Wissenschaft

Forscher der Uni Siegen untersuchen Erziehung von Heimkindern

Forschen zur Heimerziehung: Manuel Theile, Andrea Dittmann und Prof. Klaus Wolf (von links).

Forschen zur Heimerziehung: Manuel Theile, Andrea Dittmann und Prof. Klaus Wolf (von links).

Foto: Uni Siegen

Siegen.   Die Forschungsgruppe „Heimerziehung“ der Uni Siegen untersucht inGrundlagen- und Praxisforschungsprojektenstationäre Kinder- und Jugendhilfe.

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Kristin* hat fünf Kinder, ist erneut schwanger und entscheidet, Tochter Mara vorübergehend in ein Heim zu geben. Dann die Nachricht, dass Mara nicht mehr zurückkommt: Das zumindest ist der Plan der Pädagogen und Sozialarbeiter. Ein Schock für Kristin. Fünf Jahre kämpft sie, um die Heimerziehung zu beenden damit Mara zurückkehren darf.

Bei einer Tagung an der Uni Siegen haben Experten aus Wissenschaft und Praxis Gründe für ein unplanmäßiges Ende von Heimerziehung diskutiert: Ist sie immer negativ zu sehen? Ist Heimerziehung überhaupt planbar?

Mitorganisator Prof. Klaus Wolf: „Kinder und Jugendliche in Heimen sind Menschen mit besonderen Merkmalen und schwierigen Startbedingungen.“ Heim-Pädagogen könnten sie nicht einfach nach ihren Vorstellungen verändern, Pläne oder Vorhersagen zu Beginn der Heimerziehung seien schwierig. „Kinder entwickeln sich selbst, Pädagogen können das anregen und fördern. Zielgerichtete Menschenveränderung ist nicht möglich“, so Wolf.

Familie stabilisiert sich

Die Gründe, warum Kinder und Jugendliche vorzeitig eine Heimeinrichtung verlassen, sind vielfältig. Frühzeitige Beendigung kann Zeichen bitteren Scheiterns sein, etwa wenn das Jugendamt die Betreuung beende oder die Kostenübernahme abgebrochen werde. Sie kann aber auch positive Gründe haben. Wolf: „Manchmal finden Jugendliche ihren eigenen Weg oder die Familienverhältnisse haben sich so stabilisiert, dass das Kind zurückkehren kann.“

Für eine positive Entwicklung sei enge und gute Zusammenarbeit aller Beteiligten wichtig, meint Manuel Theile, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Forschungsgruppe „Heimerziehung“ der Uni. „Familienarbeit ist von zentraler Bedeutung, etwa durch Unterstützung der Eltern, damit sie ihre Kinder wieder aufnehmen können.“

Zähneknirschende Entscheidung

Was viele nicht wissen: Meist geben Eltern ihre Kinder freiwillig ins Heim, etwa wenn eine vorübergehende Überbelastung vorliegt. „Das ist oft eine verantwortungsvolle, wenn auch zähneknirschende Entscheidung im Sinne des Kindes“, so Ko-Organisatorin Andrea Dittmann. Betroffen seien oft Alleinerziehende ohne Freunde oder Familie. Dann behalten Eltern das Sorgerecht und haben Mitspracherecht bei der Heimerziehung.

Im Fall von Kristin und Mara ist das nicht so gelaufen, wie es sollte. Eine Ausnahme sei das allerdings nicht. Oft werde über die Köpfe der Eltern hinweg entschieden. „Viele Jugendhilfeeinrichtungen wissen, dass die Kooperation mit den Eltern ausbaubar ist“, so Dittmann. „Ihnen fehlt häufig das Personal, um das für alle befriedigend umzusetzen.“

*Name geändert.

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