Kunst

Rundgang im Brauhaus: Studenten der Uni Siegen stellen aus

Weidenau.   Auf vier Etagen zeigen Kunststudenten beim „Rundgang“ eine Auswahl ihrer Arbeiten – aus den Bereichen Fotografie, Malerei, Plastik, Druckgrafik.

Auch draußen geht’s diesmal rund. „Großformat“ heißt das Fotoprojekt, bei dem Kunststudentinnen und -studenten im fußläufig erreichbaren Umfeld des Brauhauses Arbeiten auf sieben Plakatwänden zeigen. Der Rundgang – die jährliche Ausstellung studentischer Werke – strahlt ins Quartier aus und lenkt die Aufmerksamkeit so auf das, was im Brauhaus auf vier Ebenen zu sehen ist. Am Dienstag um 19 Uhr ist Eröffnung.

Ebene 0: Fotografie

„Photography changes“ ist der Titel der einer Gemeinschaftsarbeiten, die aus einem gleichnamigen Seminar heraus entstanden ist. Zu unterschiedlichen Fortführungen des Gedankens „Fotografie verändert . . .“ steuerten Studenten Fotos bei: von Orten („. . . wohin wir gehen“), von Menschen („. . . woran wir uns erinnern“), von Begehrtem („. . . was wir wollen“). Entstanden ist ein subjektives Sammelsurium, das dennoch wie aus einem Guss wirkt und sich selbstreflektiv mit der realitäts- und identitätsstiftenden Bedeutung der Fotografie für das menschliche Leben, Wahrnehmen, Denken und Fühlen auseinandersetzt.

Eine Serie von unterschiedlich verfremdeten Selbstporträts zeigt Aaron Krause. Grundlage ist ein schwarz-weißes Profilbild, das über neun Abzüge hinweg in unterschiedlicher Massivität durch farbige Bildstörungen überlagert wird bis zur völligen Unkenntlichkeit. Er kreuzt das serielle Popart-Moment mit der künstlerischen Nutzung eines für gewöhnlich unerwünschten technischen Störaspekts, der so zum beabsichtigen Stilmittel wird.

Ebene 1: Malerei

Die stilisierten Porträts in rostroten - und -braunen Tönen von Christine Altmann sind seltsam ausdruckslos; die Proportionen jeweils eine Idee verzerrt. Der Grund liegt in den Vorlagen, die aus einer Datei für Fahndungsfotos stammen und deren spezielle – zweckbestimmte – Anmutung – zu einer eigenen Bildästhetik werden lassen. Rekontextualisierung ist auch die Basis für Isabell Burtschells Schriftbild: Sie übertrug Einträge aus einem Skizzenbuch auf eine XXL-Leinwand. In diesem Vergrößerungsfaktor ist die Handschrift zwar noch zweifelsfrei als solche zu erkennen, aber nicht mehr zu entziffern. Bei Gizem Urhan verwischen die Grenzen zwischen den Gattungen – wie so oft im Brauhaus: Das mit grell-pinken Flecken bemalte, durchsichtige Gewebe hängt in den der Malerei vorbehaltenen Räumen, hat aber auch skulpturalen Charakter: wie eine knallbunte Wolke.

Ebene 2: Plastik

Eine „Muttermilchschokoladenmaschine“ hat Tobias Wurm konstruiert. Wer den Titel kennt, erkennt auch die Funktionalität der Anlage, bestehend aus einer Art Duschkabine (mit anatomisch geformten Saugaufsätzen), Behältern und einer kleinen Wanne, in der ein Schaufelrad flüssige Schokolade rührt. Es geht tatsächlich um „Muttermilch“, „Milchschokolade“ und eine „Schokoladenmaschine“ – diese einzelnen gängigen Wortkombinationen ergeben in Reihe geschaltet einen neuen Sinn und Zweck und die Vorlage für Wurms Konstruktion.

Ei

n einander eng umschlingendes Paar, das Gesicht eines Gorillas, einen kleinen Maki, Affenkiefer und eine menschliche Hand hat Sabrina Diehl modelliert, die kleinen Objekte auf einem flachen Tisch verteilt. Viele erinnern an Fundstücke aus der naturkundlichen Sammlung, im Gesamtarrangement wecken sie Assoziationen zur Evolution, entwerfen – obwohl sie zufällig abgelegt wirken – eine Geschichte von Verwandtschaften und Entwicklungslinien. Ein übergroßes, halb abgebranntes Streichholz, das am Rand aufgebaut alles andere überragt, steht wie das zentrale Statement da: das Symbol für den Moment, als der Mensch das Feuermachen entdeckte.

Ebene 3: Druckgrafik

Vertraut erscheinen die Balken und Linien auf den Drucken von Julia Effelsberg. Aus den vermeintlich abstrakten Mustern ergeben sich schlüssige Motive, sobald der Ausgangspunkt bekannt ist: Zeichnungen, die Effelsberg unter der HTS anfertigte und danach weiterverarbeitete. Klassische Linienführung und erhabene Gesichter einerseits, morbide verzerrte Fratzen andererseits – wie eine Mischung aus Hieronymus Bosch und düsterer Graphic Novel – setzt Lukas Schlüter in seinen Druckgrafiken ein: Ein Gewimmel aus Körpern, dämonischen Antlitzen und ausdrucksvollen menschlichen Zügen in Überlappung und Verschränkung.

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