Unternehmer

Siegener will Homeschooling-Plattform programmieren

Jonas Sander hat mit seinem Freund Nils eine Schulplattform entwickelt. Sie haben sich das Programmieren selbst beigebracht.

Jonas Sander hat mit seinem Freund Nils eine Schulplattform entwickelt. Sie haben sich das Programmieren selbst beigebracht.

Foto: Leandra Stampoulis

Siegen.  Jonas Sander aus Siegen ist 19 Jahre alt und Unternehmer. Auf seiner Plattform „Sharezone“ können sich Schüler, Eltern und Lehrer austauschen.

„Welche Hausaufgaben habe ich heute auf?“ Eine Textnachricht in die WhatsApp-Gruppe der Klasse geschickt, im Laufe des Nachmittags stellen drei Mitschüler dieselbe Frage ebenfalls in die Gruppe. Dokumente werden unübersichtlich, mehrfach in den Chat geschickt – man verliert den Überblick. Mit diesem Chaos soll Schluss sein, dachten sich Nils Reichert und Jonas Sander, beide 19 Jahre alt.

Sie haben eine Schulplattform programmiert: „Sharezone“. Die Abiturienten haben ihr Unternehmen im Februar diesen Jahres als GbR angemeldet und letzten Monat in eine UG umgewandelt. Damit kam Jonas Sander sogar jetzt als Unternehmer in dem Europäischen Wettbewerb „20Under20“ von TransferWise unter die Top 20 der unter 20-jährigen Unternehmer.

Siegener fand Idee erst „kacke“

Jonas Sander und Nils Reichert waren früher befreundet und haben zusammen in Siegen Badminton gespielt. Dann zog Reichert nach Düsseldorf. Die beiden Freunde verloren sich aus den Augen. Vor zwei Jahren trafen sie sich zufällig im Internet auf einer Videoplattform wieder. Reichert teilte seinem alten Freund Sander eine Idee mit: Eine Plattform, auf der sich Schüler austauschen können. Pro Klasse soll es die passenden Kurse und Fächer geben.

So kann ein Schüler die jeweiligen Hausaufgaben in einen digitalen Plan der Klasse eintragen und jeder Mitschüler hat von zu Hause Zugriff auf die Aufgaben. Kein Chaos mehr in irgendwelchen Chatgruppen. Jonas Sander stellt heraus, dass es anfangs eine Idee von Schülern für Schüler war, um den Schulalltag zu erleichtern. „Ich fand die Idee erst kacke“, sagt Jonas Sander lächelnd. Dann hat er aber noch einmal drüber nachgedacht und ließ sich darauf ein. Mit noch zwei weiteren Freunden, die mittlerweile nicht mehr dabei sind, starteten sie das Programmieren von „Sharezone“.

So funktioniert die Plattform

„Ich hatte Informatik in der Schule, aber da hat man nicht allzu viel Brauchbares für unsere Plattform gelernt“, sagt der Unternehmer. Die Freunde fingen in den Osterferien 2018 mit dem Programmieren an. Täglich saßen sie bis zu 14 Stunden an ihren PCs. Alles ist selbst erarbeitet: „Mann muss nur wissen, was man googeln muss, um eine Lösung für seine Idee zu bekommen“, sagt Jonas Sander.

Innerhalb von zwei Osterferienwochen bastelten sie an ihrem Prototypen, mit dem es dann nach Berlin zum „StartUpTeens“- Wettbewerb 2018 ging. Dort haben die Jungs dann den ersten Platz geholt und 10.000 Euro Preisgeld abgeräumt. „Wir haben das Geld aber nicht für uns privat genutzt, sondern alles in ‘Sharezone’ gesteckt“, sagt Jonas Sander. Als die erste Version ausgereift war, schalteten die Unternehmer kleinere Werbeblöcke bei Youtube und im App-Playstore. „Zur Zeit haben wir ungefähr 150.000 Nutzer. Und das nach zwei Jahren“, sagt Sander stolz.

