Rat

Siegen will die Wildschweine aus der Stadt vertreiben

Wildschweine haben in den Sommermonaten 2017 mehrfach den Garten von Urdel Götting im Siegener Zentrumsbereich zerwühlt.

Wildschweine haben in den Sommermonaten 2017 mehrfach den Garten von Urdel Götting im Siegener Zentrumsbereich zerwühlt.

Foto: Hendrik Schulz

Siegen.   Siegener Rat verlangt von der Jagdbehörde Maßnahmen gegen Wildschweinrotten in der Stadt – und entwickelt dabei Kreativität

Die Jagdbehörde des Kreises soll „geeignete Maßnahmen“ gegen Wildschweine im bewohnten Stadtgebiet ergreifen. Das hat der Rat einstimmig beschlossen. Der Einigkeit in der Sache ging ein Streit um Worte voran, den Martin Gräbener (Linke) beendete: Auf seinen Vorschlag, den Antrag des Jamaika-Bündnisses von CDU, Grünen und FDP „höflicher“ zu formulieren („bitten“ statt „fordern“, „kurzfristig“ statt „unverzüglich“) ließen sich alle Fraktionen ein. „Bei Paul Breuer“, so Peter Schulte (WAS) über den der CDU angehörenden früheren Landrat, „hätten Sie so einen Antrag nie und nimmer gestellt — der Ton macht die Musik.“

Aufforderung an den Landrat

Den Ton hatte Rüdiger Heupel (CDU) vorgegeben, als er in der Begründung des Jamaika-Antrags über das „schlaue Tier“ fabulierte, „das unsere Gesetze gut zu kennen scheint“ — in Wohngebieten müsse es halt keine Jäger fürchten. Das Wildschwein verbreite Angst, vor allem unter Spätheimkehrern und morgens unter Schulkindern auf dem Weg zur Schule. „Der Landrat muss handeln.“

Wolfgang Könen (FDP) kannte das Problem: „Bei mir waren sie in diesem Jahr schon drei Mal.“ Traute Fries (SPD): „Es ist an der Zeit zu handeln.“ Das sei aber „kein Problem, das wie ein Lichtschalter ausgeknipst werden kann“, sagte Detlef Rujanski (SPD), dem die Frontstellung gegen die Kreisverwaltung nicht passte: „Es gibt keine Stadtwildschweine und Kreiswildschweine.“

Silke Schneider (Linke) wies darauf hin, dass Menschen den Tieren immer mehr Lebensraum entzögen, andererseits Wild für die Jagd anfütterten. Sie regte an, den Wolf willkommen zu heißen, der die Wildschweine reißen könnte — „vor Menschen hat der Angst“. Dr. Wolfgang Sonneborn (fraktionslos) riet, für Wildschweine Lebendfallen aufzustellen, in denen sie dann getötet werden. „Das ist eine ganz humane Sache.“

Michael Groß (Grüne) betrachtete die unüblich lange Debatte eher distanziert: „Anscheinend gibt es kein anderes Thema, für das der Rat so viele Experten hat.“ Martin Gräbener (Linke) riet, „die Kirche im Dorf zu lassen“, und erkundigte sich nach der Relevanz des Themas: „Ich habe den Eindruck, dass hier die allgemeine Volksbewaffung gefordert wird.“ Peter Schulte (WAS) fand das „durchaus unterhaltsam“, erlaubte sich aber den Hinweis, dass weitaus mehr Menschen als Opfer von Jagdunfällen als nach Angriffen von Wildschweinen sterben. Der Initiative des Rates sagte er einen „Ausgang wie das Hornberger Schießen“ voraus.

Warum er seinen „höflichen“ Formulierungsvorschlag nicht direkt am Anfang gemacht habe, fragte Bürgermeister Steffen Mues am Ende den Linken-Fraktionschef. „Ich wollte mir die Debatte nicht entgehen lassen“, erwiderte Martin Gräbener. Dann war es aber auch gut: Für den Antrag der UWG. das Land zur Änderung des Jagdgesetzes aufzufordern, hoben sich nur noch wenige Hände.

>>> Info: Verwüstungen auf dem Fischbacherberg

Die Wiederherstellung der von Wildschweinen zerstörten Edith-Langner-Anlage auf dem Fischbacherberg fordern CDU, Grüne und FDP in einem Antrag zur nächsten Sitzung des Bezirksausschusses West. Auch Spielplatz und Grünflächen am Jugendzentrum sollen instand gesetzt werden. „Die Verwüstungen durch Wildschweine auf dem oberen Fischbacherberg haben ein nicht gekanntes Ausmaß angenommen.“

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