Kinderbetreuuung

Siegen braucht weitere neue 800 Kita-Plätze

Die letzte Neueröffnung: Am Ernstweg hat das DRK seine erste Kita im Stadtgebiet Siegen eröffnet — die „Weltenbummler“.

Foto: Jürgen Schade

Die letzte Neueröffnung: Am Ernstweg hat das DRK seine erste Kita im Stadtgebiet Siegen eröffnet — die „Weltenbummler“. Foto: Jürgen Schade

Siegen.   Verwaltung legt Plan für Neubauten vor. Mehr Kinder, mehr Betreuungsbedarf

Die neue Zahl heißt 800. So viele Betreuungsplätze in Kindertageseinrichtungen braucht die Stadt bis 2020 zusätzlich. Der Bedarf wächst rasant: Mit 3504 Plätzen in Kitas, zuzüglich 250 in Tagespflegestellen, hoffte das Jugendamt zu Beginn des Jahres auszukommen, als die Planung für das neue Kindergartenjahr eingestielt wurde. Schon im Jugendhilfeausschuss im Februar machte Fachbereichsleiter Dr. Raimund Jung klar, dass das eng würde. „Ganz schnell“ müsse nachgelegt werden.

Die Planung

Jetzt liegt das Programm vor, wann und wo die fehlenden Betreuungsplätze geschaffen werden: bis zu 65 noch für das im August beginnende Kindergartenjahr, insgesamt bis zu 570 bis 2020/21. „Für weitere 230 Plätze müssen noch Projekte entwickelt werden“, heißt es in der Vorlage, mit der sich der Jugendhilfeausschuss am Dienstag, 27. Juni, ab 17 Uhr im Geisweider Ratssaal befasst. Das sind die Pläne:
Langenholdinghausen: Großtagespflegstelle KITS im Dorfgemeinschaftshaus ab 1. August; für 2018 wird über einen dort angegliederten Wald- und Wiesenkindergarten verhandelt, als Träger ist die AWO im Gespräch.
Geisweid: Am Standort des evangelischen Kindergartens Schießberg wird über eine Erweiterung um bis zu 55 Plätze in drei Gruppen gesprochen, Ziel ist das Jahr 2018. Außerdem soll der Container bei der Waldstraße weiter genutzt werden, bis die Kita am Rüsterweg wieder geöffnet wird.
Weidenau: Dort ist das DRK-Zentrum (Henri-Dunant-Haus) Übergangsstandort für den Herrenfeld-Kindergarten, der neu gebaut wird. Danach, ab 2018, könnte dort eine neue Gruppe in DRK-Trägerschaft eingerichtet werden. Als Standort für einen neuen Zwei-Gruppen-Kindergarten fasst die Verwaltung einen Platz neben dem Hallenbad-Neubau ins Auge (2020). Den Trägerverein des Uni-Kindergartens in der Zinsenbach will die Stadt für eine Erweiterung um eine zweite Gruppe gewinnen (2019).
Siegen-Ost: Standort für einen neuen Drei-Gruppen-Kindergarten könnte an der Waldorfschule auf dem Giersberg sein; die Stadt verhandelt mit dem Schulträger — auch das wäre ein Projekt für 2019.
Siegen-West: Hinter dem ehemaligen Kreiswehrersatzamt ist ein Bauplatz, der sich für eine Drei-Gruppen-Kita eignen würde.Entscheiden ist darüber noch nicht. Vorbereitet wird das Projekt für 2020. Die ehemalige Hammerhütter Schule, die seit ihrem Umzug auf den Fischbacherberg leer steht, wird Vier-Gruppen-Kita; der Einzug ist für 2019 geplant. Ebenfalls im Plan ist eine Vier- bis Fünf-Gruppen-Anlage an der DRK-Kinderklinik, wo der Bau für das Bildungsinstitut für Pflegeberufe begonnen hat (2019).
Siegen-Süd: Für Eiserfeld wird ein weiterer Zwei-Gruppen-Kindergarten gebraucht; ein Standort wird in der Vorlage nicht genannt. Um zwei Gruppen erweitert sehen möchte die Stadt die evangelische Kita am Jung-Stilling-Krankenhaus; darüber verhandelt die Stadt mit dem Kirchenkreis (2018).

Die Ursachen

Der zusätzliche Bedarf kommt nicht überraschend: Schon bei der zum Jahresbeginn vorlegten Planung hatte das Jugendamt darauf aufmerksam gemacht, dass für die unter Dreijährigen nur noch eine Betreuungsquote von rund 41,3 Prozent erreicht wird — von der Stadt angestrebt sind 50 Prozent, was angesichts der steigenden Nachfrage als realistisch erscheint. Neben dem Interesse, Betreuungsangebote frühzeitig wahrzunehmen, wächst die Kinderzahl, zum einen durch Geburten, zum anderen durch Zuwanderung: 2486 Kinder von drei bis sechs Jahren, also im traditionellem Kindergartenalter, hatte die Verwaltung in ihrer am 16. Januar erstellten Vorlage berücksichtigt — für sie wäre der Rechtsanspruch auf Betreuung zu 100 Prozent erfüllt worden. Bereits zum 31. März waren 2523 Kinder dieser Altersgruppe in Siegen gemeldet.

>>> Info

Die Stadt will für die Investitionen Bundes- und Landesmittel in Anspruch nehmen. Für Neubauten, so die Vorlage, sei mit 20 000 Euro pro Platz zu rechnen – die Stadt wäre dann jeweils mit bis zu zehn Prozent dabei. Alternative ist ein Bau durch priate Investoren, die die Gebäude an die Träger vermieten.

Die zusätzlichen jährlichen Betriebskosten werden „mittelfristig“ auf acht Millionen Euro pro Jahr beziffert, von denen — je nach Verteilung auf Plätze für über und unter Dreijährige – mindestens die Hälfte auf die Stadt entfällt.

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