Schienenverkehr

Siegen hat Westfalens unpünktlichste Bahnlinien

Der Siegener Bahnhof bei Nacht. Dort wird nach dem Fahrplanwechsel im  Dezember ein bisschen mehr los sein — am Wochenende gibt es einen neuen Nachtzug in Richtung Köln.

Der Siegener Bahnhof bei Nacht. Dort wird nach dem Fahrplanwechsel im Dezember ein bisschen mehr los sein — am Wochenende gibt es einen neuen Nachtzug in Richtung Köln.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen-Wittgenstein.   Qualitätsberichte sehen Rothaarbahn und Rhein-Sieg-Express bei den westfalenweiten Schlusslichtern. Gute Noten für die Ruhr-Sieg-Züge

Wer stolz auf „seine“ Bahn sein will, muss nach Hagen fahren oder durchs Hellertal: Der Ruhr-Sieg-Express ist Westfalens pünktlichster Regionalexpress, und auch im Vergleich mit allen 27 nordrhein-westfälischen Regionalexpresslinien ist der RE 16 immerhin die Nummer 3. Bei den Regionalbahnen hält die Hellertalbahn von Betzdorf nach Dillenburg den landesweiten Spitzenplatz. Zu trauriger Berühmtheit am anderen Ende der Skala kommen der Rhein-Sieg-Express und die Rothaarbahn. Was die Fahrgäste teilweise seit Jahren nervt, ist in den in den letzten Wochen veröffentlichen Qualitätsberichten dokumentiert.

Der Rhein-Sieg-Express

Das Schlusslicht unter den Expresslinien: 73,6 Prozent Pünktlichkeit messen die Westfalen für ihren Teil der Strecke, 79,9 Prozent gelten für den ganzen Verlauf des Rhein-Sieg-Express zwischen Siegen und Aachen. „Überaus stabil und zuverlässig“ sei der rsx nämlich zwischen Köln und Aachen, stellt der Qualitätsbericht fest. Und registriert in Köln ein „optimales Erholungspotenzial für die Weiterfahrt in Richtung Siegtal“. Nicht für die Fahrgäste, sondern für den Fahrplan, weil der Zug dort planmäßig elf Minuten steht.

In Betzdorf ist das alles vorbei. Dort kommen nur noch 68 Prozent der Fahrten mit weniger als vier Minuten Verspätung an, sodass sie noch als „pünktlich“ gelten. Schuld sind wie immer die eingleisigen Abschnitte zwischen Blankenberg und Merten und zwischen Schladern und Rosbach. Neuerdings aber auch die Verlängerung der auf denselben Gleisen fahrenden S-Bahn-Linien. Und die Rothaarbahn, die ab Betzdorf vor dem rsx herzuckelt, wenn der verspätet ankommt – und ihn bis Siegen nicht mehr überholen lässt.

In der Gegenrichtung geht bis Au alles gut. Dann folgen Herchen und Hennef, wo die S-Bahn im selben Gleis wendet. In Köln kommen nur 67 Prozent aller RE-9-Züge pünktlich an.

Der RE 9 ist der unpünktlichste von 18 westfälischen Linien, von den 7 RE-Linien in ganz NRW sind sechs noch unzuverlässiger. Entsprechend ist das Urteil der Fahrgäste. Im Fach „Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit“ geben sie dem Rhein-Sieg-Express nur eine 3,4, was das Platzangebot angeht, eine 3,3 auf einer Schulnotenskala von 1 bis 5.

Die Rothaarbahn

Das Schlusslicht unter den Regionalbahnen: Die Umstellung der Linien ist für den Qualitätsbericht Hauptursache für den Absturz der einstigen Vorzeigelinie 93. Der Abschnitt Siegen-Au sei „besonders verspätungsanfällig“ – und weil die Sieg-Dill-Bahn dort eben nicht mehr fährt, sondern nur noch zwischen Siegen und Dillenburg, konnte die RB 95 ihren Wert auch gleich von 82,4 auf 94,9 Prozent verbessern. Mit 77,3 Prozent Pünktlichkeit hält die seit Ende 2015 bis Betzdorf verlängerte Rothaarbahn in Sachen Unzuverlässigkeit den zweiten Platz von 35 Linien in Westfalen und den dritten von 56 Linien in ganz NRW.

Die anderen Ursachen: Personalmangel bei der Hessischen Landesbahn, Baustellen und „infrastrukturelle Mängel“. Zwischen Ferndorf und Dahlbruch muss der Zug auf Weisung des Eisenbahnbundesamtes auf 200 Metern auf 40 km/h herunterbremsen, bis dort ein Bahnübergang erneuert worden ist. „Keine kurzfristige Beseitigung möglich“, steht in der Tabelle des Qualitätsberichts. Weil auf der eingleisigen Strecke Züge nur in Hilchenbach und Erndtebrück kreuzen können – die Kreuzungsmöglichkeiten in Lützel, Dahlbruch und Ferndorf wurden aufgegeben – , „können Verspätungen nicht aufgefangen werden und schaukeln sich hoch“.
Im Westfalen-Bericht wird als neues Sorgenkind auch die RB 94 (Erndtebrück-Marburg) erwähnt: Die Bahnen brauchen länger, weil sie voller sind. Fast kein Bedarfshalt kann ausgelassen werden, das Ein- und Aussteigen der vielen Fahrgäste, vor allem Schüler, dauert länger, als es der Fahrplan vorsieht.

Rudersdorf bekommt sonntags wieder Anschluss

Rudersdorf bekommt sonntags wieder einen Zuganschluss. Vom nächsten Fahrplanwechsel an wird die RB 95 auch an Sonntagen zwischen Siegen und Dillenburg fahren. Das hat die Verbandsversammlung des Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) beschlossen. Seit 2015 wurden die Züge nicht mehr eingesetzt, weil der Nachbar-Verkehrsverbund RMV auf seinem – hessischen – Gebiet kein Interesse daran hatte und die Fahrten nicht bezahlen wollte. Auch einen neuen Frühzug, montags bis freitags 7.02 Uhr ab Siegen, wird es geben. Wilnsdorfs CDU-Fraktionschef Stephan Hoffmann und der Rudersdorfer Ortsvorsteher Jochen Brenner freuen sich: „Unermüdlicher Einsatz“, der in einer Protestdemonstration von rund 300 Menschen am Rudersdorfer Bahnhof gipfelte, habe sich ausgezahlt.

Eine neue Spätverbindung gibt es ab Dezember auf der Siegstrecke an Wochenenden: In den Nächten auf Samstag und Sonntag fährt ein zusätzlicher Zug von Au nach Siegen, der die S 19 abwartet, die um 1.41 Uhr in Köln startet. In der Gegenrichtung geht es um 1.50 von Siegen nach Au, wiederum mit S-Bahn-Anschluss nach Köln. Die RB 90 um 23.11 Uhr ab Siegen nach Au fährt künftig auch sonntags.

>>> Info

Noten für die Bahnstationen: Als „akzeptabel“ und damit in den grünen Bereich eingestuft werden die Haltepunkte Littfeld, Eichen und Geisweid, mit einem gelben „noch akzeptabel“ schneiden Weidenau, Eiserfeld und der gerade erst modernisierte Kreuztaler Bahnhof ab.

„Grün“ gibt es auf der Rothaarbahn für Ferndorf, Kredenbach und Vormwald sowie auf der Hellertalbahn für Wahlbach, Burbach und Würgendorf. Mit einem „Rot“ für „nicht akzeptabel“ werden auf der Karte die Stationen Dahlbruch, Keppel, Bad Berleburg und Holzhausen versehen.

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