Kostensteigerungen

Siegen: Wieso die Energiekrise dem Klimaschutz nützen kann

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Photovoltaikanlagen sind eine der Technologien, mit denen Unternehmen ihre Energiekosten senken und ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren möchten. (Symbolbild)

Photovoltaikanlagen sind eine der Technologien, mit denen Unternehmen ihre Energiekosten senken und ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduzieren möchten. (Symbolbild)

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Siegen.  Immer mehr Unternehmen suchen in Siegen Hilfe und Beratung aufgrund der Energiekrise. Die Lage ist ernst, könnte aber auch positive Effekte haben.

Wegen der steigenden Kosten verstärken heimische Unternehmen die Suche nach Energie-Einsparpotenzialen. „Der Druck auf die energetische Transformation nimmt zu“, sagt Hans-Peter Langer, Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK)Siegen. Regionen wie Siegen-Wittgenstein, in denen viel energieintensive Industrie ansässig ist, würden von der Entwicklung stärker getroffen als andere. Derzeit würden sich auch mehr Betriebe mit dem Wunsch nach Beratung und Unterstützung melden als zuvor.

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Die Unternehmen seien „beunruhigt, sicherlich – aber nicht hysterisch“, ordnet Hans-Peter Langer ein. Gefragt sind praxistaugliche Lösungen und Einschätzungen, „schwarzsehen hilft nicht“. Größere Betriebe hätten dabei zweifellos andere Möglichkeiten, könnten beispielsweise extra Fachleute einstellen, die sich mit der Energiethematik befassen. Viele Unternehmen, gerade kleinere, würden diese Dienstleitung hingegen einkaufen: Die Expertinnen und Expertinnen würden dann die Lage vor Ort in Augenschein nehmen, Interviews führen und Vorschläge erarbeiten. Die IHK selbst verfolgt mehrere Ansätze, um Firmen zu unterstützen:

Siegen: IHK bietet Unternehmen in der Energiekrise Beratung zu verschiedenen Optionen

Eins-zu-Eins-Beratungen: Roger Schmidt, Leiter des IHK-Referats Innovation, Umwelt und Energie, hilft bei vielen Fragen weiter, wie Hans-Peter Langer erklärt. Es gehe nicht nur um Unternehmen, die sich Sorgen wegen der Gasversorgung machen, sondern beispielsweise auch um Aspekte wie die Installation von Photovoltaikanlagen – wie ein solches Projekt anzugehen sei, welche Fördermöglichkeiten es gebe. Alternative Energien bekommen derzeit einen höheren Stellenwert.

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„Man merkt, dass das Thema viel prominenter geworden ist“, sagt der IHK-Geschäftsführer. Die Kammer bemühe sich sehr darum, Orientierung zu schaffen, auch im Kontakt mit Versorgern. „Was droht uns? Wie wahrscheinlich ist welches Szenario?“, gibt Hans-Peter Langer Beispiele für Fragen, die Unternehmen umtreiben.

IHK Siegen: Unternehmen können in Energiekrise von Erfahrungen anderer profitieren

Austausch: Anfang Mai ging die bundesweite IHK-Plattform „Unternehmensnetzwerk Klimaschutz“ (UNK) an den Start – mit mehr als 450 Gründungsmitgliedern. Ziel des UNK ist laut einer Mitteilung „der praxisorientierte Austausch über Erfahrungen, Chancen und Herausforderungen im betrieblichen Klimaschutz“. Das Thema „Alternative Energien“ rückt dabei momentan zwangsläufig in den Vordergrund: Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine und die daraus resultierenden Konflikte mit der westlichen Welt machen schmerzhaft deutlich, wie gefährlich eine Abhängigkeit von fossilen Energieträgern aus anderen Staaten ist.

Die IHK könne unterstützen, indem sie über die Online-Plattform hinaus etwa mit Workshops, Vorträgen oder Austauschrunden Unternehmen zusammenbringt, wie Hans-Peter Langer erläutert. Der Nutzen sei nicht zu unterschätzen. Positive (und negative) Praxiserfahrungen, die Akteurinnen und Akteure teilen, könnten anderen enorm helfen. Das gelte für die praktische Ausgestaltung ebenso wie für die Überwindung bürokratischer Hürden.

Siegen: Energie sparen im Unternehmen geht die gesamte Belegschaft an

Umdenken fördern: Wenn in Unternehmen das Energiethema fest etabliert und damit konsequent im Bewusstsein der Belegschaft verankert werden kann, eröffnet das viele Möglichkeiten, wie Hans-Peter Langer erklärt. Dies lasse sich unter anderem über das Energie-Scouts-Programm erreichen: Auszubildende erwerben dafür ein Jahr lang in regelmäßigen Workshops grundsätzliche Kenntnisse über Energiespar-Potenziale in Unternehmen. Am Ende steht ein Abschlussprojekt im eigenen Betrieb.

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Die jungen Leute suchen dabei nach Energielecks – nicht nur nach den ganz großen, sondern auch nach den vielen kleinen, die in Summe ebenfalls hohe Kosten verursachen: Ineffiziente Kopierersteuerungen etwa oder suboptimale Beleuchtung. Wichtig ist, dass die Scouts nicht isoliert vor sich hin werkeln, sondern ein Beispiel geben und Kolleginnen und Kollegen inspirieren. „Wenn Sie so einen Keil setzen, können Sie im Unternehmen vom Mind-Set komplett auf Energie-Effizienz gehen“, sagt der IHK-Geschäftsführer.

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