Wald

Schwere Zeiten für Waldbesitzer in Siegen-Wittgenstein

Vor allem reinen Fichtenbeständen gibt der Forstamtsleiter keine Chance mehr: Nach Stürmen und Dürresommer werden die Borkenkäfer, die im Wald überwintert haben,  ihr Werk fortsetzen.

Vor allem reinen Fichtenbeständen gibt der Forstamtsleiter keine Chance mehr: Nach Stürmen und Dürresommer werden die Borkenkäfer, die im Wald überwintert haben, ihr Werk fortsetzen.

Foto: Michael Kleinrensin

Kaan-Marienborn.   Bei Holzvermarktung und Betreuung der Privatwälder bekommen die Forstämter Konkurrenz. Forstamtsleiter: Wald wird sich erneuern und verändern.

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Rund 300 Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer sind der Einladung des Regionalforstamts Siegen-Wittgenstein zur Winterversammlung in die Weißtalhalle gefolgt.

Die Käfer

Vorgeschichte: In seiner Begrüßung machte Forstdirektor Diethard Altrogge deutlich, welche schwierigen Bedingungen die Forstwirtschaft 2018 überstehen musste. Zum einen brach im Januar der Sturm Friederike über Nordrhein-Westfalen herein, sodass der Holzmarkt insgesamt unter einer schweren Last liegt. Nach dem Sturm kam der Jahrhundertsommer, der zusammen mit dem Sturmholz beste Voraussetzungen für eine Borkenkäfermassenvermehrung möglich machte. Beide Borkenkäferarten, Buchdrucker und Kupferstecher, konnten in 2018 drei Generationen und mehrere Geschwisterbruten anlegen.

Die Folge war das Absterben vieler Fichtenbestände, aber auch Lärche und Douglasie waren betroffen. Wie Forstdirektor Manfred Gertz später ausführte, war das Sturmholz im betreuten Privat- und Kommunalwald und im Staatswald durch gute Vertragsverhandlungen abgesichert, auch das Käferholz konnte sämtlich unter Vertrag genommen werden, allerdings mit stark fallenden Preisen. Aufgrund geringer Abfuhrkapazitäten liege vielerorts das Holz noch im Wald. „Wir sind mit den Waldbesitzern bemüht, es schnell an die Sägewerke abfließen zu lassen.“

Perspektive: Diethard Altrogge berichtete, dass nach den ersten warmen Frühlingstagen Jung- und auch Altkäfer, die in der Rinde befallener Fichten oder im Waldboden überwintert haben, bereits wieder schwärmen. Altrogge: „Die Käfer werden 2019 ihr Werk fortsetzen und die labilen Fichtenstandorte, vor allem die Reinbestände großflächig zerstören.“ Der Forstamtsleiter zog den Vergleich zur Trockenheit der 1960er Jahre, dem Waldsterben in den 70er und 80er Jahren, zu den Stürmen Vivien und Wiebke in den 90ern, Lothar 99 und Kyrill 2007, Ulmensterben und Eschensterben: All dies sei nicht in völligen Schreckensbildern geendet, Waldböden konnten stabilisiert, Technologien und Arbeitsweisen durch die Waldarbeit verbessert werden. Auch dieses Szenario werde überwunden — „mit neuen und vielfach auch anderen Wäldern für nachkommenden Generationen“.

Die Forstpolitik

Ministerialrat Ronald Daamen vom NRW-Umweltministerium sprach über zwei forstpolitische Entwicklungen, die das Bild der Einheitsforstverwaltung in Nordrhein-Westfalen „stark erschüttern“ werden.

Holzvermarktung: Zum einen werden die Forstämter aus kartellrechtlichen Entscheidungen heraus gezwungen, ab 2020 kein Holz mehr für den betreuten Privat- und Kommunalwald zu verkaufen. Waldbesitzer müssen ihre Holzvermarktung nun selbst organisieren.

Betreuung: Darüber hinaus wird sich auch die betreuende Forstorganisation aus dem Privat- und Kommunalwald in vielen Bereichen zurückziehen, weil die Waldbesitzer nun die Betreuungsarbeiten ausschreiben und neben den Förstern und Försterinnen des Forstamts auch andere am Markt tätige forstliche Unternehmer zulassen müssen. Das Land wird diese forstlichen Tätigkeiten mit Fördergeldern unterstützen. Weil sich das Antragsverfahren, aber dann auch die Umsetzung in den nächsten Jahren als hoch kompliziert und komplex darstellt, kam in Kaan-Marienborn große Proteststimmung bei den Waldbesitzern auf. Helmut Ahlborn und Klaus Münker erläuterten danach an Beispielen, wie die künftige Betreuung, deren Ausschreibung und die dann anschließende Vertragsgestaltung aussehen könnte. Hierfür haben Forstamt und Waldbesitzer noch bis Ende 2020 Zeit.

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