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Siegen: Projekt „Navi“ hilft bei Zweifel am Studium

Projekt „Navi“ hilft Studienzweiflern: Philipp Schmidt, Klaus Fenster, Fabian Bräutigam, Simone Stuhrmann und Andreas Müller (von links) sind von den Ergebnissen überzeugt.

Projekt „Navi“ hilft Studienzweiflern: Philipp Schmidt, Klaus Fenster, Fabian Bräutigam, Simone Stuhrmann und Andreas Müller (von links) sind von den Ergebnissen überzeugt.

Foto: Nicolas StangE

Siegen.  Das Projekt „Navi“ in Siegen berät Studierende, die an ihrem Studium zweifeln – und will damit auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken.

Falsches Fach, hoher Leistungsdruck oder zu viel Theorie – das können Gründe sein, warum junge Menschen an ihrem Studium zweifeln oder es schließlich sogar abbrechen. Eine Anlaufstelle für Studienzweifler aus dem Siegerland ist die vor rund fünf Jahren gegründete Beratungsstelle „Navi“.

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Rund 780 Betroffene haben das Netzwerk seit der Einführung um eine Beratung angefragt. „Viele kamen aus den Studiengängen Lehramt, Betriebswirtschaftslehre und Elektrotechnik“, erläutert Simone Stuhrmann, von der Agentur für Arbeit. Hier ist die unabhängige Stelle angesiedelt. In Kooperation mit der Uni Siegen und anderen regionalen Partnern, will das Projekt Studierende bei der weiteren beruflichen Lebensplanung unterstützen. Das sei nicht immer ein Abbruch des Studiums, sagt Philipp Schmidt vom Studierendenservice der Uni. „Wir beraten individuell und ergebnisoffen.“

Studienzweifel kein Tabu-Thema mehr

Nach Angaben von „Navi“ haben sich rund die Hälfte der Studienzweifler nach den Beratungsgesprächen für eine berufliche Ausbildung wie Kaufmann, Fachinformatiker und Mechatroniker entschieden. Ein Drittel hielt an einem Studium fest, indem sie es fortgesetzt, den Studiengang oder die Hochschule gewechselt haben. „Mit dem Projekt haben wir das Thema Studienzweifel zunehmend enttabuisiert“, berichtet Stuhrmann. Außerdem erreiche man die Betroffenen nun in allen Phasen der Studiendauer: Langzeitstudierende im 20. Semester und höher sollen damit bald der Vergangenheit angehören. Zahlen über Studierende, die ihr Studium ohne Beratung abbrechen, liegen der Agentur für Arbeit nicht vor. Und Menschen, die sich eigenständig eine Ausbildung suchen, erfasst die Stelle auch nicht. „Die Zahlen sind nur eine Tendenz und bilden nicht alles ab“, erklärt Stuhrmann.

Industrie sucht Fachkräfte

Doch auch in dem Gemeinschaftsprojekt können die unterschiedlichen Interessen der Partner unweigerlich aufeinandertreffen. Wegen des Fachkräftemangels interessieren sich Industrie- und Handelskammer sowie die Handwerkskammer verstärkt für Studienabbrecher. „Betriebe schätzen die Erfahrung und Reife der Abbrecher“, berichtet Klaus Fenster, Geschäftsführer bei der IHK Siegen. Er mache die Erfahrung, dass wenn sich ein Studienabbrecher für eine Ausbildung entschieden habe, beende er diese auch nach den drei Jahren. „Gerade für Interessierte aus der IT-Branche ist ein Studium vielleicht zu abstrakt“, sagt Fenster. Zudem würden viele Betriebe weitere Zusatzqualifikationen anbieten, die über den Kernbereich der Ausbildung hinausgehen.

Die Uni möchte die Studienzweifler möglichst an der Hochschule halten. Philipp Schmidt begrüßt, dass ein Drittel der Zweifler an der Uni bleiben wolle. „Zweifel ist keine Schwäche, sondern etwas normales.“ Da sei die Hochschule verantwortlich für die Studierenden.

Deswegen hat sie vor zwei Jahren ihr eigenes Angebot in dem Bereich aufgestockt und eine Psychologin eingestellt. Seitdem hätten sich fast hundert Studierende beraten lassen. Rund die Hälfte davon wurden schließlich an „Navi“ weitergeleitet. Das System sei in beide Richtungen flexibel, so Schmidt. „Unsere Angebote werden gut genutzt. Die Bereitschaft sich Zweifel einzugestehen und Hilfe zu suchen, steigt.“

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