Tourismus

Siegen-Wittgenstein will sich als Wanderregion profilieren

Der Rothaarsteig zählt als prominenter Wanderweg zu den touristischen Attraktionen des Kreises Siegen-Wittgenstein. Hier: eine der Aussichtsplattformen auf der Tiefenrother Höhe / Kalteiche bei Wilgersdorf.

Foto: Hendrik Schulz

Der Rothaarsteig zählt als prominenter Wanderweg zu den touristischen Attraktionen des Kreises Siegen-Wittgenstein. Hier: eine der Aussichtsplattformen auf der Tiefenrother Höhe / Kalteiche bei Wilgersdorf. Foto: Hendrik Schulz

Siegen-Wittgenstein.   Der Touristikverband wertet Daten der landesweiten Marktforschung aus. Ergebnis: Vor allem Best Ager und Wanderfans zieht es in die Region.

Im Kreisgebiet ist die „Nachfrage nach touristischen Dienstleistungen in den letzten zwölf Jahren offensichtlich kontinuierlich und deutlich gestiegen“. Zu diesem Schluss kam Thorsten Engels vom Touristikverband Siegerland-Wittgenstein (TVSW) in seinen Ausführungen über „Aktuelle Erkenntnisse aus der landesweiten Marktforschungsoffensive im Bereich Tourismus“ im Ausschuss für Wirtschaft und Regionalentwicklung des Kreises.

Angebot und Zielgruppen

Marktforschung gehört nach eigenen Angaben zu den Aufgaben des TVSW – um zu wissen, wer die Region überhaupt von wo aus besucht. Und vor allem: Warum.

Die Zahlen stammen aus Erhebungen des Landesverbands Tourismus NRW. Dieser hat mit 15 Partnern eine Marktforschungsoffensive gestartet, die für diverse Regionen in Nordrhein-Westfalen Informationen liefert. Der gemeinsame Ansatz, an dem sich TVSW und Kreis mit 6000 Euro finanziell beteiligt haben, nutzt Synergien und schafft Vergleichbarkeit. Und „die Instrumente geben wahnsinnig viele Daten her“, betont Engels.


Die touristischen Stärken Siegen-Wittgensteins sind den Ergebnissen nach vor allem die Bereiche Natur und Wandern, Landurlaub, und – mit Abstrichen – Radfahren. Beliebt ist die Region vor allem bei „Best Agern“, also der Generation 50plus, auch bei erwachsenen Paaren und Familien. Weniger punkten kann der Kreis bei jungen Singles und Paaren, nur sehr bedingt bei erwachsenen Singles. Überwiegend kommen die Gäste aus Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rhein-Landpfalz und Niedersachsen. Überraschend ist das alles nicht, räumt Engels ein, denn davon geht der TVSW schon länger aus. „Aber wir haben nun zum ersten Mal Zahlen, die belegen, dass wir bisher nicht falsch unterwegs sind.“

Was aus den Daten folgt

„Wir können unsere Produkte noch deutlich mehr profilieren“, sagt Engels, „wir können unsere Themen jetzt mit Messwerten untermauern“. Die empirischen Grundlagen sind den Fachleuten so wichtig, weil sich daraus die aussichtsreichsten Ansätze ableiten lassen. Die Tourismusbranche arbeitet in der Regel zunächst mit den Stärken, die die jeweilige Region zu bieten hat, weil die Etablierung am Reißbrett entworfener Schwerpunkte für gewöhnlich viel Zeit, Geld und Aufwand erfordert – bei ungewissem Erfolg. Die Förderung bereits vorhandener und überregional bekannter Stärken hingegen gilt als vielversprechend. Für Siegen-Wittgenstein läuft das auf eine „Profilierung im Wanderbereich hinaus“, sagt Engels. „Das ist der Bereich, der uns von unseren Zielgruppen zugeschrieben wird. Da wollen wir uns als Destination weiterentwickeln.“

Die offizielle Beherbergungsstatistik weise für das Jahr 2016 ein Plus von 2,4 Prozent bei den Gästeankünften aus, gleichzeitig aber eine um 0,4 Prozent gesunkene Zahl von Übernachtungen. Die mittlere Aufenthaltsdauer sank damit von 3,4 auf 3,3 Tage im Vergleich zu 2015. Doch, so Engels in seiner Präsentation, der „Blick auf die reinen Übernachtungszahlen ist trügerisch – auch wenn er sich als Vergleichsgröße etabliert hat“.

Die Beherbergungsstatistik wird jährlich vom statischen Landesamt IT.NRW vorgelegt. Darin sind allerdings auch Klinikaufenthalte enthalten. Da die Zahl der Vorsorge- und Reha-Kliniken (VRK) aber über einen längeren Zeitraum betrachtet deutlich sank, zieht Engels eine vergleichende Betrachtung der Jahre 2004 (zehn geöffnete VRK) und 2016 (sechs geöffnete VRK) heran.

Deutlich höhere Übernachtungswerte

Unter diesem Blickwinkel kommt der TVSW zu dem Ergebnis, dass „deutlich höhere Übernachtungswerte“ vor zwölf Jahren (886 746 Übernachtungen im Jahr 2004, „knapp 90 000 mehr als im vergangenen Jahr“) im Zusammenhang mit Einzelzahlen der beiden großen Segmente zu betrachten sind. Die Hotels im Kreis verzeichnetem demzufolge 2016 mit insgesamt 295 344 genau 90 247 Übernachtungen mehr als im Jahr 2004. Bei den VRK aber ging es von 487 551 Übernachtungen vor zwölf Jahren auf zuletzt 323 035 zurück: Ein Minus von 165 519 Übernachtungen.


„Bereinigt man die vorliegenden Zahlen für die 2004 und 2016 und schließt die VRK aus“, ergeben sich laut Ausführungen des TSVW gestiegene Anteile bei „rein touristischen“ Ankünften und Übernachtungen innerhalb der vergangenen zwölf Jahre. Für die Experten ein gutes Zeichen: „Die Region, aber auch viele Betriebe haben diesem in ihren Planungen Rechnung getragen und sind inzwischen ganzjährig bestens aufgestellt in Sachen Produkt- und Angebotsentwicklung, Qualitätssicherung und Service“, heißt es abschließend.

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„Das reine Hotelsegment“ ist in der Präsentation des Touristikverbands „ohne Hotel garnis und Gasthöfe“ definiert.

Darüber hinaus gibt es noch Ferienwohnungen und Pensionen. In der offiziellen Statistik des Landesamts werden allerdings – seit Januar 2012 – nur Betriebe mit mindestens zehn Betten erfasst.

Insgesamt 4654 „angebotene Betten“ standen in Siegen-Wittgenstein im Jahr 2016 der Statistik nach zur Verfügung. Davon entfielen 1906 auf Hotels und 1049 auf Vorsorge- und Reha-Kliniken.

Trotz der Konzentration auf besonders vielversprechende Zielgruppen verspricht der TSVW: „Alle Gäste sind willkommen.“


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