Mobilitätskonzept

Seilbahn-Vision des Siegener Landrats irritiert die Politik

| Lesedauer: 2 Minuten
Bahnhof Siegen: Wann hier der erste Intercity Station macht, steht längst noch nicht fest.

Bahnhof Siegen: Wann hier der erste Intercity Station macht, steht längst noch nicht fest.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen-Wittgenstein.   Verkehrspolitiker des Kreistags halten Radverkehr und Buslinien in der Stadtmitte für wichtiger. Kritik auch an Linienführung für Intercity.

Als „relativ traurig“ hat das fraktionslose Kreistagsmitglied Thomas Hartmann die Äußerungen von Landrat Andreas Müller zum Mobilitätskonzept des Kreises bezeichnet – besonders Müllers Vision von der Seilbahn als zusätzlichem Verkehrsmittel über der HTS stieß am Donnerstag im Verkehrsausschuss auf: „Demnächst reden wir noch über Schnellboote auf der Sieg von Betzdorf nach Siegen.“

Hartmann warf dem – abwesenden – Landrat vor, „klare Aufgaben“ zu vernachlässigen: das Radverkehrsnetz („verschleppen wir seit drei Jahren“) oder das Corporate Carsharing, an dem der Kreis IHK, AWO und weitere Nachbarn beteiligen könnte. Zudem müsse der Busverkehr in der Siegener Innenstadt ausgebaut werden, auch zu Lasten des Individualverkehrs. Hartmann, der erst vor kurzem die SPD verlassen hat, kritisierte außerdem das persönliche „Mobilitätsverhalten des Landrats, das in den letzten Jahren sehr zu wünschen übrig“ lasse. Ralf Knocke (Linke) schloss sich an: Vorrang müsse die Verbesserung des Bus-Nahverkehrs haben, der seit der Privatisierung der VWS „von Jahr zu Jahr schlechter“ geworden sei.

Padt für Dortmund statt Hagen

Andreas Müller hatte sich in einem Gespräch mit dieser Zeitung zur Umsetzung des Mobilitätskonzeptes geäußert und war dabei auch auf die Planungen für den Bahn-Verkehr eingegangen, die Ulrich Haas (SPD) als „sehr unausgegoren“ bezeichnete. Wenn alle zwei Stunden der Regionalexpress nach Hagen durch einen Intercity nach Dortmund ersetzt werde, würden Nahverkehrs-Fahrgästen höhere Fahrpreise drohen; außerdem gingen Anschlüsse an den Fernverkehr verloren.

Günter Padt, Geschäftsführer des Zweckverbandes Personennahverkehr (ZWS), sah das anders: Nahverkehrstickets sollen auch im IC gelten, der dafür mit öffentlichen Mitteln subventioniert wird. Dieser Nahverkehrsauftrag sei EU-weit ausgeschrieben. „Ob das kommt und wann, steht in den Sternen.“ Denn mit Klagen unterlegener Bieter sei zu rechnen: „Die scharren schon mit den Füßen.“ Padt verteidigte das Ziel Dortmund: Auch dort gebe es ICE-Anschlüsse. „Wir brauchen schnelle Verbindungen in die Zentren.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Siegen und Umland

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben