Gesundheitspersonal

Siegen: Pflege fordert mehr Geld – „Klatschen keine Währung“

„Horrorschwester“ Jasmina Dinter ist selbst Krankenschwester, die in ihrer Rolle die Misere in der Pflege unverblümt thematisiert.

„Horrorschwester“ Jasmina Dinter ist selbst Krankenschwester, die in ihrer Rolle die Misere in der Pflege unverblümt thematisiert.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.  Warnstreik und Kampagne: Siegen-Wittgensteiner Pflegekräfte fordern in Tarifauseinandersetzung mehr Personal, mehr Geld, weniger Dokumentation

Die Situation der Pflege rückt wieder in den Fokus. Während am Mittwoch, 30. September, die Gesundheitsminister tagen wird am Weidenauer Kreisklinikum für zwei Stunden die Arbeit niedergelegt. Der Kreisverband der Linken macht derweil auf der Bahnhofstraße mit ungewöhnlichen Mitteln auf die Kampagne „Pflegenotstand stoppen“ aufmerksam, um Druck auf die Politik aufzubauen.

Warnstreik am Siegener Kreisklinikum mit 115 Beschäftigten

115 Beschäftigte sind nach Angaben von Verdi-Bezirksgeschäftsführer Jürgen Weiskirch dem Aufruf gefolgt. Man sei mit der Krankenhausleitung übereingekommen, dass die Arbeit für zwei Stunden niedergelegt wird, so der Gewerkschafter – an anderen Stellen habe der Ausstand den ganzen Tag gedauert. Das hätte auch für das Kreisklinikum erheblichen Aufwand etwa bei der Besetzung von Notdiensten bedeutet.

Einer ganzen Reihe von Forderungen wollten die Beschäftigten Nachdruck verleihen: Die Durchbezahlung der Pausen im Wechseldienst etwa, Arbeitszeiterfassung – laut Weiskirch ein „riesiges Brimborium“, das die Kliniken auch anerkennen würden – oder die Corona-Zulage. Ingo Fölsing, Geschäftsführer des Kreisklinikums, hatte beim Streik sprechen wollen, war aber terminlich verhindert, so Weiskirch. Fölsing habe zum Ausdruck gebracht, dass finanzielle Wertschätzung sein müsse, „Klatschen ist keine Währung“, formuliert der Gewerkschafter. Gleichzeitig herrsche in Siegen eine angespannte Wettbewerbssituation. Während für das Kreisklinikum der Tarifvertrag des Öffentlichen Diensts gilt, gibt es an den anderen drei Kliniken daran angelehnte, aber eben doch nicht identische Tarife. Wird das Kreisklinikum bestreikt, entstehe ihm in der komplizierten Siegener Krankenhauslandschaft ein Nachteil.

Siegener Linke trommeln für Kampagne „Pflegenotstand stoppen“

„Horrorschwester“ Jasmina Dinter nimmt kein Blatt vor den Mund: Unverhohlen schmettert sie Passanten auf der Bahnhofstraße Episoden aus dem Pflegealltag entgegen. Dinter ist Krankenschwester und Laienschauspielerin; sie hat ein Stück über die Situation in der Pflege geschrieben, aus dem die Figur der entstellten Oberschwester entnommen ist. Die aufgeschminkten Brandwunden sollen den Burnout verdeutlichen, unter dem viele Pflegekräfte leiden. Die Selmerin reist durch die Region und unterstützt Parteien und Initiativen dabei, das Thema in den Fokus zu rücken.

„Mit Statistiken können die meisten Menschen nicht viel anfangen“, sagt Katrin Fey, Linke-Kreisverband und auch im Gesundheitswesen tätig. Es gelte, Missstände sichtbar zu machen – und die Horrorschwester ist unüberseh- und unüberhörbar. Die Genossen unterstützen die Kampagne der Bundespartei „Pflegenotstand stoppen“: 60.000 Unterschriften sollen an den NRW-Landtag übergeben werden, für mehr Personal, einen gesetzlichen Personalschlüssel, mehr Lohn und Krankenhausfinanzierung nach Bedarf. Medizinische Dienste entschieden vom Schreibtisch aus über Pflegemaßnahmen, ohne Menschen oder Zustände vor Ort zu kennen, Arbeitsstellen hingen ab von der Dokumentation in der Pflege, sagt Katrin Fey. „Das ist beängstigend.“

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