Bergbau

Reinhold-Forster-Erbstolln in Siegen ist Denkmal des Monats

Hans-Joachim Maaß (oben links) führt regelmäßig Besuchergruppen durch den Reinhold-Forster-Erbstolln. Die Gewerkschaft Eisenzecher Zug möchte das Bergwerk weiter für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Hans-Joachim Maaß (oben links) führt regelmäßig Besuchergruppen durch den Reinhold-Forster-Erbstolln. Die Gewerkschaft Eisenzecher Zug möchte das Bergwerk weiter für die Öffentlichkeit zugänglich machen.

Foto: Hendrik Schulz

Eiserfeld.   Gewerkschaft Eisenzecher Zug möchte Besucherzentrum und Museum errichten – und das Bergwerk soll noch tiefer in den Berg hinein begehbar werden.

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Licht heißt Leben, gerade unter Tage. Licht spendet im Berg nur der Frosch, die kleine Öllampe der Kumpel. „Man verliert nach wenigen Minuten in absoluter Dunkelheit die Orientierung“, sagt Hans-Joachim Maaß, einer der Geschäftsführer der gemeinnützigen Gewerkschaft Eisenzecher Zug, die seit 2016 das Besucherbergwerk im Reinhold-Forster-Erbstolln betreibt. Dieser Stollen ist nicht nur der Zugang zu einem der größten und weitverzweigtesten Bergwerke NRWs – sondern auch Denkmal des Monats der Arbeitsgemeinschaft historische Stadtkerne. „Eine besondere Auszeichnung“, freut sich Stadtbaurat Henrik Schumann.

Maaß und seine Kollegen, die regelmäßig Besuchergruppen durch den Stollen führen, wollen die für das Siegerland so prägende Zeit der Montanindustrie – nicht Jahrhunderte, sondern Jahrtausende – und die harten Bedingungen unter Tage für die Nachwelt bewahren.

Es zieht im Berg, „Wetter“ sagen die Fachleute. Vier Kilometer weiter kommt der Stollengang in Rheinland-Pfalz wieder an die Oberfläche. Tür zu, dann wird es warm. Bis zu 35 Grad, tief in den Eingeweiden der Berge unter Eiserfeld. Der Erbstolln ist Teil der riesigen Verbundgrube Eisenzecher Zug. Wer sich hier verirrt... Die Kumpel nahmen zu Schichtbeginn Marken am Eingang mit. Wenn am Ende des Tages eine fehlte, hatte einer vergessen, sie zurückzulegen – dann gab’s Ärger – oder es ging ein Suchtrupp wieder rein, um den Vergessenen zu suchen. Zwölf Stunden dauerte die Schicht, sechs Tage die Woche.

1800 Meter tief ragt die eigentliche Grube in die Erde – „dreizehneinhalb Mal die Eiserfelder Talbrücke übereinander“, vergleicht Maaß. 38 Kilometer Stollen durchziehen die Berge um Eiserfeld und Eisern – nur ein Bruchteil davon ist als Besucherbergwerk betretbar. Aber das soll sich ändern: Die Gewerkschaft Eisernzecher Zug, die den Erbstolln vom Heimatverein Eiserfeld übernommen hat, plant, weitere Bereiche zugänglich zu machen. Außerdem soll ein Besucherzentrum mit Bergwerkmuseum entstehen. Damit wird der Stadtteil attraktiver.

1600 Stunden ehrenamtliche Arbeit investierten die Helfer des Eiserfelder Heimatvereins bis 1983 in Herrichtung, Restaurierung und Sicherung des Stollens. Bis heute erfährt das Projekt große Unterstützung von Behörden, Firmen und Privatleuten.


2 Funktionen hatte der Erbstolln: Er „erbte“ als Drainage das Wasser der Grube und ermöglichte es den Bergleuten, von unten an das Erz zu gelangen, das für seine Qualität bekannt war.

40 Jahre – älter wurde kaum ein Bergmann. Sie starben an Auszehrung, totaler Erschöpfung. „Als der Bergbau 1960 endete, hatten die Leute ein weinendes und ein lachendes Auge“, sagt Maaß. Fast jede Familie hatte dem Bergbau ihren Tribut zollen müssen.

13 Millionen Tonnen Eisenstein wurden zwischen 1805 und der Stilllegung 1902 aus dem Bergwerk geholt – geplant waren ursprünglich 3,5 Millionen. 196 Jahre sollte die Grube den Menschen Beschäftigung bieten, es wurden nur 97. Der höhere Ertrag wurde durch die Entwicklung neuer Sprengstoffe und Dampfmaschinen, später elektrischer Geräte möglich.

700 Kubikmeter Wasser rauschen pro Tag aus dem Stollen in die Sieg. Weite Teile der Hohlräume im Berg sind überflutet, 13 Millionen Kubikmeter Wasser. So viel wie in der Obernau.

3 Zentimeter am Tag schafften die Arbeiter, die den Stollen ab 1805 nur mit Hacke, Hammer und Meißel vortrieben.

17 Jahre war der Reinhold-Forster-Erbstolln Sprengstofflager, im Zweiten Weltkrieg Luftschutzbunker für die Bevölkerung

13 Tonnen Gestein – mindestens – brach jeder Kumpel täglich aus dem Fels, klaubte es auf, transportierte es per Lore, dem „Bergwerkshund“, raus. Im Mittelalter lastete das Gewicht des Gesteins auf den hölzernen Achsen und Rädern, die Grubenwagen quietschten und knurrten – wie Hunde.


500 Millionen Jahre und mehr sind Brachiopoden, Armfüßler, alt. „Große, muschelartige Seesterne“, erklärt Maaß. Die Krone auf dem prachtvollen, 1879 errichteten, denkmalgeschützten Stollenportal könnte ein solches Fossil darstellen: „Damals war hier ein warmes, flaches Meer“, so Maaß. Über Jahrmillionen bildeten die kalkhaltigen Tiere Sediment am Meeresgrund, der rutschte ab, die Erdkruste faltete sich auf, schob sich darüber, das Meer verdampfte – so entstanden die sogenannten „Siegener Schichten“. In den Hohlräumen des Bergmassivs sammelten sich mineralhaltige Flüssigkeiten – „so gelangte das Erz in die Erde.“

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