siegen.   Das geschichtsträchtige Ölgemälde in den Rubens-Saal des Siegerlandmuseums zu schaffen war eine Herausforderung. Darum hat sich die Mühe gelohnt:

Ein 203 mal 257 Zentimeter großes Ölgemälde und ein schmales Treppenhaus inklusive Rundbogen – eine komplizierte Kombination. Das durften die Verantwortlichen des Siegerlandmuseums einmal mehr erfahren.

„Es war ein richtiger Akt, das Gemälde in den Ausstellungsraum zu befördern“, fasst Museumsleiterin Prof. Ursula Blanchebarbe den Transport des Werkes „Kreuzabnahme“ von Peter Paul Rubens zusammen.

Millimeter-Arbeit

Mit Rahmen passte das Bild nicht durch den Museumseingang. Nachdem der sperrige und schwere Rahmen des mehr als 400 Jahre alten Kunstwerkes entfernt worden war, schafften die Mitarbeiter das Gemälde mit vereinten Kräften ins zweite Obergeschoss. „Da ging es um Millimeter. Es gab ein paar gequetschte Finger zu verzeichnen, aber es hat sich gelohnt“, so die Kunstexpertin.

Zusammen mit dem zuständigen Beigeordneten Arne Fries freut sich Ursula Blanchebarbe enorm, dieses Rubens-Werk erstmals der deutschen Öffentlichkeit präsentieren zu können. Die Leihgabe des Gemäldes ermöglicht das Kunsthaus Lempertz in Brüssel, das zu den größten international agierenden Kunstauktionshäusern Europas gehört.

Kopie? Ausgeschlossen

Vor einem Jahr kam das Kunsthaus auf Ursula Blanchebarbe zu und sicherte seine Unterstützung und die Genehmigung zu. Das Kunstwerk des in Siegen geborenen Malers wird für die nächsten drei Jahre den Rubens-Saal des Oberen Schlosses zieren. Begleitet wird die Leihgabe von einer Galerie-Ausstellung zum Thema „Kreuzabnahme“. Sie zeigt Kupferstiche nach Werken von Rubens, Rembrandt und van Dyck.

Reise nach Florenz der Anstoß

Neben interessierten Kunstliebhabern soll das Kunstwerk so auch der Forschung zu Verfügung stehen. „Da wird es sicherlich wieder den einen oder anderen Historiker geben, der vor dem Gemälde stehen und den Kopf schütteln wird. Aber die Fakten sprechen ganz eindeutig für die Originalität des Bildes“, erläutert Blanchebarbe.

Ausschlaggebendes Argument dafür sei die Tatsache, dass es keine Indizien für eine Vorzeichnung gebe. Dass es sich bei dem Kunstwerk also um eine Kopie handelt, sei nahezu ausgeschlossen.

„Kreuzabnahme“ Ausgangspunkt der Karriere

Wie Blanchebarbe lebhaft schildert, ebnete eine Reise, die Rubens 1600 von Antwerpen nach Florenz in Italien antrat, den Weg für das Werk, das später als Ausgangspunkt seiner großen Malerkarriere definiert werden sollte.

In Italien, das Land in dem Rubens’ älterer Bruder Philipp lebte, traf er auf den Herzog von Mantua, Vincenzo Gonzaga. Der Sekretär des Herzogs, Johann van der Neesen, fungierte als Vermittler für Peter Paul Rubens. Bereits die Eltern aus beiden Familien sollen befreundet gewesen sein.

Innerhalb weniger Tage wurde Peter Paul Rubens zum Hofmaler des Herzogs ernannt, was unter normalen Umständen sich oft erst nach Jahren für gelernte Maler ergab. Die Herzogin Eleonore Gonzaga wünschte sich ein Altarbild mit der Darstellung einer Kreuzabnahme. So wurde Rubens mit der Ausführung beauftragt.

Zwei Theorien zur Entstehung

Es ist bekannt, dass Rubens auf seiner Reise nach Italien diverse Gemälde mit im Reisegepäck hatte. Um wie viele und welche Motive es sich dabei handelte, ist unbekannt.

Nun gibt es Kunsthistoriker, die sich darauf berufen, dass Rubens vor Reiseantritt bereits einen Hinweis von van der Neesen bekam, so über die Pläne der Herzogin bereits im Bilde war und Rubens schon eine Kreuzabnahme vorbereitet hatte, die er in Italien lediglich etwas anpassen musste. Andere Experten berufen sich darauf, dass Rubens den Malprozess erst in Italien begann.

Ob vorbereitet oder nicht, es sollte nicht die letzte Kreuzabnahme des Malers sein. 1611 fertigte Rubens ein ähnliches Werk an, das heute in der Kathedrale von Antwerpen hängt.

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