Hypnobirthing

Siegen: Hypnose ermöglicht eine sanfte und entspannte Geburt

| Lesedauer: 7 Minuten
Viele werdende Mütter haben Angst vor der Geburt ihres Kindes oder ihrer Kinder.

Viele werdende Mütter haben Angst vor der Geburt ihres Kindes oder ihrer Kinder.

Foto: wadham photography / Shutterstock / wadham photography

Siegen.  Janina Merzhäuser hilft Frauen in Siegen, eine entspannte Geburt zu erleben. Sie selbst erlebte die Geburt ihres Kindes schmerzfrei mit Hypnose.

Gerade bei der ersten Schwangerschaft haben viele Frauen Angst, wenn sie an die Geburt denken. Sie fürchten sich vor Schmerzen, wissen nicht, was sie erwartet. Haben mitunter vielleicht sogar Angst vor Gewalt im Kreißsaal. Janina Merzhäuser möchte ihnen diese Angst nehmen, ihnen eine sanfte und entspannte Geburt ermöglichen. Dabei greift sie auf das sogenannte Hypnobirthing zurück – auf die Selbsthypnose bei der Geburt. „Wenn man sich in einen tiefen Entspannungszustand begibt, kann man sanft gebären“, sagt die 32-jährige „Geburtsglück“-Gründerin.

Siegen: Das sind die Ängste der werdenden Mütter vor der Geburt

„Eine Geburt ist sowas Wunderschönes“, sagt Janina Merzhäuser. Aber nicht alle Frauen würden diesen Gedanken teilen: „Es gibt so viel Unverständnis, wie man sich darauf freuen kann“, sagt sie. Eine Geburt ist mit unglaublich viel Intimität verbunden, vermutlich gibt es keine intimiere Situation für eine Frau. „Die Mutter ist gefühlt schutzlos“, sagt Janina Merzhäuser.

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Vieles kann dort schnell als Grenzüberschreitung empfunden werden. „Das kann schon eine vaginale Untersuchung sein, die nicht genau abgesprochen ist“, so Janina Merzhäuser. Oder ein Dammschnitt, der ohne Absprache erfolgt. Die Spanne der Grenzüberschreitungen geht bis zur Gewalt im Kreißsaal: „Wenn sich jemand auf den Bauch schmeißt, damit es weitergeht“, so Janina Merzhäuser.

Siegen: Angst bei der Geburt – ein wichtiger Rat kann helfen

Sicherlich sind das Extreme. Aber wer sich mit dem Thema Geburt beschäftigt, wird auch diese Geschichten hören oder lesen. Janina Merzhäusers wohl wichtigster Rat ist daher, dass werdende Mütter genau wissen sollten, was sie wollen und was sie nicht wollen.

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„In meinen Kursen schreibe ich zusammen mit den Teilnehmerinnen eine Geburtswunschliste“, so Janina Merzhäuser. Mit dem Wissen komme es auch zu weniger schwierigen Situationen im Kreißsaal, meint sie. „Ich erlebe es sehr selten“, sagt Janina Merzhäuser, „dass meine Kundinnen davon berichten.“

Geburt in Siegen: „Jede Wehe ist eine Welle. Man muss mit jeder Welle gehen“

Was helfe, sei das Hypnobirthing. Marie Mongan aus den USA entwickelte das Konzept, berichtet Janina Merzhäuser. Langsam würde es auch in Europa immer bekannter. „Damit werden die Frauen in gewisser Weise unabhängig. Sie bleiben bei sich, sie brauchen von außen nicht so viel“, sagt die Wendenerin. Die Menschen hätten immer mehr verlernt, sich auf sich zu besinnen.

Tiefenentspannung und Achtsamkeit führten dazu, dass die werdende Mutter die Geburt als sanft erleben könne. „Jede Wehe ist eine Welle. Man muss mit jeder Welle gehen“, sagt Janina Merzhäuser. Das könne zu einem „wunderschönen, stärkenden Erleben führen“. Dennoch: Bei der Geburt müsse jede ihren eigenen Weg finden. „Die eine braucht zum Beispiel ihren Partner, die andere nicht. Da gibt es viele verschiedene Facetten.“ Es gehe darum, sich wohl zu fühlen, „den Geburtsraum in mir zu finden“.

