Erinnerungskultur

Siegen: Neue Gedenktafel soll an zerstörte Synagoge erinnern

Die derzeitige Tafel zur Erinnerung an die Zerstörung der Siegener Synagoge stammt aus dem Jahr 1964. Der Text ist entsprechend moderat formuliert: Die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen war damals noch nicht sonderlich weit.

Die derzeitige Tafel zur Erinnerung an die Zerstörung der Siegener Synagoge stammt aus dem Jahr 1964. Der Text ist entsprechend moderat formuliert: Die Aufarbeitung der Nazi-Verbrechen war damals noch nicht sonderlich weit.

Foto: Jens Plaum

Siegen.  Das Hinweisschild auf die zerstörte Siegener Synagoge am Obergraben wird ausgetauscht. Der künftige Text wird deutlich präziser formuliert sein.

Der Text für die neue Gedenktafel zur Erinnerung an die Zerstörung der Siegener Synagoge wird präzisiert. Der Kulturausschuss stimmte einem entsprechenden Verwaltungsvorschlag zu. Der erste Teil bleibt dabei identisch: „Hier stand seit 1904 die Synagoge der jüdischen Gemeinde Siegen.“ Statt „Die Zerstörung der Gotteshäuser am 9. und 10. November 1938 war der Auftakt zu den ungeheuerlichen Verbrechen der Nationalsozialisten“ soll es nun aber heißen „… war der Auftakt zur systematischen Vernichtung der jüdischen Bevölkerung durch die Nationalsozialisten“.

An Siegener Synagoge in präzisen Worten erinnern

„Dieser Text ist aus meiner Sicht viel passender“, sagte Traute Fries (SPD), Ausschussvorsitzende und Vorstandsmitglied des Aktiven Museums Südwestfalen (AMS). Der Verein hatte den Austausch der vorhandenen, 1964 angebrachten Tafel angeregt und sich dabei auf die Initiative eines Bürgers berufen. Der derzeitige Text „Hier stand seit 1904 die Synagoge der jüdischen Gemeinde Siegen. In Zeiten politischer Willkür zerstört am 10.11.1938“ sei schon in der Vergangenheit kritisiert worden, wie Traute Fries erläuterte: „Bereits vor 20 Jahren hat sich ein Bürger an die Stadt gewandt und moniert, dass dieser Text der Sache nicht gerecht wird.“

Zeitgeist der 1960er Jahre

Die verharmlosende Formulierung „in Zeiten politischer Willkür zerstört“ spiegele den Zeitgeist der 1960er Jahre wider, als die Aufarbeitung der Verbrechen des Naziregimes noch „zaghaft“ voranging, wie die Verwaltung mit Verweis auf die Argumente des AMS in der Vorlage schreibt. Frühere Vorstöße zu einem Austausch der Tafel seien erfolglos gewesen. Nach Genehmigung des Haushalts 2020 stehen die Mittel für die neue Version zur Verfügung, die dann zeitnah angebracht werden soll.

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