Moderne und digitale Plattform

Die eigentliche Idee, eine Austauschplattform für Schüler und ihre Klassenverbände zu schaffen, war umgesetzt. Die beiden Jungunternehmer holten Eltern und Lehrer als potenzielle Nutzer mit ins Boot. Die Plattform kann auf dem PC und auf dem Handy mit Hilfe einer App genutzt werden. Nach dem Download der App muss man sich entscheiden ob man sie als Lehrer, Elternteil oder eben als Schüler nutzen möchte. Anschließend fragt „Sharezone“ nach einem Zugangscode für die jeweilige Klasse, falls schon einer erstellt wurde, kann man diesen einfach eintippen und schon ist man dort eingeloggt.

Andernfalls kann auch selbst eine Klassengruppe erstellt werden. Dann hat man Zugriff auf die Kurse oder Klassen des jeweiligen Jahrgangs und kann sich anhand seines Stundenplans in die jeweilige Fächer einwählen. In den Fächern können dann Hausaufgaben abgespeichert oder auch ein Gruppenchat mit Videoschalte durchgeführt werden. „Sonst können Lehrer zum Beispiel noch Infozettel auf der Plattform hochladen und Eltern sehen dann direkt, wo der nächste Schulausflug hingeht“, erläutert Sander.

Veränderung von „Sharezone“ unter Corona

Durch Corona mussten sich Schulen mehr mit der Digitalisierung des Unterrichts beschäftigen. Dadurch kam auch das Umdenken bei „Sharezone“: „Wir wollen eine weitere Version programmieren. Eine Schul-Lizenz, bei der ein Administrator Schüler in ihre Klassen und Kurse zuteilen und klassenübergreifend Schulmaterialien hochladen kann“, sagt Sander. Die momentane Schüler-Version ist kostenlos und die zwei Unternehmer verdienen nichts an ihrer App. Aber das soll sich mit der neuen Version ändern. Das Ziel sei es, mit den Schul-Lizenzen dann auch Geld zu verdienen, betont Sander.

Vor zwei Monaten kam die Idee für die Lizenz und momentan basteln Jonas Sander und Nils Reichert an einer Testversion, für die noch Pilotschulen gesucht werden. Natürlich muss sich „Sharezone“ gegen viele andere und größere Dienstleister auf dem Markt durchsetzen: „Viele Schulen nutzen zum Austausch zum Beispiel Microsoft Teams, IServ oder schul.cloud. Aber wir sind besonders dadurch, dass wir noch so jung sind und genau wissen was Schüler benötigen“, sagt Sander. Es sei die Benutzerfreundlichkeit, die „Sharezone“ besonders machen würde. Jonas Sander betont, dass aber ebenso das kostenlose Testen in Klassenverbänden und die schon jetzt hohe Anzahl an Schülernutzern, nämlich 150.000, ein Alleinstellungsmerkmal von „Sharezone“ seien.

Siegener unter den Top 20 der Jungunternehmer in Europa

Sharezone“ war innerhalb des zweijährigen Bestehens schon auf zehn verschiedenen Wettbewerben, davon gewann die Plattform ungefähr sieben, schätzt Jonas Sander. Als Gewinn gab es dann Workshops, in denen über verschiedene Themenbereiche eines Unternehmens gesprochen wird, zu gewinnen. Oder Preisgelder. Sander schätzt die Summe des gewonnnen Geldes auf ungefähr 20.000 Euro. Zuletzt hatte er sich bei dem europäischen Wettbewerb „20Under20“ von TransferWise als Unternehmer mit „Sharezone“ beworben. Mit 19 weiteren jungen Unternehmern aus ganz Europa wurde er unter die Top 20 gewählt.

Jonas Sander hatte nach seinem Abitur 2019 zwar ein Gründerstipendium des Landes NRW und damit monatlich für ein Jahr 1000 Euro erhalten, das Jahr sei aber jetzt rum: „Ich möchte mich dennoch im Moment auf unser Unternehmen konzentrieren.“ Für Jonas Sander also nach dem Abitur erstmal keine Ausbildung oder Studium, die zwei klassischen Wege, sondern Unternehmer sein. Zu Beginn habe sein Vater ein oder zweimal nachgefragt, was er jetzt nach der Schule machen will: „Studium oder Ausbildung kann ich alles noch machen, irgendwann. Im Moment ist ‘Sharezone’ meine Idee und mein Projekt. Und das unterstützen meine Eltern auch“, sagt Sander entschlossen.

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