Zeitgeschichte

Siegener Bürgerantrag: Fißmer-Anlage in „Klubb“ umbenennen

Der „Ufo-Brunnen“ ist Teil der Fißmer-Anlage.

Der „Ufo-Brunnen“ ist Teil der Fißmer-Anlage.

Foto: Florian Adam

Siegen.   Stadtarchiv und Universität planen Ausstellung zur Verwaltung der Stadt in der Nazizeit mit umfangreicher Recherche zum ehemaligen Bürgermeister.

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Stadtarchiv und Universität planen zum Wintersemester 2018/19 eine Ausstellung, die sich mit der Verwaltung der Stadt Siegen in der Zeit des Nationalsozialismus befasst. In diesem Zusammenhang seien „umfangreiche Recherchearbeiten zur Person Alfred Fißmer avisiert“, heißt es in einer Vorlage von Bürgermeister Steffen Mues an den Hauptausschuss, „auch anhand von neueren Akten, darunter seine Entnazifizierungsakte“. Erst wenn diese Erkenntnisse vorlägen und damit „eine sach- und fachgerechte Beurteilung der Rolle des ehemaligen (Ober-) Bürgermeisters insbesondere in der Zeit von 1933 bis 1945“ möglich sei, solle über den Bürgerantrag zur Umbenennung der Alfred-Fißmer-Anlage entschieden, schlägt Mues vor.

1953 zum Ehrenbürger ernannt

Ein Netphener Bürger hat angeregt, mit dem Namen der Anlage an die dort 1869 abgebrannte Häuserzeile „Klubb“ zu erinnern; außerdem solle an einer Tafel am Rathaus über den bisherigen Namensgeber informiert werden, der nicht nur — wie von der Gesellschaft für Stadtmarketing im Internet dargestellt — „verdienstvoller Siegener Oberbürgermeister“ gewesen sei. Geschätzt wird Fißmer, weil er durch den Bunkerbau vor dem Krieg für ausreichende Luftschutzplätze gesorgt hat; er soll auch Menschen vor der Deportation in Konzentrationslager bewahrt haben. Bei einem Suizidversuch, dem Auseinandersetzungen mit der örtlichen NSDAP-Leitung vorangingen, verletzte sich Fißmer 1942 schwer.

Beratung im Hauptausschuss

Alfred Fißmer (1878-1966) war von 1923 bis 1945 im Amt, der NSDAP trat der bis dahin parteilose Jurist 1933 bei, zugleich wurde er förderndes Mitglied der SS. Im Entnazifizierungsverfahren wurde er 1947 entlastet. Bemühungen, ihn wieder in sein Amt einzusetzen, liefen ins Leere. Die Militärbehörden untersagten 1947 eine vom Rat beschlossene Straßenbenennung nach Fißmer; ausgesucht worden war dafür die dem SA-Sturmführer gewidmete Horst-Wessel-Straße. 1953 wurde Fißmer Ehrenbürger der Stadt Siegen. Die Umbenennung der Fißmer-Anlage, die im Rahmen von „Rund um den Siegberg“ neu gestaltet werden soll, haben auch die Grünen im Siegener Rat vorgeschlagen.

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