Arbeitskampf

Siegen: IG Metall-Warnstreik bei Deutschen Edelstahlwerken

500 Beschäftigte, die komplette Schicht, legen die Arbeit nieder, um ihre Forderungen in der Tarifauseinandersetzung zu bekräftigen.

500 Beschäftigte, die komplette Schicht, legen die Arbeit nieder, um ihre Forderungen in der Tarifauseinandersetzung zu bekräftigen.

Foto: Hendrik Schulz

Geisweid.   500 Beschäftigte legen in Geisweid die Arbeit nieder. Die Gewerkschaft kündigt härtere Gangart an, sollte sich die Arbeitgeberseite nicht bewegen

Die IG Metall hat angekündigt, den Arbeitskampf zu verschärfen, sollte sich die Arbeitgeberseite in der aktuellen Tarifauseinandersetzung nicht bewegen. Um ihre Forderungen – 6 Prozent mehr Lohn, Urlaubsgeld-Plus von 1800 Euro respektive Umwandlung in zusätzliche Freizeit – vor der nächsten Verhandlungsrunde am Montag, 18. Februar, zu bekräftigen, legten an Dienstag, 12. Februar, die Beschäftigten der Deutschen Edelstahlwerke (DEW) in Geisweid für einen einstündigen Warnstreik um 10 Uhr die Arbeit nieder.

Bereits eine Stunde zuvor, ab 9 Uhr, hatte die Arbeiterschaft begonnen, die Maschinen leerzuziehen, damit kein materieller Schaden entsteht. „Das Werk stand mehr als zwei Stunden still“, sagte Andree Jorgella, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Siegen.

„Entweder es läuft schlecht, dann kann es nicht mehr Geld geben. Wenn es besser läuft, sind die Erwartungen an die Zukunft schlecht und es kann deshalb nicht mehr Geld geben.“ Bevollmächtigter Andree Jorgella kritisierte die grundsätzliche Weigerungshaltung der Arbeitgeber, die Belegschaften am wirtschaftlichen Erfolg ihrer Unternehmen zu beteiligen. „Wir haben Jahre hinter uns, in denen die Stahlpreise im Keller waren – aber sie haben sich erholt“, so der Gewerkschaftsmann. Heute seien die Anlagen zu 90 Prozent ausgelastet. „Wir haben alles gegeben und gezeigt, dass Stahl in Deutschland und Europa möglich ist. Jetzt wird Geld verdient, jetzt wollen wir davon auch was abhaben.“ Denn die Belegschaften seien die, die „täglich ihre Knochen hinhalten. Dafür habt Ihr es verdient, dass Ihr vernünftig beteiligt werdet.“ Jahrelang seien Überkapazitäten über Leiharbeit aufgefangen, Menschen keine beruflichen Perspektiven geboten worden. Es sei an der Zeit, Auszubildende zu übernehmen und Leiharbeiter fest einzustellen.

„Wer sagt, dass Warnstreiks das Mittel sind. Vielleicht wechseln wir die Taktik. Vielleicht gibt es Warnstreiks, vielleicht unangekündigt, vielleicht größere Streiks.“ In der Tarifauseinandersetzung in der Metall- und Elektroindustrie seien Betriebe 24 Stunden lahmgelegt worden, erinnerte Jorgella – „das könnt Ihr auch hinbekommen.“ Wenn die Arbeitgeber ihre „arrogante Haltung“ beibehielten, könne man auch gleich in die Urabstimmung gehen. „Wir können auch länger als 24 Stunden streiken.“ Die bisherigen Gespräche seien äußerst unproduktiv geführt worden, „wenn sie das fortführen, werden sie ein deutliches Zeichen bekommen.“

„So eine Blockadehaltung habe ich in 30 Jahren als Stahlarbeiter noch nicht kennengelernt.“ Auch Betriebsratsvorsitzender Michael Treske zeigte sich empört über die Haltung der Arbeitgeberseite: „Hört endlich auf mit nichts hören, nichts sehen, nicht sprechen“, rief er. Andernfalls werde man hier am Standort weitere Schritte einleiten, um den Forderungen der Gewerkschaft „mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln“ Nachdruck zu verleihen.

„Heute sind wir noch im Warnstreik – morgen kann das schon viel, viel mehr sein.“ Vertrauensmann Jürgen Mockenhaupt, seit mehr als 30 Jahren am Standort Siegen beschäftigt sagt, dass man heute ein Zeichen setzen wolle: „Auch wir im Siegerland können den Laden lahmlegen.“

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