Gericht

Siegen: Opfer der Chatroom-Vergewaltigung sagt aus

Zum zweiten Mal verhandelt das Landgericht Siegen gegen den wegen Vergewaltigung verurteilten Täter. Gegenstand der Revision ist die verhängte Sicherungsverwahrung.

Zum zweiten Mal verhandelt das Landgericht Siegen gegen den wegen Vergewaltigung verurteilten Täter. Gegenstand der Revision ist die verhängte Sicherungsverwahrung.

Foto: Roland Vossel / WP

Siegen.  Unter Ausschluss der Öffentlichkeit tritt die 16-Jährige in den Zeugenstand. Auch der angeklagte Täter darf nicht im Saal bleiben.

Am zweiten Verhandlungstag im Verfahren um virtuelle Vergewaltigungen vor der 1. Großen Strafkammer ist am Donnerstag das Opfer vernommen worden. Der Prozess war in der Revision vom Bundesgerichtshof an das Landgericht Siegen zurückverwiesen worden.

Opfer hat den Täter nie gesehen

„Der Angeklagte hat gestanden. Es geht nicht mehr um den Tatnachweis“, stellt die Vorsitzende Richterin Elfriede Dreisbach fest, bevor sie die Öffentlichkeit für die Anhörung des Mädchens (16) und ihrer Mutter ausschließt. Auch der Angeklagte selbst soll während der Befragung nicht im Saal bleiben. Er war wegen vierfacher Vergewaltigung und Verbreitung von Jugendpornographie zu fünf Jahren und drei Monaten Haft und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Seinem Opfer hat er sich mit verschiedenen Identitäten in einem Online-Chatroom genähert.

Die Geschädigte habe ihn noch nie persönlich gesehen, die Begegnung könne problematische Folgen haben, fürchtet der Anwalt der Familie. Er habe vor der Verhandlung mit den Zeuginnen sprechen können. Das Mädchen „hat kein Wort gesagt, nur geweint“. Die beisitzende Richterin Bettina Scholtis bestätigt diesen Eindruck. Auch sie hat ein kurzes Gespräch geführt, „nur die Mutter hat Guten Morgen gesagt“. Die Geschädigte hingegen „hat nichts gesagt und sich von mir weggedreht.“

Urteil am 13. November

Überlegungen, die Mutter als Beistand bei der Aussage des Mädchens zuzulassen, tritt der Verteidiger entgegen: „Da wehre ich mich gegen. Bei den ersten Vernehmungen sei von den Beamten vermerkt worden, dass die Mutter die Zeugin sehr beeinflusst habe und dass deren Befragung problemlos gelaufen sei, solange sie allein war. Die Zeugin habe ein Recht darauf, eine Vertrauensperson mitzubringen, widerspricht die Vorsitzende

Entscheidend für die Höhe des Urteils wird nun vor allem das Gutachten von Psychiater Dr. Michael Mattes sein, dessen Verkündung für den 13. November vorgesehen ist.

Mehr Nachrichten, Fotos und Videos aus dem Siegerland gibt es hier.

Die Lokalredaktion Siegen ist auch bei Facebook.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben