Justiz

Prozess gegen Brandstifter: „Spuren führten vom Haus weg“

| Lesedauer: 3 Minuten
Am fünften Verhandlungstag vor dem Siegener Landgericht geht es um eine Brandstiftung im Garten der Mutter des Angeklagten.

Am fünften Verhandlungstag vor dem Siegener Landgericht geht es um eine Brandstiftung im Garten der Mutter des Angeklagten.

Foto: Coralie Soemer

Siegen/Neunkirchen.  Mann soll im Garten seiner Mutter Feuer gelegt haben. Er selbst sieht bei sich „psychotischen Wahn“, er könne die Realität oft nicht einschätzen.

Ein 25-jähriger Mann aus Neunkirchen muss sich wegen des Verdachts der mutwilligen Sachbeschädigung, Brandstiftung und Körperverletzung vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Siegen verantworten. Am fünften Verhandlungstag befragte Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach einen Sachverständigen, der bei zwei Brand-Delikten, die der Beschuldigte begangen haben soll, konsultiert wurde.

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Brandschäden im Garten der Mutter

Er begutachtete den Brandschaden vom Juni 2021 im Garten des Hauses der Mutter des Angeklagten. Dort schaute der Sachverständige sich die Brandstelle und die vorsätzlich gelegten Brandspuren an. „Die Spuren führten vom Haus weg, hin zu einigen Holzgartenmöbeln“, erklärt der Gutachter vor Gericht. Es seien schwarze Abfärbungen an den Möbelstücken erkennbar gewesen. Diese habe der Angeklagte in Benzin getränkt und angezündet.

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Im Juli 2021 war es zwar sehr trocken, aber die angrenzende Hecke sei etwa einen Meter von der Brandspur entfernt gewesen. Der Sachverständige kommt zu dem Schluss, dass das Feuer nicht geeignet gewesen wäre, das ganze Gebäude in Brand zu setzen. „Es gab keine Anzeichen für eine direkte Brandgefahr am Haus.“ Die Flüssigkeit, die für die ausgelegten Brandspuren verwendet wurde, sei nicht brauchbar, um einen intensiven Brand entstehen zu lassen, da diese relativ schnell abbrenne und die Flammen zügig kleiner werden, so der Gutachter. Ob, dass auch dem Beschuldigten bewusst war, während er den Brand legte, bleibt offen.

Feuermelder in Flammen

Außerdem wurde der Sachverständige wegen eines weiteren Brandschadens im Oktober 2021 eingeschaltet. Dabei handelte es sich um einen Brand in dem Zimmer eines Hotels, das zu der Zeit als Sozialwohnraum genutzt wurde. Der Angeklagte wird beschuldigt, mit Haarspray und einem Feuerzeug einen Feuermelder angezündet zu haben. Durch den Brand sei Schäden an der Decke und dem PVC-Bodenbelag gekommen. Alle weiteren Möbelstücke im Raum habe der Sachverständige unversehrt vorgefunden.

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Es sei nicht davon auszugehen, dass durch das Feuer das gesamte Hotel in Brand geraten konnte oder eine ähnliche Gefahr bestanden habe. Eine Ausbreitung sei durch die Zimmerdecke aus Beton und den PVC-Boden nicht möglich gewesen. „Es gibt keine Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Brandstiftung, um das ganze Hotel in Brand zu setzten, sondern um eine Sachbeschädigung des Feuermelders“, stellt der Gutachter fest.

Wirre Liebesbriefe

Seine Psychose, sagt der Angeklagte auf Nachfrage der Richterin, zeige sich darin, dass er sich verfolgt fühle und die Realität nicht immer richtig einschätzen könne. Er habe sich in seinem psychotischen Wahn eingebildet, dass eine Bekannte seine feste Freundin sei. Er schrieb ihr zusammenhanglose Liebesbriefe, ohne dass jemals eine Beziehung zwischen ihnen bestand. Der 25-Jährige räumte ein, dass ihm das nun sehr unangenehm sei und entschuldigte sich für sein unangebrachtes Verhalten.

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