Geburt: Diese Erfahrungen hat Janina Merzhäuser selbst gemacht

Janina Merzhäuser spricht aus Erfahrung. Bei der Geburt ihrer Tochter griff sie auf das Hypnobirthing zurück. „Ich erinnere mich gerne daran zurück. Es war ein toller Tag“, sagt sie. Dieses Gefühl soll auch bei den werdenden Müttern entstehen, die sie betreut: „Das ist die Motivation, die mich antreibt.“ Janina Merzhäuser setzt sich seit mehr als vier Jahren, kurz vor der Geburt ihrer Tochter, mit dem Hypnobirthing auseinander.

Auch sie habe bei der Geburt ein paar „Fehler gemacht“, noch nicht alle Hypnose-Schritte konnte sie während der Geburt abrufen. Deshalb ist es ihr ein besonderes Anliegen, die Kenntnisse bei ihren Kundinnen so zu verfestigen, dass sie gar nicht erst unsicher oder unruhig werden. Trotz der Fehler, wie sie sagt, konnte sie die Geburt ihres Kindes „schmerzfrei erleben“ – ohne Medikamente. „Es war ein unglaubliches Glücksgefühl. Am liebsten würde ich noch zehn Mal gebären“, sagt sie und lacht.

Siegen: „Geburt ist Loslassen in Reinkultur“

Schritt für Schritt bringt sie den Frauen in ihren Kursen die Tiefenentspannung bei. Sie lernen, bewusst loszulassen, mit Schmerzen umzugehen, den eigenen Körper wahrzunehmen, so Janina Merzhäuser. Ängste und Blockaden würden in Vertrauen umgewandelt, so würde auch Vorfreude auf die Geburt entstehen. Mit Hilfe von Visualisierungen würden die Frauen schon vor der Geburt ein konkretes Bild von der Geburt bekommen.

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„Geburt ist Loslassen in Reinkultur“, sagt Janina Merzhäuser. Sie versucht auch, ihren Kundinnen beizubringen, sich von dem „Leistungsgedanken“ freizumachen. Nur weil eine Frau es ohne Schmerzmittel schaffen würde, müsse es eine andere nicht genauso schaffen. Auch solle eine werdende Mutter dazu greifen, wenn sie feststelle, dass sie die Medikamente brauche, auch wenn sie es sich vorher vielleicht anders vorgenommen habe.

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Doch funktionieren diese Achtsamkeits- und Entspannungstechniken auch bei den nervösen, ungeduldigen oder eher zu Panik neigenden Gemütern? „Dann erst recht“, sagt Janina Merzhäuser. Diesen Frauen bringe sie bei, die Nervosität wahrzunehmen, „aber nicht als Störenfried“. Der Körper einer Frau helfe ihr bei der Geburt mit „ganz, ganz viel Hormonen“, ruhig zu bleiben. Sie möchte auch beim Verstand für Vertrauen in sich selbst sorgen. So ist im besten Fall auch der Nachwuchs entspannt, wenn er auf die Welt kommt.

Siegen: „Die Geburt kommt bei den Geburtsvorbereitungskursen oft zu kurz“

Ihre Hypnobirthing-Kurse bietet Janina Merzhäuser im Siegener und Olper Raum sowie in der näheren Umgebung an, in Corona-Zeiten vorwiegend online. Der Großteil ihrer Kundinnen kommt aus Siegen. Im Hypnobirthing-Achtsamkeits-Kurs gibt sie ihren Kundinnen in fünf Terminen Tipps für Atemübungen. „Wenn man die über eine längere Zeit wiederholt, fließen sie ins Körpergedächtnis über.“ Bei Übungsnachmittagen kann das Erlernte auch nochmal verfestigt werden. Ein Standard-Hypnobirthing-Kurs mit Praxisvormittagen kostet 325 Euro.

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Diese Kurse seien kein klassischer Geburtsvorbereitungskurs, es gehe dort zum Beispiel nicht um die Säuglingspflege oder das Stillen. „Die Geburt kommt bei den Geburtsvorbereitungskursen oft zu kurz“, sagt sie. Bei ihr dauert eine Kurseinheit zweieinhalb Stunden – „45 Minuten bis eine Stunde übe ich dann mit den Teilnehmerinnen die Entspannung“, sagt Janina Merzhäuser. So könne man sehen, was gut funktioniere und was nicht. Der schönste Fall sei natürlich, wenn die Frauen die Geburt dann schmerzfrei erleben könnten.

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