Gastronomie

Siegen: Cucina Catering ist „Top-Ausbildungsbetrieb“

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Von links: Lars Martin und Benjamin Güntzel halten die Urkunde für den „Top-Ausbildungsbetrieb“ in die Höhe, Carolin Eibach und Antonio Monte freuen sich mit ihnen über die Auszeichnung.

Von links: Lars Martin und Benjamin Güntzel halten die Urkunde für den „Top-Ausbildungsbetrieb“ in die Höhe, Carolin Eibach und Antonio Monte freuen sich mit ihnen über die Auszeichnung.

Foto: Ina Carolin Lisiewicz / WP

Siegen.  „Cucina Catering“ aus Siegen wurde nun als „Top-Ausbildungsbetrieb“ von der DEHOGA ausgezeichnet. Betrieb geht auf Arbeitnehmer-Wünsche ein.

Immer weniger Menschen wollen eine Ausbildung im Gastronomiebereich machen. Um potenzielle Lehrlinge von sich zu überzeugen, braucht es Überzeugungskraft. „Wir holen unsere Auszubildenden durch ein Praktikum an Bord“, berichtet Benjamin Güntzel, Betriebsleiter der „Cucina Catering GmbH“. Man sei als Arbeitgeber nur attraktiv, wenn man auch auf die Wünsche der eigenen Arbeitnehmer eingehe, unterstreicht Geschäftsführer Antonio Monte. Und das Konzept funktioniert bei Cucina – die Gesellschaft, die auch das Bistro „Max“ in der DRK-Kinderklinik betreibt, wurde jetzt als Top-Ausbildungsbetrieb vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Westfalen (Dehoga) ausgezeichnet.

Siegen: Qualitätssiegel „Top-Ausbildungsbetrieb“ für Cucina

Das Siegel „Top-Ausbildungsbetrieb“ erhalten Betriebe mit hohem Ausbildungsstandard. Sie verpflichten sich, zwölf Leitsätze einzuhalten, was durch unabhängige, anonyme Befragungen der Azubis bestätigt wird. Auch die Ausbilder werden befragt, erst wenn die Antworten eine „hohe Deckungsgleichheit“ aufweisen, bekommt ein Betrieb auch das Siegel, erläutert Lars Martin, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Dehoga Westfalen. Bei Betrieben mit bis zu drei Azubis erfolgt die Bestätigung durch mindestens einen davon.

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Ein Leitsatz ist etwa: „Wir sorgen für eine Balance von Arbeit und Privatleben.“ Auch der optimale Start in die Ausbildung soll durch eine „angemessene Orientierungsphase und Einarbeitungszeit“ ermöglicht werden. Die „Top-Ausbildungsbetriebe“ werden darüber hinaus mit Handlungsimpulsen der Dehoga unterstützt. Die Zertifizierung gilt zunächst für drei Jahre – bei Cucina bis 2024. Der Betrieb wurde bereits 2021 als „Top-Ausbildungsbetrieb“ ausgezeichnet, die offizielle Übergabe war coronabedingt erst jetzt.

Cucina in Siegen: „Hier muss man keine Angst haben, Fehler zu machen.“

„Hier muss man keine Angst haben, Fehler zu machen. Ich habe viele tolle Leute kennengelernt. Es ist ein angenehmes Arbeiten“, berichtet Carolin Eibach. In den 2000ern war sie eine der ersten Cucina-Auszubildenden – sie ist geblieben. Ein gutes Zeichen in der oft schnelllebigen Gastronomie, in der viele regelmäßig den Arbeitgeber wechseln.

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Auch mit zwei Kindern wollte Carolin Eibach im à-la-carte-Service arbeiten, berichtet Antonio Monte. Erst wenn man so etwas ermögliche, sei man als Arbeitgeber auch attraktiv. Auch wenn in der Gastronomie oft dann gearbeitet wird, wenn andere frei haben, müsse es möglich sein, dass auch ein Koch mal ein Wochenende frei hat, so Benjamin Güntzel. Die sogenannte Work-Life-Balance wollen eben auch immer mehr die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Gastronomie.

Siegen und Umland: „Corona war ein Beschleuniger beim Fachkräftemangel“

Trotz aller Bemühungen fehlt es dennoch im Hotel- und Gastgewerbe an Auszubildenden – das Qualitätssiegel „Top-Ausbildungsbetrieb“ soll nach außen zeigen, dass sich eine Lehre in einem Betrieb wie Cucina lohnt. Aber selbst als Betriebsleiter eines ausgezeichneten Unternehmens macht sich Benjamin Güntzel Sorgen, dass man den Bedarf nach Corona personalbedingt nicht decken könne. „Mir wird da Angst und Bange.“

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„Corona war ein Beschleuniger beim Fachkräftemangel“, sagt Lars Martin, diesen habe es auch vor der Krise gegeben. Früher habe er immer gesagt: „Wenn du einen sicheren Job willst, geh in die Gastronomie.“ Dann kam die Pandemie.

Doch auch in der Gastronomie seien die Jobs sicher, wenn es nicht gerade eine solche Ausnahmesituation gebe. Generell gebe es aber zu wenig Arbeitskräfte in Deutschland. „Wir brauchens seitens der Politik Unterstützung für einen geregelten Mitarbeiterzuzug.“ Hinzu komme die Akademisierung: „Man guckt fast schon verächtlich auf Kinder mit Realschulabschluss.“

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Dabei gebe es auch im Hotel- und Gastgewerbe tolle Berufe. „Als Koch steht einem die Welt offen“, berichtet Benjamin Güntzel. Und auch genügend Weiterbildungsmöglichkeiten wie etwa Diätassistenz oder Küchenmeister stünden seinen Leuten offen. Ein Job in der Gastronomie mache Spaß, sei zwar oft stressig, aber es sei „positiver Stress“. Dennoch sei die Branche „nicht für jeden was“, daher sei insbesondere ein Praktikum ein guter Einstieg, betont Lars Martin.

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